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FN-Serie Heimat: Ausgewählte Exponate erläutern das vorindustrielle Leben in der Region / Das Bauländer Heimatmuseum startet am Sonntag, 6. Mai, in die neue Saison

„Wir haben ein Museum zum Anfassen“

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Braun

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Eine der besonderen Attraktionen des Bauländer Heimatmuseums ist der "Colonialwarenladen" aus Hergenstadt, der originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Ebenfalls ein Schmuckstück ist der Merchinger Hochzeitsschrank von 1795 (unten, Mitte). Links die Türen abgerissener Bürgerhäuser, rechts ein Blick in die bäuerliche Küche.

© Braun

Adelsheim. Bewahren, informieren, und vielleicht auch ein wenig mahnen - das sind nur einige der Aufgaben eines Museums. Der Erste, der sich in Adelsheim dem Bewahren widmete, war Gottlieb Graef. Er trug bereits ab etwa 1904 den Grundstock der Sammlung zusammen, die heute im Bauländer Heimatmuseum in der Adelsheimer Schlossgasse zu sehen ist.

Für die Information sind die vielen Ehrenamtlichen zuständig, die in Führungen die Kleinode der Ausstellung erläutern. Und wer möchte, kann eine Mahnung im Museum entdecken: das Althergebrachte sollte man kennen, um die heutige Entwicklung verstehen und einordnen zu können.

Zum Beispiel, wie sich das Einkaufen verändert hat: Im Museum ist der "Colonial- und Gemischtwarenladen" originalgetreu wieder aufgebaut, den Berta Bauer noch bis in die 70er Jahre in Hergenstadt betrieben hat. Nicht zigtausend Waren, sondern vielleicht 100, maximal 150 Artikel gab es da. Keine schreienden "Billiger"-Plakate, sondern einfache Beschriftungen. Man wühlte nicht in Regalen, sondern wurde am Tresen bedient. Den "gelben Sack" brauchte man nicht, denn die Ware wurde offen verkauft. Das Neueste aus dem Ort gab's gratis dazu.

Gottlieb Graef begann die Sammlung um 1905. Nach seinem Tod übernahm Postmeister Wilhelm Wenzel die Aufgabe des Bewahrens.

Ab 1935 widmete sich der Gewerbelehrer und Volkskundler Heinrich Heimberger der Sammlung.

In Kriegstagen lagerten einige der Objekte auf dem Dachboden der Jakobskirche, wo vieles verloren ging.

1975 übernahm Oberstudiendirektor Hans Rückert die Sammlung und erweiterte sie um Objekte aus dem ganzen Bauland.

In zahlreichen Gesprächen mit der Stadtverwaltung und Baron Joachim von Adelsheim wurde vereinbart, die Zehntscheune der Freiherren zum "Bauländer Heimatmuseum" umzubauen. 335 000 Mark wurden investiert, 250 000 Euro kamen als Zuschuss vom Land.

Beim Umbau wurde darauf geachtet, den Charakter des Gebäudes zu erhalten.

1986 wurde in der umgebauten Zehntscheune Einweihung gefeiert.

Nach dem Tod von Hans Rückert im Jahr 2008 übernahm der ehemalige Stadtkämmerer Günter Wörner die Aufgabe des Museumskustos. sab

So sind viele Objekte im Museum: Es sind kleine, fast unauffällige Dinge, die aber eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Wie die ledernen Wassereimer der Feuerwehr, die "Schandgeige", mit der einfachere Verbrechen bestraft wurden, oder die Nachtwächterhörner. Ein anderes Beispiel ist das Wanderbuch des Christian Ernst Sallmann, eines Messingschlossers, der auf seiner "Walz", der Pflichtwanderung des Handwerksburschen, weit herumkam. Bis nach Prag reiste der junge Adelsheimer schon um 1827.

So zeigt das Bauländer Heimatmuseum an ausgewählten Exponaten das vorindustrielle Leben im Bauland, die Stadtentwicklung und die Bedeutung der Freiherren für die Stadt. Denn mit der Familie von Adelsheim ist das Schicksal des Ortes eng verwoben.

Und die des Museums: Denn Baron Joachim von Adelsheim schenkte die 1758 erbaute Zehntscheune der Freiherren mit der Auflage, ein Museum einzurichten. Damit kam die Sammlung 1986 erstmals "unter Dach und Fach", wofür der damalige Kustos Hans Rückert jahrelang gekämpft hatte. Seit dessen Tod im Jahr 2008 betreut Günter Wörner das Museum, unterstützt von Barbara Hoch, Reinhold Merkle, Albert Rückert, Franz Schöberl und Konrad Schmid.

Ehrenamtliche Betreuer

Immer wieder greift das Museumsteam einzelne Bereiche auf, um kleine, aber feine Sonderausstellungen zu bestücken. In ehrenamtlicher Arbeit werden diese betreut und Führungen organisiert. Zu Ostern zeigte das Bauländer Heimatmuseum etwas ganz Besonderes, nämlich eine Ostereierausstellung - kein historisches Thema, aber ein Magnet, der Publikum ins Haus brachte, das dann natürlich auch die Dauerausstellung betrachtete.

Das Museum kann den Blick für den Wert des Überlieferten schärfen. Wie liebevoll hat man früher Alltagsgegenstände gefertigt, wie sorgfältig wurden diese gepflegt. Welche Handwerkskunst steckt in den Portalen der Bürgerhäuser, die im Erdgeschoss an der Wand lehnen. Ob man die stattlichen Gebäude auch heute noch abreißen würde?

Für Bürgermeister Klaus Gramlich ist das Bauländer Heimatmuseum ein "Museum zum Anfassen". "Da ist nicht alles in Vitrinen gesichert.

Man wirft einen Blick in die Vergangenheit des Baulands und erfährt, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben - als Schmied und Hafner, als Beamter oder Bediensteter bei der Herrschaft". Die räumliche Beengtheit der Zehntscheune mache man durch Sonderausstellungen im Kulturzentrum wett.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 05.05.2012
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