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Vortrag im Deutschordensmuseum: Archäologische Ausgrabungen in Markelsheim abgeschlossen / Dr. Andreas Thiel informierte über erste Ergebnisse

Verbindung zum keltischen Oppidum?

Archiv-Artikel vom Freitag, den 06.07.2012

Von unserer Mitarbeiterin Marianne Schober

Die Ausgrabungen im Baugebiet Fluräcker in Markelsheim wurden bis auf weiteres beendet. Nun können die Grundstücke verkauft werden.

© Marianne Schober

Dr. Andreas Thiel fasste in seinem Vortrag die bisherigen Ergebnisse zusammen. Er erläuterte dabei, welche Schlüsse man aus den Befunden in Markelsheim ziehen kann.

© <christiankleiner>

Das Grabbeil, eines der wertvollsten Funde in Markelsheim, weißt auf eine erhöhte Stellung in der Gesellschaft hin.

© Mühleis

Bad Mergentheim/Markelsheim. Bis auf weiteres wird es jetzt etwas ruhiger rund um das Baugebiet Fluräcker in Markelsheim. Denn vor zwei Tagen wurden die seit Herbst 2011 andauernden archäologischen Ausgrabungsarbeiten auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Gelände beendet.

Nach gut einem halben Jahr ist es nun auch an der Zeit, Bilanz zu ziehen und die Ergebnisse der monatelangen Arbeit der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das übernahm am Dienstag Dr. Andreas Thiel, der als Archäologe und Konservator des Landesamtes für Denkmalpflege in Esslingen für den Ausgrabungsort Markelsheim zuständig ist. In seinem Vortrag im Deutschordensmuseum erläuterte er erste Erkenntnisse, wobei die genauen Untersuchungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Sicher ist aber jetzt schon, dass einer der größten prähistorischen Friedhöfe des Taubertals gefunden wurde. Dieser umfasst rund 30 Einzelgräber, die sich in die Zeit der sogenannten Schnurkeramiker datieren lassen (zirka 2500 bis 2000 vor Christus). Benannt wurde dieses Volk der ausgehenden Steinzeit (Neolithikum) nach ihrer Art und Weise, Tongefäße zu verzieren (wir berichteten). Solche Tongefäße wurden in ganz Europa gefunden. Allerdings sei das Taubertal eine der interessantesten Regionen, wenn man sich mit dieser Kultur beschäftigt, betonte Dr. Andreas Thiel. Nicht zuletzt, weil hier die meisten gut erhaltenen Gräber sichergestellt werden konnten.

Diese lieferten in der Regel eine "Positivauswahl" an Befunden. Also nicht nur Bruchteile sondern komplette Gegenstände in Form von Grabbeigaben. Dabei stellten die Archäologen fest, dass die Größe der Tongefäße beispielsweise vom Alter des Verstorbenen abhängig war.

Zu den wichtigsten Funden in Markelsheim gehören unter anderem ein Steinbeil und ein kleiner Metallring. Das Beil lag neben dem Skelett eines Mannes und weißt auf seine Stellung in der Gesellschaft hin. Auch wenn es "nachgemacht" war. Denn es hat identische Muster mit einem Metallbeil, das es zu besagter Zeit wohl auch schon gab, was durch Funde an anderer Stellen belegt wurde.

Der Metallring war aufgrund seiner Beschaffenheit damals sehr wertvoll und ist es heute noch. Auch er deutet auf die soziale Stellung in der Gesellschaft hin.

Etwas, was es vorher so noch nicht gab. Die Unterscheidung zwischen arm und reich sowie die Einzelbestattung lassen die Vermutung zu, dass im ausgehenden Neolithikum ein Wandel in der Gesellschaftsstruktur stattfand. Das Individuum wurde wichtiger.

Außerdem fand ein Wandel im biologischen Bereich statt. Inzwischen erreichten Männer eine Größe von rund 1,60 Meter und die Frauen rund 1,50 Meter. Deutlich größer also als Jahrhunderte zuvor in Europa. Ein Grund dafür, dass es den Menschen immer besser ging, waren vermutlich die recht zivilisierten Lebensumstände. Es ist bewiesen, dass die Schnurkeramiker bereits den Pflug sowie das Rad gekannt, feste Wege benutzt, Tiere gezüchtet und richtige Kleidung getragen haben. Ebenso wussten sie von dem Gebrauch von Metallen, weswegen sie den Beginn der Bronzezeit ebneten

Ob sie jetzt aber sesshaft waren oder ein Nomadenleben führten, ist noch nicht hundertprozentig bewiesen. Denn auch in Markelsheim wurden keine Hinweise auf eine Siedlung gefunden. Aber Dr. Andreas Thiel nimmt trotzdem an, dass es hier eine gab und sich diese zwischen den Gräbern befand. Er begründete seine Vermutung mit den großen Abständen zwischen den einzelnen Skeletten.

Auch, ob die Menschen des prähistorischen Volkes "hier in der Gegend aufgewachsen sind oder nicht", wisse man noch nicht, so der Archäologe und Konservator des Landesamtes für Denkmalpflege. Dies lasse sich aber mit Hilfe einer Zahnschmelzanalyse herausfinden. Vielleicht ergibt sich daraus sogar ein Zusammenhang zu einem anderen Volk - bekannt unter Glockenbecherkultur-, das zur selben Zeit in Europa lebte. Jahrzehntelang galt die Theorie, dass sich die beiden Völker gegenseitig bekämpft hatten. Inzwischen scheint es durchaus möglich, dass eine Vermischung stattgefunden haben könnte.

In die lange Liste der Spekulationen reihen sich außerdem die Überreste eines keltischen Ofens, der mitunter zu den Funden vom Baugebiet Fluräcker gehört. "Dabei könnte durchaus eine Verbindung zu dem keltischen Oppidum in Finsterlohr bestehen", meinte Dr. Andreas Thiel. Die wissenschaftlichen Untersuchungen werden es zeigen.

Neben den Schnurkeramikern, auf denen der archäologische Fokus lag, konnten insgesamt Spuren menschlicher Existenz nachgewiesen werden, die sich auf die Zeit von ungefähr 2500 vor Christus bis 500 nach Christus datieren lassen.

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 06.07.2012
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