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Test VW Golf 1.4 TSI DSG: Die sechste Generation des Volkswagen-Bestsellers ist Trendsetter und Klassenprimus im C-Segment
Von Dieter Schwab
Es bedeutet Verpflichtung und Herausforderung zugleich für den VW-Bestseller, dass das automobile C-Segment in Deutschland unter dem Namen "Golfklasse" läuft. Die sechste Generation ist sich ihres Auftrages bewusst, in der heiß umkämpften Kategorie der Kompaktwagen Trendsetter und Klassenprimus zu sein. Ein Design, das seinen Charme aus der Zurückhaltung bezieht, ein in erster Linie auf Komfort abgestimmtes technisches Paket, vor allem aber ein hoher Qualitätsanspruch legen die Messlatte für die Konkurrenz sehr hoch.
Designchef Walter da Silva bricht mit der aktuellen Mode. Er gönnt dem Golf ein schmallippiges breites Lächeln anstelle eines großmäuligen Auftritts. Das flache Kühlerband zwischen den dominierenden Scheinwerfern könnte zum Trend werden, weil es besser in die Zeit passt als ein aggressiver Auftritt mit riesigen Lufteinlässen.
Der neue Golf setzt beim Aussehen insgesamt auf feine Linien statt auf schrille Akzente. Der Deutschen liebstes Auto hat seine Erfolgsgeschichte auch der Tatsache zu verdanken, dass es in die Garage des Familienvaters ebenso selbstverständlich passt wie in die des leitenden Angestellten. Und wer Everybody's Darling sein will, kann sich keinen Papageien-Anzug leisten.
Diese klassenlose Eleganz setzt sich im Innenraum fort. Allerdings auf einem Niveau, das sich deutlich vom Vorgänger abhebt. Massenware ist passé. Den Kontrollern hat man wohl den Rotstift versteckt, als das Interieur des Golf VI gestaltet wurde. Feine Materialien vom geschäumten Kunststoff über hochwertige Bedienelemente bis zur dicken Auslegware und bequem gepolsterten Sitzen machen die Fahrgastzelle zum Wohlfühlraum für gehobene Ansprüche.
Was das Platzangebot betrifft, sollte man keine Wunder erwarten. Auch wenn die Ausstattung es vielleicht vergessen macht: Der Golf bleibt ein Kompaktfahrzeug. Hier bewegt sich der VW durchaus auf dem Niveau seiner Wettbewerber. Das bedeutet, dass fünf Personen mitfahren können, aber nur vier wirklich gut untergebracht sind.
Trotz etwas eingeschränkter Kniefreiheit hinten werden lange Reisen auch in der zweiten Reihe nicht zum Problem. 350 Liter Kofferraumvolumen werfen aber die Frage auf, ob dieses Angebot für das Urlaubsgepäck von allen ausreicht. Eine Frage, auf die die Konkurrenten wie Audi A 3, 1er BMW, Opel Astra oder Ford Focus aber auch keine bessere Antwort geben können.
Gleiches gilt für den Fahrkomfort. In dieser Disziplin hat der VW Golf im Moment sogar die Nase vorne. Bei der Abstimmung des Fahrwerks stand eine wirkungsvolle Filterung aller Ärgernisse, die Straßen zu bieten haben, eindeutig an erster Stelle des Lastenheftes. Dieses Ziel erreichten die Ingenieure, ohne den Wagen zum Weichei abzustempeln. Das Schluckvermögen der Feder-Dämpfer-Einheiten ist vorbildlich, doch trotzdem bleibt die Abstimmung straff genug, um auch sportliche Fahrernaturen auf ihre Kosten kommen zu lassen. Lediglich der indirekt ausgelegten Lenkung ist es zuzuschreiben, dass man dem VW weniger zutraut, als er in Wirklichkeit bietet, wenn es um hohe Kurvengeschwindigkeiten geht.
In der Praxis wird man sich aber sehr schnell einen zurückhaltenden Fahrstil angewöhnen. Speziell dann, wenn man auf einen der Direkteinspritzer-Motoren setzt, die - ob Diesel oder Benziner - mit üppigem Durchzug glänzen und weniger mit Drehfreude.
Der Testwagen wurde von einem 160 PS starken Benziner flott gemacht, der seine bärige Kraft von 240 Nm bereits bei bescheidenen 1500 U/min an die Vorderräder schickt. Bis 4500 U/min hält dieses Drehmoment an. Dieses Potenzial wird so locker aufgebaut, dass man niemals annehmen würde, dass bescheidene 1,4 Liter Hubraum die Basis sind. Die Höchstleistung wird bei 5800 U/min erreicht. Doch dort hält man sich höchstens auf, wenn man in 8,0 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen will.
Da man das Triebwerk nicht durch häufiges Schalten bei Laune halten muss, überlässt man am besten dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe die Wahl der besten Übersetzung. Meistens ist man im höchsten Gang unterwegs, was sich erfreulich auf den Verbrauch auswirkt. Der betrug beim Test 8,3 Liter. Über den Normverbrauch von 6,0 Litern macht VW sogar Hoffnungen auf größere Sparreserven.
Kein Wunder, dass die Kunden hinter dem Direkteinspritzer her sind, den es mit 122 oder 160 PS gibt. VW musste Sonderschichten im Motorenwerk einlegen, um die Lieferzeiten besser in den Griff zu bekommen.
Beim Anschaffungspreis hingegen kommen Schnäppchenjäger nicht auf ihre Kosten. Preisbewusste Naturen schon eher, denn die 16 500 Euro, die man mindestens für einen Golf anlegen muss, stehen für einen hohen Gegenwert. Schon diese Version mit 80 PS Benzinmotor hat bereits ESP, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Servolenkung und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung serienmäßig.
In welche Preisregionen man vordringen kann, wenn man einen luxuriös ausgestatteten Wagen mit 160 PS-Motor und Doppelkupplungsgetriebe haben will, zeigt der 25 975 Euro teure Testwagen.
Fränkische Nachrichten
28. März 2009
VW zählt nachwievor immer noch zu den beliebtesten Automarken in Deutschland.
Adresse der Seite: http://www.fnweb.de/ratgeber/motor_und_verkehr/fahrberichte/vw/20090328_srv0000003994277.html