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Von Jürgen Strein
Wenn auf der dritten Fahrspur der Autobahn bei rasantem Überholen nicht nur Apocalyptica noch halbwegs verständlich aus den Lautsprechern dröhnt, sondern die Liebesbekenntnisse von Tristan und Isolde klar und deutlich zu hören sind, dann hängt das mit einer guten Audioanlage - oder einem extrem laufruhigen Motor zusammen. Der Saab 9-3 Aero, das neue Topmodell des schwedischen Herstellers in der Mittelklasse, hat beides. Er verdient sich mit seinem kraftvollen 2,0 Liter-Turbobenziner zu recht das Prädikat "Sport-Limousine". Und er bietet ein hohes Maß an Komfort und Sicherheit im Innern.
Nach der Einführung der neuen 9-3er Baureihe von Saab, Premium-Marke im General-Motors-Konzern, im vergangenen Herbst haben die Fans skandinavischer Autos mit dem Aero seit März einen "Spitzensportler" zur Auswahl. Er zeigt den Hersteller von seiner besten Seite: ein ausgereifter Motor - Saab ist bei GM für die Entwicklung leistungsstarker Turbo-Benziner zuständig - eine klares sachliches Cockpit und jede Menge Sicherheit, die dem 9-3 beim Euro NCAP-Crashtest fünf Sterne und damit die Höchstbewertung einbrachten.
Die Saab-Designer verpassten dem 9-3 eine neue windschlüpfrige Karrosserie mit tief heruntergezogener Frontschürze, steil geneigten Front- und Heckscheiben, negativen Radstürzen und Schrägheck mit angedeutetem Spoiler. Das ist hübsch anzusehen, spricht von Dynamik und Sportlichkeit, aber das richtige Saab-Feeling - wie einst das legendäre Modell 900 - das vermittelt das neue Blechkleid nicht.
Dazu muss man schon in den gut geformten und elektrisch verstellbaren Leder-Sitzen des Aero Platz nehmen. Denn die Instrumententafel und die Mittelkonsole verbinden nach wie vor hohe Funktionalität mit einem klaren und sachlichen Design. Für Schnickschnack ist auf dem Armaturenbrett des 9-3 kein Platz, auch nicht für allzu viele digitale Spielereien.
Die Instrumente liegen gut im Blickfeld und strahlen unaufdringliche Eleganz aus. In der Mitte des Armaturenbretts, auf Blickhöhe, ist das kleine Informations-Display integriert, auf dem die Werte des Bordcomputers und die Daten der Audio-Anlage angezeigt werden. Und in der Mittelkonsole werden Klimaautomatik, Navigationssystem, Radio- und CD-Player gesteuert. "Cockpit-Gefühl" nennt Saab diese Anordnung: Das Armaturenbrett wölbt sich leicht bogenförmig um den Fahrer und präsentiert ihm alle Bedienungselemente in logischer Anordnung.
Der Saab wäre kein Skandinavier, wenn er nicht Wert auf Sicherheit legte. Die Insassen sind von Airgabgs umgeben: Zwei-Stufen-Frontairbags, in die Sitze integrierte Seitenairbags und in den Dachhimmel integrierte seitliche Kopfairbags sorgen für Sicherheit. Hinzu kommen Gurtstraffer und Gurtbegrenzer und die zweite Generation aktiver Kopfstützen. Um das Risiko von Hals- und Nackenverletzungen auf den Vordersitzen zu minimieren, hat Saab das SAHR-System (Saab Active Head Restraints) entwickelt.
Der Aero bietet alles, was man von einer Mittelklasse-Limousine erwarten darf: Seitenspiegel mit automatischer Neupositionierung nach dem Einklappen, elektrische Fensterheber, Regensensor für den Scheibenwischer, Einparkhilfe, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Satelliten-Navigationssystem, Tempomat.
Ein bisschen unverständlich ist da schon, dass in einer Limousine mit diesem Anspruch und diesem Preis einige Features des Innenraums billig wirken: zum Beispiel die Abdeckung der Instrumententafel und die Hebel für Blinker und Scheibenwischer, die das Gefühl von Spritzguss-Plastik geben.
Bei Antrieb und Fahrwerk lässt der Aero keine Wünsche offen: Motorisiert ist das tiefer gelegte Spitzenmodell der 9-3-Reihe ausschließlich mit dem Vierzylinder-Benziner aus Aluminium, der 154 kW (210 PS) auf die Antriebräder bringt. Das hohe Drehmoment (300 Nm bei 2500 U/min) erlaubt rasches und sicheres Überholen, der Turbomotor spricht schon in den unteren Drehzahlbereichen stark an und geht ab rund 3000 U/min noch einmal ganz stark ab. Das alles, wie erwähnt, flüsternd: Am besten fährt man den 2,0-Liter auf Sicht, nämlich über den Drehzahlmesser, denn bei eingeschaltetem Radio oder CD-Player ist er praktisch nicht zu hören. In 7,9 Sekunden katapultiert er die anderthalb Tonnen schwere Limousine auf 100 Stundenkilometer, erst bei 235 Stundenkilometern geht ihm die Luft aus.
Saab bietet den 9-3 mit drei Zwei-Liter-Turbo-Benziner, als Einsteigermodell einem 1,8-Liter-Saugmotor sowie zwei 1,9-Liter Turbodiesel mit serienmäßigem Rußpartikel-Filter an.
Zum Fahrspaß mit dem Aero trägt ein straff abgestimmtes Fahrwerk bei, das das richtige Gefühl für die Straße vermittelt, gleichzeitig aber alle Unebenheiten souverän schluckt. Elektronisches Stabilitätsprogramm und Traktionskontrolle gehören zur Serienausstattung - und machen das Fahren mit dem 9-3 zum sicheren Vergnügen.
In der Mittelklasse geben Audi mit seinem A 4, die 3er BMW, die Mercedes C-Klasse und der Passat von VW die Schlagzahl vor. Der 9-3 von Saab muss sich da nicht verstecken. Allerdings hat das auch seinen Preis: Für den Aero müssen schon in der Grundausstattung 33 050 Euro auf den Tisch geblättert werden.
Fränkische Nachrichten
10. Juli 2004
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