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Test VW Polo 1,4 Highline: Der Neue aus Wolfsburg schließt im Platzangebot und beim Fahrkomfort zum großen Bruder Golf auf
Von Dieter Schwab
Golo oder Polf? Wem ist der Neue aus Wolfsburg näher, dem eigenen Vorgänger oder dem großen Bruder Golf? Auf der Suche nach der Antwort sollte man das Augenmerk nicht so sehr auf die Maße richten. Natürlich ist der Polo erheblich gewachsen, doch zum entscheidenden Sprung in Richtung Kompaktwagen setzt er bei den inneren Werten an. Beim "Sahne-Fahrwerk" oder der hochwertigen Verarbeitung sucht man selbst eine Klasse höher unter den Konkurrenten vergeblich nach Herausforderern auf Augenhöhe.
Der Kleinwagen, der faktisch keiner mehr ist, gibt sich äußerlich eher zurückhaltend. In die Außenhaut wurde kein Livestyle modelliert. Der Polo will nicht auffallen um jeden Preis, sondern eher die Freunde konservativer Linienführung ansprechen. Und trotzdem setzt er mit kleinen Details Ausrufezeichen. Ein Beispiel: Die Front orientiert sich am ebenfalls nüchternen Golf-Design, schiebt aber frech die "Unterlippe" nach vorne und gibt dem Polo damit Pfiff und ein unverwechselbares Gesicht. Bieder ist anders.
Kühle Sachlichkeit breitet sich auch im Interieur aus. Das kennt man aus allen Volkswagen-Modellreihen. Fast hat man das Gefühl, die zurückgenommene Gestaltung soll den hohen Grad an Perfektion bei der Funktionalität unterstreichen.
Zu diesem eher praktischen Aspekt gesellen sich eine tadellose Verarbeitung und eine Materialauswahl, bei der nicht der Rotstift das wichtigste Konstruktionsinstrument war. Allerdings gilt diese Aussage erst ab der gehobenen Ausstattung "Comfortline". Hochwertige, in weiten Teilen geschäumte Kunststoffe, Chrom und Stoff geben dann einen Eindruck davon, weshalb der Polo in dieser Klasse nicht das billigste Angebot ist.
Zu diesem guten Auftreten gesellt sich ein überraschend großzügiges Raumangebot. Das fördert das Wohlfühlgefühl um einen weiteren wichtigen Aspekt. Vier Personen können es sich im Polo bequem machen. Selbst hinten geht es einigermaßen kommod zu, wenn nicht vorne Personen mit Gardemaß sitzen und die Verstellmöglichkeit der Sitze komplett ausnutzen.
So oder so wird es im Gepäckabteil etwas knapper. 280 Liter sind genug für den Alltag, aber sehr knapp für den Urlaub. Dafür glänzt der Polo-Stauraum durch Variabilität. Es gibt einen doppelten Boden, der sich auch absenken lässt und ein maximales Angebot von 952 Litern, wenn die geteilte Rückbank komplett umgelegt wird.
Von dieser Betrachtung der statischen Qualitäten geht es zur eigentlichen Paradedisziplin, sobald sich der Polo in Bewegung setzt. Denn mit seinem in allen Aufgabenbereichen vorbildlichen Fahrwerk setzt er Maßstäbe, die der Wettbewerb im B-Segment - zumindest momentan - nicht erreicht.
Auf dem Niveau einer Mittelklasse-Limousine werden Unebenheiten einfach glattgebügelt. Von der Arbeit der Federn und Dämpfer bekommen die Insassen praktisch nichts mit. Selbst unangenehme Schlaglöcher oder Bahnschwellen nötigen dem kleinen VW keine nennenswerte Rückmeldung an die Insassen ab.
Wer nun glaubt, diesen Komfort müsse man sich auf Kosten der Sportlichkeit erkaufen, sieht sich getäuscht. Der Polo flitzt "haste nicht gesehen" um die Ecken. Die Servolenkung ist zwar sehr leichtgängig, gibt aber trotzdem eine sehr informative Rückmeldung. Mit ihr lässt sich der Wagen gedankenschnell und absolut sicher auch bei schneller Fahrweise durch das Kurvengeschlängel dirigieren.
Was nicht so ganz zu dieser Agilität passt, ist der 1,4 Liter große Benzinmotor des Testwagens. Im Zusammenspiel mit dem lang übersetzten Doppelkupplungsgetriebe PDK widmeten die VW-Techniker ihre Aufmerksamkeit in erster Linie auf die Sparsamkeit und gemütliches Dahinrollen. Wer die Kraft der 85 PS ausschöpfen will, muss das Gaspedal in den Teppich treten. Dann wird der sonst angenehm zurückhaltende Motor nervig laut, ohne dafür mit entsprechende Sprinterqualitäten zu zahlen.
Am besten erfreut man sich an der passablen Durchzugskraft und streichelt das Gaspedal nur. Für die pflegliche Behandlung gibt es die Belohnung beim nächsten Tanken. Im Testmittel begnügte sich das Aggregat mit 6,8 Litern für 100 Kilometer. Werte deutlich darunter lassen sich sicher realisieren, ohne zum Verkehrshindernis zu werden.
VW bietet beim Polo die Wahl unter jeweils drei Benzin- (60, 70 oder 85 PS) oder Dieselmotoren (85, 90 und 105 PS) an. Basismodell ist der zweitürige Polo Trendline mit dem kleinsten Benziner für 12 150 Euro. Ihm fehlt allerdings eine Klimaanlage. Die gibt es erst im Polo Comfortline, der dann mindestens 70 PS hat und 14 150 Euro kostet. Zwei zusätzliche Türen kosten 735 Euro.
Am Ende der Preisskala steht der gut ausgestattete Polo Highline mit 105-PS-Diesel, Doppelkupplungsgetriebe und vier Türen. Er kostet 20 010 Euro.
Fränkische Nachrichten
19. Dezember 2009
VW zählt nachwievor immer noch zu den beliebtesten Automarken in Deutschland.
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