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Heimattage in Bad Mergentheim: Stadtführerserie „Hier bin ich besonders gern“ (Teil 7) / Heute mit Wolfgang Willig am Eingang zum Inneren Schlosshof

Sein Wappen lässt die Muskeln spielen

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 07.06.2016

Von unserem Mitarbeiter Joachim W. Ilg

Im Rahmen unserer Serie über Stadtführer und ihren Lieblingsort führt uns heute Wolfgang Willig zum Schloss. Seine Wappenführungen sind spannend wie ein Krimi.

Wolfgang Willig ist ein Meister darin, aus Wappen spannende Geschichten herauszulesen. Hier erläutert er das Hoheitszeichen des Maximilian von Habsburg, Erzherzog von Österreich, der den amtierenden Hochmeister einfach entmachtet und sich selbst an die Spitze des Ordens gestellt hat.

© Joachim W. Ilg

Das Wappen des Hochmeisters Maximilian von Habsburg ist eine reine Machtdemonstration (hier ein Ausschnitt). Es enthält nicht nur das Hochmeisterkreuz, sondern listet zudem in den kleinen Rechtecken seine mächtige Verwandtschaft in Europa auf. So steht beispielsweise in der linken Hälfte der goldene Turm und der Löwe für den spanischen Herrscher, den Onkel von Maximilian.

Bad Mergentheim. Wetten, dass die meisten Menschen, die durch Mergentheim laufen, die zahlreichen Wappen an Schlossmauern und Häuserwänden kaum eines Blickes würdigen. Sie, die Wappen der einst Mächtigen, führen heute ein Schattendasein, werden standhaft ignoriert und höchstens mal aus Versehen mit einem kurzen Blick gestreift. Einheimische und Gäste interessieren sich für diese historischen Dokumente fast so gut wie gar nicht. Aber die Ausnahme bestätigt natürlich auch hier die Regel. Und so findet sich doch, wenn man Glück hat, in der großen Menge der Vorbeihuschenden das seltene "Exemplar" des Wappeninteressierten oder gar des Wappenkundlers, für den diese Hoheitszeichen keine Bücher mit sieben Siegeln sind, sondern eine Art Schrift, die man lesen kann. Nur, was steht auf einem Wappen?

Der 66-jährige Wolfgang Willig gehört nicht nur zu den eher seltenen Heraldikern, wie man Wappenforscher auch nennt, er bildet zudem unter den städtischen Gästeführern eine gewisse Ausnahme, denn "ich zeige anhand der Wappen die Stadtgeschichte, andere tun dies anhand der Kirchen oder Plätze oder persönlichen Beziehungspunkte", erklärt er. Und dass der Lieblingsort bei seinen Führungen natürlich von einem Wappen dominiert wird, muss jetzt nicht weiter erklärt werden. Frage nur, zu welchem Wappen führt uns Wolfgang Willig?

"Geht mir aus dem Weg"

Wir kommen von der Fußgängerzone, gehen über eine kleine, steinerne Brücke, die als solche eigentlich fast gar nie wahrgenommen wird, passieren das Haupttor des Deutschordensschlosses, und dann: Vor uns weitet sich der Äußere Schlosshof. Wir biegen nach rechts ab zur Schlosskirche. Über dem Tor zum Inneren Schlosshof prangt das Wappen eines Herrschers aus dem 16. Jahrhundert, dessen Bild im benachbarten Museum hängt. Wer diesen Herrn näher kennt und dann noch sein finsteres Konterfei im Museum betrachtet, hat nur einen Wunsch: "Dem möchte ich nicht in der Dunkelheit begegnen", bringt Wolfgang Willig seinen Eindruck von Maximilian von Habsburg, Erzherzog von Österreich und Hochmeister des Deutschen Ordens, auf den Punkt.

Maximilian verkörpert den Machtmenschen der Renaissance im Sinne eines Machiavelli, erläutert Willig und zeigt auf das Wappenschild, das von fauchenden, wild blickenden Fabeltieren, so genannten Greifen, gehalten wird. "Geht mir aus dem Weg, denn überall in Europa habe ich Verwandte, die mich unterstützen", droht das Wappen des Adligen und listet mit Hilfe von Figuren, Farben und geometrischen Formen Mitglieder des Habsburger Herrscherhauses auf, die Besitz und Macht haben und mit denen man sich besser nicht anlegen sollte. So ist beispielsweise ein goldener Turm und ein Löwe zu sehen, Zeichen des Herrschers von Spanien, und der war der Onkel des Hochmeisters.

Und noch ein Wort zum finsteren Erzherzog. Eigentlich war er nur zum Nachfolger des amtierenden Hochmeisters bestimmt worden. Aber er hat ihn einfach kaltgestellt und sich selbstherrlich an die Spitze des Ordens geschwungen. Hören wir doch kurz in die Stadtführung Wolfgang Willigs rein: "Der Mann war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Hochmeister, sondern nur Stellvertreter mit dem Recht auf Nachfolge. Er hätte also die Hochmeisterzeichen im Wappen gar nicht verwenden dürfen. Das juckt ihn aber offensichtlich nicht". Klar, bei der Verwandtschaft hat ihn das auch gar nicht jucken müssen. Zweites Beispiel. Als Napoleon 1809 die Deutschordensherrschaft in Mergentheim beendet hat, ließ der württembergische König einfach sein eigenes Wappen anstelle des Ordenswappens am Schlosshaupteingang anbringen. So schnell geht das mit dem Machtwechsel (siehe Baden-Württemberg heute).

Wieder Marktführer

Während der damalige Erzherzog und Chef des Deutschen Ordens nicht gerade einladend wirkte, ist Wolfgang Willig das Gegenteil davon. Er lebt seit einigen Jahren in Bad Mergentheim, fühlt sich hier "sauwohl", wohnt stadtnah und gleichzeitig ruhig an der Tauber, nutzt den Radweg, um sich fit zu halten, und freut sich über Gäste und ihr Interesse bei seinen Stadtführungen.

Willig lebte 30 Jahre lang in Balingen, ist Diplompsychologe und war Marktführer auf dem Gebiet der Lehrbücher für (Kinder-)Krankenpflege und Altenpflege für das Fach Psychologie (215 000 Bücher hat er verkauft). Heute ist er zwar im Buchhandel kein Marktführer mehr, dafür ist er aber in Bad Mergentheim so etwas wie der Marktführer auf dem Gebiet der wappenorientierten städtischen Gästeführer geworden.

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 07.06.2016
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