Külsheim.
54 Frauen trafen sich am Samstagvormittag im Gemeinschaftsraum der Seniorenwohnanlage "Blaues Haus" in Külsheim zu einem Frauenfrühstück der katholischen Landfrauenbewegung. Theologin Dr. Almut Rumstadt sprach zum Thema "Stärken im Frauenleben entdecken und leben". Siglinde Keller (Külsheim) und Christel Erbacher (Vollmersdorf) hatten die Veranstaltung koordiniert.
Die Referentin erzählte zu Beginn ihrer Ausführungen die spannende Geschichte "Erschaffung der Frau", in der sogar Gott habe einsehen müssen, dass es ohne Frauen nicht geht. Rumstadt meinte, lange Zeit sei verbreitet gewesen, "stark sein" heiße, ein Mann zu sein. Doch müssten starke Frauen ihre weiblichen Tugenden nicht ablegen, um gesellschaftliche Bereiche zu erobern. Man sei sich wohl einig, mit weiblicher Stärke sei nicht gemeint, erfolgreich zu sein wie ein Mann. Weibliche Stärke könne weder in Angleichung noch in Abgrenzung zu männlicher Stärke herausgefunden werden.
Die Anwesenden sammelten zusammen Eigenschaften, welche eine starke Frau habe. Starke Frauen hätten etwas gemeinsam, sagte Rumstadt, sie täten Dinge, die eigentlich als unmöglich gälten, in den Augen der Anderen und in den eigenen Augen. Die Referentin äußerte, starke Frauen überragten weniger starke Frauen, weil sie mehr Bereitschaft hätten, ein Risiko einzugehen. Stärkung werde durch Beziehung zu anderen Menschen erfahren. Gleichwürden starke Frauen nicht überall akzeptiert.
Der Antrieb, sich auf eigene Stärken und Leidenschaften zu besinnen, so Rumstadt, werde oft ge-weckt durch einen Mangel in der Welt, das innere Auge der Frau erblicke eine Welt, die besser sein könne. Aus einer solchen Vision entstehe der Drang, etwas zu verändern, es entwickle sich Stärke, "starke Frauen haben nicht etwas, ihnen fehlt etwas". Natürlich hätten starke Frauen gewisse Fähigkeiten und Eigenschaften, oft sei zu beobachten, dass die Stärke einer Frau mit der Herausforderung wachse. Weibliche Stärke sei an ein Begehren geknüpft, sei also individuell, nicht vergleichbar mit der Stärke von Anderen, sondern immer relativ. Starke Frauen ließen sich nicht einschüchtern, meinte die Vortragende, bildeten Netzwerke, stärkten sich gegenseitig, machten etwas Neues.
Rumstadt benannte das Thema Frauenquote als "ganz arg schwierig", es müsste selbstverständlich sein aufgrund dessen, was Frauen können. So heiße es in einer aktuellen Studie, mindestens drei Frauen auf der Top-Ebene eines Unternehmens mache dieses erfolgreicher. Denn Frauen führten im Durchschnitt viel näher am Mitarbeiter, gingen auf ihn ein und nähmen sich viel Zeit für Zuhören und Coachen. Dies führe zu einem angenehmen Arbeitsklima, welches Motivation, Eigenleistung und Loyalität des Mitarbeiters erhöhe. Sich kümmern, Kontakte pflegen, kommunizieren, solch typisch weibliche Eigenschaften sollten auch helfen, die Wirtschaftskrise zu überwinden und die Welt friedlicher zu machen.
Die Referentin sprach Beispiele starker Frauen aus vielen Bereichen des Lebens an, ob in der Politik, in der Wissenschaft oder als Erfinderinnen.
Zum Abschluss benannte Rumstadt mit dem Motto "Stark sein, nicht perfekt sein ..." ein "10-Punkte-Programm für starke Frauen". Schluss sein müsse mit dem schlechten Gewissen, mit falscher Be-scheidenheit, mit dem Schönheitskult, mit der Harmoniesucht, mit der Selbstkritik, mit dem Perfekti-onszwang, mit der Empfindlichkeit, mit den Selbstzweifeln, mit der Scham ("Wer nichts tut, begeht auch keine Fehler") und mit den Mädchenspielen, denn "starke Frauen sind erwachsen". hpw