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Neues Buch von Carl Gibson: „Quo vadis, Germania, wohin steuert Europa“ heißt sein aktuelles Werk

Über die Folgen der Globalisierung

Archiv-Artikel vom Samstag, den 21.05.2016

Igersheim. Die Flüchtlingskrise beherrscht seit Monaten die öffentliche Diskussion, die Nation, ja ganz Europa, scheint gespalten. "Ich bin Moralist, und so will ich mein Buch auch verstanden wissen", betont Carol Gibson. Seine "historischen Beiträge" hat er zum Teil schon in diversen Blogs kundgetan, etwa in "Der Freitag online". In seinem neuen Buch beschäftigt sich Gibson mit vielen Fragen. "Alles rund um die Flüchtlingskrise" umfasst deutsche Innenpolitik, internationale Wirtschaftspolitik, die Krisenregionen der Welt und den internationalen Terrorismus ebenso wie den Zustand der Gesellschaft und der EU.

Es ist teilweise starker Tobak, Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt nicht gut weg. Sie habe, so Gibson, bei der Aufnahme von Flüchtlingen "keine Obergrenze" genannt, das sei durchaus eine Aufforderung gewesen. "Nicht für diejenigen, die im vergangenen Sommer zu uns kamen, sondern für diejenigen, die heute noch kommen", sagt Gibson. Er hat die Folgen deutlich gemacht, etwa das Erstarken der neuen Rechten.

Doch Gibson macht klar, dass er zwar diese Entwicklung aufzeigt, aber eben nicht gut findet. "Das Problem ist doch, dass unsere Gesellschaft nicht darauf vorbereitet war. Angela Merkel hat sich mehrfach über Recht und Gesetz erhoben. Selbst das EU-Recht ist ausgehebelt worden" - ein gefundenes Fressen, ein Nährboden für Populismus und neue Parteien. "Nein, mit denen will ich mich nicht gemein machen", betont Gibson im Gespräch mit unserer Zeitung. "Keine meiner persönlichen Ansichten sehe ich bei der AfD berücksichtigt."

Was Gibson in seinem neuen Buch deutlich machen will, ist, dass die Flüchtlinge nicht "vom Himmel gefallen sind, sondern gemacht wurden" - ob in Afrika, Syrien oder dem Irak. "Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen, ganze Regionen sind destabilisiert. Den Menschen fehlt dort jegliche Perspektive und vielfach schlichtweg die Existenzgrundlage", macht er an vielen Beispielen deutlich. Ob Bushs Irak-Krieg, das Afghanistan-Abenteuer oder der arabische Frühling und das Ende Ghaddafis, in allen Fällen brachte der Sturz der Diktatoren vor allem eines - neue starke Männer, Bürgerkriege, gesellschaftliche Spaltung und wuchernden Terrorismus religiös verblendeter und miteinander verfeindeter Gruppierungen. Die Folgen des Kolonialismus, die Wirtschaftspolitik der USA und Europas sorgen dafür, dass auch in Afrika die Not nicht weniger wird.

"100 Millionen Menschen drängen nach Europa, diese Massen sind eine Folge der vom Westen gemachten Politik." Dabei bedroht die "neue Armut" längst auch unsere Gesellschaften, somit "potenzieren sich die Probleme". Nichts, so Gibson, dürfe isoliert betrachtet werden, "alles hängt zusammen". Im Kessel brodelt es heftig, die Zukunft erscheint nebulös, undurchschaubar und fragwürdig. Das vereinigte Europa bleibe ein Traum, das Europa der Nationen erstarkt, der Konflikt "Arme gegen Arme" werde von bestimmten Gruppierungen bewusst genutzt.

Gibson beleuchtet in seinem Buch die von ihm aufgezeigten Fragen als "Philosoph, Politologe und Zeitkritiker". Was tun mit den vielen Flüchtlingen, deren Trachten nach Freiheit, Sicherheit und einer wirtschaftlichen Existenz er "sehr gut nachvollziehen kann" - er selbst scheute einst keine Mühen und Risiken, um Ceausescus Rumänien zu entfliehen. Seine Flucht endete in der Donau, mit knapper Not blieb er am Leben und kam in den Sekuritate-Knast.

Kommen im Gefolge der Millionen Schutzbedürftigen auch die kleinen Bin-Ladens nach Europa, wie lassen sich all diese Menschen integrieren und wo stößt die Gesellschaft, ja Europa und der "freie Westen" insgesamt, an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit? Wer hat ein Recht auf Aufnahme; wer darf bleiben, wer nicht? Auch deshalb ist seine Botschaft, aktuelle Entwicklungen stets "politisch und ökonomisch und kritisch zu hinterfragen".

Die Antworten nämlich geben Aufschluss darüber, "was alles falsch gelaufen ist". Und nur vor einem solchen Hintergrund können tragfähige Lösungen erarbeitet werden. So ist "Quo vadis, Deutschland und wohin steuert Europa?" dann auch ein alles andere als leicht zu lesendes Werk. Leichte Kost kann und will Gibson nicht liefern, und nicht alle seine Thesen werden sofort auf Zustimmung treffen.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 21.05.2016