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Heimattage in Bad Mergentheim: Stadtführer-Serie „Hier bin ich besonders gern“ (Teil 6) / Heute mit Kristina Biere am Schäferdenkmal gegenüber der Wandelhalle

Der Anfang war ja ganz schön versalzen

Archiv-Artikel vom Mittwoch, den 18.05.2016

Von unserem Mitarbeiter Joachim W. Ilg

Im Rahmen unserer Serie begleiten wir die Gästeführerin Kristina Biere heute in den Kurpark, wo das Denkmal des Schäfers Gehrig und die Wandelhalle auf uns warten.

Eine folgenreiche Begegnung: Als Kristina Biere das erste Mal auf dieses Denkmal im Kurpark traf, wusste sie noch nicht, dass sie Jahre später Gästen der Stadt gerade diesen Schäfer und seine Entdeckung erklären würde. Wie sagt sie selbst: Wie das Leben so spielt.

© Joachim W. Ilg

Formschön geschwungen, gläsern, lichtdurchflutet, filigran, schlicht und vornehm zugleich, so präsentiert sich die 1935 vollendete Wandelhalle im Kurpark noch heute.

Bad Mergentheim. Da steht er also, der Mann mit dem Schaf, der vielleicht bedeutender für Bad Mergentheim ist als viele andere, die es sicherlich zu mehr Geld und Ehren gebracht haben: Franz Gehrig, den man in Stein gehauen und mitten im Kurpark aufgestellt hat.

Als die in Dortmund geborene Kristina Biere sein Denkmal zum ersten Mal sah, war es für sie halt ein hübsches Steinbildnis, das möglicherweise nur einen Schäfer mit einem seiner Schafe darstellt. Damals, vor zwölf Jahren, hatte sie keine Ahnung, dass hier der "Ursprung des Mergentheimer Kurerfolgs" zu finden ist, wie sie als Stadtführerin ihren Gästen erklärt. Das Schäferdenkmal ist für sie ein Lieblingsort in Bad Mergentheim, den sie manchmal gerne als Schlusspunkt ihrer Stadtführung wählt, weil sich hier ein besonders stimmungsvolles Bild findet: links der Schäfer, rechts die Wandelhalle.

Vom Schäfer Gehrig aus Stein bis zur Wandelhalle aus Eisenbeton und Glas sind es 50 Schritte. Was aber aussieht, als wären sie nur einen Steinwurf voneinander entfernt, war in Wirklichkeit ein langer und manchmal auch steiniger Weg, der sich über viele Jahrzehnte hinweg erstreckt. Um es mit zwei Zahlen auszudrücken: Franz Gehrig tritt 1826 auf den Plan der Mergentheimer Stadtgeschichte, die Wandelhalle wird 1935 eröffnet, ein filigranes, symmetrisches, schlicht und vornehm wirkendes und vor allem lichtdurchflutetes und leicht gebogenes Gebäude, wie Kristina Biere erklärt.

Einfach sensationell

Die Wandelhalle ist eine wichtige Station in der von Höhen und Tiefen geprägten Erfolgsgeschichte des Bad Mergentheimer Heilbads, das dem kleinen Ort an der Tauber nach der Deutschordenszeit eine ganz neue Zukunftsperspektive eröffnete, von der die Stadt noch heute zehrt. Und das kam so, wie Kristina Biere erzählt. Hören wir ihr doch einfach zu:

Man schreibt den 13. Oktober 1826 - der Wasserspiegel der Tauber ist aufgrund der wochenlangen Sommerhitze stark gesunken. Die Schafe des Schäfers Franz Gehrig, die am Ufer weiden, lecken an einem Rinnsal, das seitlich in die Tauber fließt. Der Schäfer probiert von diesem Rinnsal und stellt fest - es schmeckt salzig. Er macht Meldung auf dem Rathaus. Der Schultheiß besichtigt unverzüglich mit Stadträten und dem Oberamtsarzt die Quelle und veranlasst das Oberamt, weitere Untersuchungen vorzunehmen. Wasserproben werden durch die Uni Tübingen analysiert. Das Ergebnis sensationell. Das Wasser zählt zu den reich- und salzhaltigsten in Württemberg. Die Wasserqualität ist vergleichbar mit dem damals schon berühmten "Kissinger Wasser". Drei Jahre später wird das erste Kurhaus eingeweiht.

So war das damals. Man könnte auch mit Kristina Biere sagen: Wie das Leben so spielt: "Die Schafe des Schäfers Gehrig haben unwissentlich das Erwachen Mergentheims aus dem Dornröschenschlaf mit initiiert."

Und was wurde aus dem Schäfer? Zum Dank erhält er das Bürgerrecht, wird Brunnenmeister, dann entlassen, weil das Bad ins Stottern gerät. Schließlich und endlich stirbt er als arbeitsloser Tagelöhner.

Strich durch die Rechnung

Nicht nur der Anfang des Heilbades war salzig, ja, versalzen, auch Gehrigs Leben hat einen salzigen Beigeschmack. Wär' der Schafknecht doch nur bei seinem Leisten geblieben. 1825, also kurz vor Entdeckung der Heilquellen, stand er vor der Selbstständigkeit als Schäfer. Die Schafe machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Mergentheim aber blühte ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts auf. Ist das nicht tragisch? Muss man verlieren, damit andere gewinnen?

Was Franz Gehrig bleibt, ist, dass er eine kleine Berühmtheit in der Kurstadt geworden ist. Und die Gästeführer sorgen dafür, dass die kleinen und großen Berühmtheiten der Bad Mergentheimer Geschichte und ihre Orte nicht in Vergessenheit geraten, sondern in die Welt hinaus getragen werden.

Man lernt nie aus

Aber warum wird man Stadtführer? Kristina Biere, gelernte Sparkassen-Betriebswirtin und bei der evangelischen Kirchenpflege tätig, erzählt, wie sie dazu kam.

Nachdem sie mit ihrer Familie nach Bad Mergentheim gezogen war, sei es immer wieder unangenehm gewesen, Verwandten und Freunden nur ansatzweise über die Altstadt, das Schloss und den damit verbundenen Deutschen Orden Auskunft geben zu können. "Dieser Umstand hat ganz entscheidend dazu beigetragen, mich als Gästeführer zu melden, um mehr von unserer Stadtgeschichte zu erfahren und das neu gewonnene Wissen an interessierte Menschen weitergeben zu können".

Selbst nach vielen Jahren entdeckt sie immer wieder Neues bei der Vorbereitung auf eine Stadtführung. "Man lernt nie aus, und es bleibt interessant!"

Wie gesagt, man lernt nie aus. Bei unserem Gespräch im Kurpark wussten wir beide nicht, aus welchem Jahr die Schäfer-Statue denn stammt. Auch etliche Einheimische wussten es nicht. Inzwischen haben wir es aber herausgefunden. Es war 1935, als Franz Josef Gehrig, der 1851 verstarb, dank der Kurverwaltung zu diesen späten Ehren kam.

© Fränkische Nachrichten, Mittwoch, 18.05.2016
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