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„Stolpersteine“ in Adelsheim verlegt: Kleine Messingquader im Gehweg erinnern an die früheren jüdischen Mitbürger Max und Berta Alexander

„Ein Projekt, das gedanklich stolpern lässt“

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 16.05.2012

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Braun

Gestern verlegte der Künstler Gunter Demnig (oben) in Adelsheim die ersten "Stolpersteine" der Region, am Nachmittag wurden weitere Steine in Ravenstein angebracht. Konfirmanden gestalteten mit Pfarrerin Angelika Bless die Gedenkfeier mit, die Bürger-meister Gramlich mit einer Ansprache eröffnete. Rechts die Stifterinnen Ursula und Barbara Heimberger.

© Braun/Wiltschko

Max und Berta Alexander, hier auf einem Familienfoto, lebten bis zur Deportation im Jahr 1940 in der Adelsheimer Rietstraße. Rechts die frisch verlegten "Stolpersteine".

Adelsheim. In der Adelsheimer Rietstraße liegen seit gestern zwei "Stolpersteine". Die golden glänzenden Quader erinnern an die früheren Bewohner des Hauses Nr. 3, Berta und Max Alexander. Sie lebten hier bis zur Deportation 1940. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte die Steine in der Mittagszeit. Am Nachmittag fand eine kleine Gedenkfeier vor dem Gebäude statt, bei der sich der Künstler allerdings völlig im Hintergrund hielt.

"Die Stolpersteine von Gunter Demnig sind ein Kunstprojekt, das viel diskutiert wird, dem man aber nicht absprechen kann, dass es uns gedanklich zum Stolpern bringt", betonte Bürgermeister Klaus Gramlich im Beisein vieler Gemeinderäte, ehemaliger Nachbarn und auch von Pfarrer Drathschmidt. "Sie erinnern uns an die Zeit des Nationalsozialismus, die auch in Adelsheim eine sehr dunkle Zeit war. Unschuldige haben ihr Leben verloren: Deutsche jüdischen Glaubens, Adelsheimer wie wir".

Gramlich erinnerte an das Leben der Familie Alexander und begrüßte auch Barbara und Ursula Heimberger. Sie stammen aus Adelsheim, sie haben das Projekt angeregt und auch finanziert. Heimatforscher Reinhart Lochmann habe der Stadt den Hintergrund zur Familie Alexander vermittelt.

Die "Stolpersteine" sind ein Kunstprojekt für Europa, das Gunter Demnig (Köln) ins Leben rief. 2003 wurden die ersten Steine verlegt.

Demnig erinnert an Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt.

Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.

Im Neckar-Odenwald-Kreis liegen die ersten Steine nun in Adelsheim, weitere wurden gestern in Merchingen gelegt (Bericht folgt).

Jeder kann eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines "Stolpersteins" übernehmen. sab

Nur Zustimmung im Gemeinderat

Im Gemeinderat sei das Anliegen von Barbara und Ursula Heimberger auf einhellige Zustimmung gestoßen, was Gramlich besonders freute. Die "Stolpersteine" liegen, wie sich auch während der Gedenkfeier zeigte, in einer doch recht befahrenen Straße im Adelsheimer Zentrum, und können daher viele Passanten zum Nachdenken anregen, schloss Gramlich.

Pfarrerin Angelika Bless berichtete, dass sie sich zusammen mit den Konfirmanden mit der Familie Alexander beschäftigt habe. Die Jugendlichen bekamen bei einem Besuch in der ehemaligen Synagoge Sennfeld im Gespräch mit Reinhart Lochmann einen Einblick in das jüdische Leben in Adelsheim.

Im Rahmen der Gedenkfeier steuerten die Konfirmanden einige Lieder bei und stellten die Familiengeschichte der Deportierten dar. So ließen sich die Vorfahren der Alexanders schon vor 1750 in Adelsheim nieder, einer von ihnen war Wirt in der "Rose". Max Alexander hatte einen kleinen Laden und war als "Schmier-Max" oft mit dem Handkarren unterwegs, berichteten die Jugendlichen.

Ein Sohn von Max Alexander aus erster Ehe wurde Bäcker und wanderte nach USA aus, auch der zweite Sohn aus der Ehe mit Berta Oppenheimer schlug diesen Weg ein. Das jüngste Kind, ein behindertes Mädchen, blieb zunächst bei der Familie und kam dann in ein Heim, bis sich schließlich die Spur verliert: Wahrscheinlich wurde das Kind umgebracht. Max und Berta Alexander selbst wurden am 23. Oktober 1940 abgeholt und ins südfranzösische Lager Gurs gebracht. Dort wurden die Eheleute getrennt, sie wurde 1940 in Auschwitz umgebracht, er starb 1942 in Nexon.

Aktuelle Gedenksätze

Aus diesen Berichten zogen die Konfirmanden für sich selbst "Gedenksätze", die sie den Zuhörern vortrugen. Darin brachten sie das große Leid zur Sprache, das den Opfern widerfuhr, die Verzweiflung, die sie beschäftigt haben muss, aber auch die Kälte, welche die Täter empfunden haben müssen. Sie dachten ebenso an die Diskriminierung, die heute geschieht, und nahmen sich vor, sich für Gerechtigkeit einzusetzen.

"Das hat mich sehr bewegt", erklärte Ursula Heimberger. "Ich war zehn Jahre alt, als ich hörte, dass in der Nachbarschaft über Nacht eine Familie weggekommen war", berichtete sie. Dieser schlimme Gedanke habe sie das ganze Leben beschäftigt. Als sie dann vom Projekt Gunter Demnigs gehört habe und an ihrem heutigen Wohnort Frankfurt die ersten "Stolpersteine" gesehen habe, sei der Wunsch gewachsen, auch in Adelsheim Stolpersteine verlegen zu lassen - für die Familie Alexander. Dass daraus Realität wurde, sei auch der Vorarbeit von Reinhart Lochmann zu verdanken, so Ursula Heimberger. Pfarrerin Angelika Bless schloss die Gedenkfeier mit einem Gebet zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 16.05.2012
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