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Deutschorden-Gymnasium: Stützpunktschule stellt ihre hohe Integrationskompetenz unter Beweis / Pädagogischer Tag brachte viele neue Erkenntnisse

Gleich von Anfang an richtig dabei

Archiv-Artikel vom Freitag, den 10.02.2017

Von unserer Mitarbeiterin Inge Braune

Beim "Pädagogischen Tag" am Deutschorden-Gymnasium erteilten ausländische Jugendliche den Mitschülern Sprachunterricht in ihrer Muttersprache und berichteten aus ihrer Heimat. Das Länderbuffet bildete den krönenden Abschluss.

© Braune

Ganz still werden die Kinder und Jugendlichen, ganz nachdenklich auch die Eltern und Lehrer, die mit ihnen im Raum sind. Omar berichtet aus seiner irakischen Heimatstadt Ramadi.

Bad Mergentheim. Omar zeigt ein Autobahnkreuz vor dem Bombardement und wie es anschließend aussah. Eingestürzte Brücken zeigt er, "das war die Verbindung zwischen Stadt und Universität". Ein Krankenhaus, das Autobomben untauglich machten und "die einzige Fabrik, in der Glas gemacht wurde".

Riesige Bombentrichter kennen die meisten im Raum nur aus Filmen. Hier standen Häuser, sagt Omar. Er ist kein Veteran, er ist Mitschüler und besucht die zehnte Klasse im Deutschorden-Gymnasium (DOG). Omar kam allein aus seinem Heimatland, überstand die Flucht übers Meer. Immerhin hat er losen Kontakt zu seiner Familie, die geblieben ist, berichtet er später beim kurzen Nachgespräch.

Gleich wird die Direktorin Sabine Rühtz das Länderbuffet eröffnen, das den krönenden Abschluss des "Pädagogischen Tags" an der "Stützpunktschule für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Herkunftssprache und gymnasialem Begabungsprofil" darstellt.

Aus aller Herren Länder stehen landestypische Leckereien auf dem Tisch. Quiche Lorraine aus Frankreich, Saucijzenbroodje aus Holland, arabische Kouba, italienische Amaretti, griechische Baklava, gefüllte Weinblätter nach arabischem Rezept.

Gekocht und gebacken haben zahlreiche Familien und deutsche Freunde der über 30 Gymnasiasten, die zwar in ihren Heimatländern Gymnasien oder vergleichbare Schulen besuchten, in Deutschland aber zunächst einmal nur "Bahnhof" verstanden.

Es sind unterschiedlichste Gründe, die sie nach Deutschland führten: Die Eltern der Zwölftklässlerinnen Eline und Lyanne etwa zogen aus beruflichen Gründen aus den Niederlanden nach Deutschland. Obwohl die beiden Sprachen einander gar nicht so fern stehen, lernten die beiden Mädchen düstere Zeiten kennen: "Manche neuen Mitschüler haben mich für dumm gehalten - und das glaubt man dann auch von sich." Dass da auch Tränen flossen, weiß auch die Direktorin noch. Jetzt steuern die Mädchen direkt aufs Abitur zu. Auch Olexandre ist soweit. Zwei Länderwechsel hat er hinter sich. Als Kind verschlug es ihn vom arabischen Kontinent nach Portugal. Portugiesisch hat er einfach aufgeschnappt. Kleinkinder schaffen das meist noch problemlos.

Doch als er vor fast vier Jahren als Halbwüchsiger mit der Familie nach Deutschland kam, verstand er kein Wort. Alle drei sprechen die neue Sprache längst fast akzentfrei und schreiben ganz regulär die Klassenarbeiten in Deutsch mit. Sie steigen ein als "DaZ (Deutsch als Zweitsprache)"-Schüler, nahmen vom ersten Tag an am ganz normalen Klassenunterricht teil.

Unglaublich schwer

Wie unglaublich schwer so etwas ist, konnten die Teilnehmer des pädagogischen Tags - rund die Hälfte der Schülerschaft nahm freiwillig teil - einmal selbst ausprobieren: Schülerinnen und Schüler erteilten ihnen Sprachunterricht.

Schon beim Abmalen der arabischen Buchstaben verknoteten sich bei manchem die Finger. Auch nicht leichter sind Bulgarisch und Bangla. Niederländisch hat wenigstens die gleiche Schrift, Portugiesisch und Spanisch überwiegend ebenfalls. Aber wie formt man die Laute korrekt auf serbisch, rumänisch, russisch und ungarisch?

"Am besten lernt man eine neue Sprache, wenn man sie dauernd hört", glaubt Direktorin Rühtz. Sie entwickelte das Konzept. Statt auf zweijährige Vorbereitungsklassen, die neben dem Sprachunterricht nur knappen Kernunterricht anbieten, setzt das DOG von Anfang an auf die Teilnahme am Regelunterricht. Das ist für die Sprachneulinge eine gewaltige Herausforderung, denn ihr Stundenplan weist acht Wochenstunden mehr auf. "DaZ", also "Deutsch als "Zweitsprache", unterrichten die Fachlehrerinnen Luise Börner und ihre Kollegin Eva Grund in kleinen Gruppen. Eine weitere Lehrerin unterstützt den Intensivunterricht.

Der Vorteil der Schnelleingliederung ist, dass die Kinder und Jugendlichen gleich in ihrer Altersgruppe einsteigen und damit schneller Freundschaften schließen können.

Das Konzept funktioniert. "Jeder Schüler, der andere kulturelle und sprachliche Erfahrungen mitbringt, ist eine Bereicherung für unsere Schule", sagt Rühtz bei der Begrüßung zum Pädagogischen Tag, an dem auch zahlreiche Eltern großes Interesse zeigten. Jeder stelle aber gleichzeitig eine Herausforderung für den Unterricht dar.

Im Konzept der Stützpunktschule genießen die Zweitsprachler eine einjährige Probezeit, in der sie noch nicht unter Notendruck stehen. Statt der am Gymnasium vorgesehenen zweiten Fremdsprache können sie eine Prüfung in ihrer Muttersprache ablegen, die dann der Latein- oder Französischnote gleichgestellt wird. Auch nach dem Probejahr sind Verbalbeurteilungen möglich - und ein Jahr lang darf die Deutschnote noch ausgesetzt werden. Danach aber gibt es für die "DaZ"-Schüler keine Ausnahme mehr, abgesehen vom zusätzlichen Sprachunterricht.

In den letzten beiden Abiturjahrgängen haben Schüler ihr Hochschulreifezeugnis abgelegt, die nur drei DOG-Jahre absolvierten: "eine Rekordzeit, schneller kann es nicht gehen", findet Rühtz. Und sie ergänzt: "Das zeigt aber auch, dass es funktionieren kann."

Damit es funktioniert, müssten alle zusammenhalten, betont die Direktorin. Eine sehr große Hilfe seien Mitschüler, die mit den "Neuen" auch die Freizeit verbringen. Dabei sei das Mitwirken der Eltern wichtig - auch, gerade auch das der ausländischen Eltern.

Die aber müssen oft erst eine große Hürde überspringen, denn in etlichen Ländern gilt es regelrecht als Sakrileg, sich an schulischen Fragen zu beteiligen. Rühtz appelliert an die gesamte Elternschaft, möglichst alle in die Klassenpflegschaft zu integrieren. Auch dafür hat der Pädagogische Tag Grundlagen geschaffen: Das Länderbuffet belegte auf schmackhafteste Weise, was in der Zusammenarbeit deutscher und ausländischer Familien geschaffen werden kann.

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 10.02.2017
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