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Podiumsdiskussion (1): Umweltminister Franz Untersteller sprach in Bad Mergentheim zum Thema „So gelingt die Energiewende“

Stück für Stück in die neue Energiewelt

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 23.07.2014

Von unserem Redaktionsmitglied Olaf Borges

Gegenwind-Bürgerinitiativen nutzen die Veranstaltung, um eine Resolution an Umweltminister Franz Untersteller zu übergeben.

© Olaf Borges

Oberbürgermeister Udo Glatthaar ging vor der Podiumsdiskussion auf die Windkraft-Gegner zu und suchte den Dialog.

© Olaf Borges

"So gelingt die Energiewende" lautet das Thema von Umweltminister Franz Untersteller in Bad Mergentheim.

Bad Mergentheim. Die Energiewende in Baden-Württemberg ist für die grün-rote Landesregierung immens wichtig, muss sie sich doch am Gelingen der Umsetzung messen lassen. Nicht umsonst wirbt Umweltminister Franz Untersteller auf sogenannten Regionalsymposien in Freiburg, Heilbronn, Heidelberg und Biberach für die "Energiewende vor Ort". Am Montagabend war er auch in der Kurstadt. Unter dem Motto "So gelingt die Energiewende" stand die Podiumsdiskussion im Mittelstandszentrum, wo Untersteller auf Einladung der Kreis-Grünen vor rund 150 Besuchern sprach. Moderiert wurde die Veranstaltung von MdL Dr. Kai Schmidt-Eisenlohr (Grüne).

Umweltminister Franz Untersteller wies darauf hin, dass es bereits rund 80 Windkraft-Anlagen im Main-Tauber-Kreis gebe und er keinen anderen Landkreis mit einer solchen Anzahl kenne. Auch in anderen Bereichen habe man in Sachen erneuerbare Energie einiges bewegt. Man sei hier auf dem richtigen Weg, um die "alte Energiewelt" mit ihren Risiken Stück für Stück hinter sich zu lassen. Die grün-rote Landesregierung habe sich bei der Umsetzung konkrete Ziele gesetzt: Bis zum Jahr 2050 solle der Energieverbrauch um 50 Prozent sinken. Bei den verbleibenden 50 Prozent des Energieverbrauchs soll der Anteil der erneuerbaren Energien auf 80 Prozent ausgebaut werden und die energiebedingten Treibhausgas-Emissionen im Land Baden-Württemberg sollen bis zum Jahr 2050 um 90 Prozent gegenüber 1990 sinken. Untersteller sieht in der Energiewende vor allem eine große wirtschaftliche Chance für Baden-Württemberg.

Mit Blick auf den Stromsektor erklärte der Minister, dass derzeit in Baden-Württemberg pro Jahr 60 Terawattstunden erzeugt, dagegen aber 80 Terawattstunden verbraucht würden. "Und die Differenz wird größer", unterstrich Untersteller, schließlich würden die Atomkraftwerke ebenso wie unrentable konventionelle Kraftwerke abgeschaltet. Doch die Versorgungssicherheit gelte es auch unter den Rahmenbedingungen der "neuen Energiewelt" sicher zu stellen. "Dies ist eine der großen Herausforderungen, vor der wir stehen", machte Untersteller deutlich und hob hervor, dass auch der Netzausbau von Nord nach Süd unverzichtbar für den Erfolg der Wende sei.

Zum Thema

Auch den Verkehrs- und Wärmesektor dürfe man natürlich nicht außer Acht lassen. Für 31 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen sei der Verkehr verantwortlich, während im Wärmesektor 166 Terawattstunden pro Jahr verbraucht würden. "Es besteht also umfassender Handlungsbedarf, wenn die Energiewende Erfolg haben soll", stellte der Umweltminister klar. Ziel bis 2020 in Baden-Württemberg sei es, den Anteil der Photovoltaik bei der Bruttostromerzeugung auf zwölf Prozent, den der Windkraft auf zehn Prozent und den der Bioenergie und Wasserkraft auf je acht Prozent zu steigern. Die Windenergie müsse also auch in Baden-Württemberg ihren Anteil leisten, die Landesregierung setze hier aber nicht auf Vorschrift, sondern auf den Dialog zwischen Kommunen, Kreisen und Regionen, um tragfähige und bürgernahe Lösungen für den Ausbau der Windenergie zu finden. Untersteller verwies darauf, dass landesweit derzeit der Bau von 278 Anlagen beantragt sei, für 300 weitere lägen Anfragen vor. Und die Zahl derer, die genehmigt würden, liege mittlerweile schon bei 26 im ersten Halbjahr.

Die Nutzung von Windenergie an Land, wandte sich Untersteller an die Kritiker, sei gegenwärtig die kostengünstigste erneuerbare Energiequelle. Auch trage die Windenergie zum Klimaschutz bei. Pro Kilowattstunde fallen - vom Anfang bis zum Ende einer Windkraftanlage betrachtet - an Treibhausgasemissionen rund elf Gramm an. Im Vergleich nannte der Minister Gas mit 350 bis 400 Gram, Braunkohle gar mit rund 1000 Gramm.

Es gebe windhöffige Regionen in Baden-Württemberg, unterstrich der Grünen-Politiker und verwies auf die Verbesserung der Anlagentechnik, die mit weit mehr Leistung - heute schon im Schnitt 2,5 Megawatt - einhergehe. Dementsprechend brauche man auch weniger Anlagen, um das Ziel zu erreichen. "Ich habe für die Schwarzmalerei kein Verständnis", so Untersteller, auch wenn man die Anlagen nicht verstecken könne. Eingriffe in die Landschaft zur Energieerzeugung habe es aber schon immer gegeben, nur eben nicht bei uns.

Rund 300 Unternehmen würden in Baden-Württemberg von der Windenergie profitieren und etwa 41 000 Arbeitsplätze gebe es rund um das Thema erneuerbare Energie. "Von den Unternehmen her sind wir in Baden- Württemberg optimal für die Energiewende aufgestellt", verwies Untersteller auf die Chancen, die die Wende mit sich bringe. Was den Preis betreffe, so machte der Minister deutlich, dass der auch ohne erneuerbare Energie gestiegen wäre. Knapper werdende Vorkommen und gesteigerte Nachfrage würden zu einem Preisanstieg führen, da sei es doch nur gut, sich Stück um Stück von dieser Entwicklung abzukoppeln.

In der nach verschiedenen Kurzstatements (siehe Bericht unten) recht sachlich geführten Fragerunde wurden noch zahlreiche Themen rund um die Energiewende angesprochen. Von Windkraftgegnern wurde kritisiert, dass keiner aus ihren Reihen auf dem Podium habe Platz nehmen können. Die Gegenwind-Bürgerinitiativen nutzten die Veranstaltung auch, um im Vorfeld ihre Meinung mit Hilfe von Plakaten kundzutun und um eine Resolution an Umweltminister Franz Untersteller zu übergeben. Darin werden die Mitglieder des Regionalverbands Heilbronn-Franken, der am Freitag, 25. Juli, ab 9.30 Uhr in der Tauberbischofsheimer Stadthalle tagt, zum klaren "Nein" gegen "weiteren Windkraft-Unfug im Heilbronner Land/Hohenlohe/Taubergrund" aufgerufen.

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 23.07.2014
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