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Von Jürgen Strein
Wenn etwas den Erfolg dieses Autos stoppen kann, dann der Name: Qashqai. Das neue heiße Eisen von Nissan in der Kompaktklasse ignoriert gängige Namensgebungen für Autos (und den Wunsch des Journalisten, sich möglichst nicht zu vertippen) und nennt sich nach einem Nomadenstamm am Rande des Zagros-Gebirges im Südwesten des Iran. Was Stephane Schwarz, den Direktor von Nissans Design-Studio in London, wo der Qashqai entworfen wurde, zur poetischen Bezeichnung "Stadt-Nomade" verführte.
Jenseits solcher Automobil-Poesie ist der Qashqai wohl besser als Crossover-Fahrzeug definiert, das die Fahreigenschaften von Limousinen, das Aussehen von Sports Utility Vehicles (SUV – die Bezeichnung für "Geländewagen", die aber nicht wirklich für's Gelände geeignet sind) und das Platzangebot von Kompaktvans mitbekommen hat. Im FN-Test überzeugte der Qashqai vor allem durch seine Alltags- und Familientauglichkeit – Abstriche waren nur bei der Motorisierung zu machen: Der 1,6 Liter-Benziner – die Einstiegs-Motorisierung – erwies sich für die knapp anderthalb Tonnen Stahl und Technik als zu schwachbrüstig. Doch davon später.
Der im Februar in Deutschland auf den Markt gekommene Qashqai orientiert sich äußerlich klar an den kleinen "Geländewagen" – und das ist in Europa das immer noch am schnellsten wachsende Fahrzeug-Segment. Gelistet wird er in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes hingegen unter den Mini-Vans (wo er im vergangenen Monat auf einen beachtlichen Marktanteil von über sieben Prozent kam). Nissan sieht ihn allerdings als seinen Vertreter im am härtesten umkämpften Teilmarkt, der Kompaktklasse mit dem Klassen-Primus Golf (Basis ist die gemeinsame C-Segment-Plattform von Nissan und Renault). Dort ist der Nissan Almera - zuverlässig, aber alles andere als aufregend – gerade dabei, sich zu verabschieden. Und der Qashqai soll in diesem Revier bei jenen Käufern wildern, denen Kompaktsegment-Autos zu langweilig und zu konventionell sind (Allerdings – siehe untenstehenden Bericht – gibt es für die typischen Almera-Käufer doch eine weniger avancierte Alternative).
Beim Aussehen des Qashqai stand der Murano Pate: bei der markanten Frontpartie – die U-förmige Chromleiste um das Logo setzt sich in zwei Linien der Motorhaube fort –, bei der hoch angesetzten und nach hinten ansteigenden Schulterpartie, den kleiner werdenden Seitenfenstern und dem nach oben gezogenen hinteren Dreieckfenster. Die geschwungene Dachlinie endet in einem angedeuteten Spoiler.Die SUV-Gene setzten sich auch in der erhöhten Bodenfreiheit, den in dunklen Kontrastfarben abgesetzten Radkästen und Stoßfängern und den seitlichen Rammschutzleisten durch: Die Beliebtheit von "Geländewagen" rührt nicht zuletzt daher, dass sie den Eindruck von größerer Sicherheit für die Insassen erwecken " und der Qashqai nimmt diesen Eindruck im Design auf.
Leider erst in der Spitzenausstattung "Tecna" serienmäßig eingebaut ist das gläserne Panorama-Dach, das Licht und Helligkeit ins Cockpit bringt. Bei der von den FN getesteten "Acenta"-Variante muss man dafür 750 Euro zusätzlich vorsehen.
Beim Einsteigen wird der Unterschied zu den Wettbewerbern im Kompakt-Segment besonders deutlich: Im Qashqai sitzen Fahrer und Beifahrer deutlich höher als in konventionellen Limousinen, dank der aufrechten Sitzposition haben die Insassen mehr Beinfreiheit. Allerdings lässt sich die Rückbank nicht verschieben und die geteilten Rücksitze lassen sich auch nicht so umklappen, dass eine ebene Ladefläche entsteht. Das relativiert die guten Daten über die Zuladung " von 410 bis maximal 1513 Liter.
Für Beifahrer und Fond-Passagiere gibt es natürlich jede Menge Ablage- und Abstellmöglichkeiten. Ausgesprochen funktional und formschön ist das Cockpit des Qashqai. Alle Bedienelemente sind um den Fahrer herum gruppiert, eine weit nach oben gezogene Mittelkonsole trennt ihn vom Beifahrer, gekrönt vom Display des – extra zu bezahlenden – Navigationssystems. Apropos "Navi": Das Birdview-System von Nissan macht das Fahren in unbekannten Regionen einfach zum Spaß-Erlebnis.
Nahtlos bis zwischen die Sitze heruntergezogen, umfasst der Mitteltunnel neben einer Aussparung für die Handbremse auch zwei Getränkehalter und ein Staufach mit integrierter und längs verschiebbarer Armauflage.
Die unter einer halbrunden Abdeckung platzierte Instrumententafel wird von zwei Rundinstrumenten dominiert mit dem Rund-Display des Bordcomputers in der Mitte. Die meisten Kontrolltasten sind im Bereich der Mittelkonsole untergebracht - entweder gleich oberhalb des Schalthebels oder unterhalb der Lüfterdüsen. Andere Funktionen - zum Beispiel für die Geschwindigkeitsregelanlage - werden über Lenkradtasten gesteuert. Alles in allem eine funktionale Anordnung der Bedienelemente, die den Fahrer nicht vor Hürden stellt. Aus dem SUV-Bereich entlehnt sind - leider - auch die Sitze: für kleinere Fahrer oder Mitfahrer einfach eine Nummer zu groß.
Kommen wir zur "Limousine Qashqai": Das Fahrverhalten des neuen Nissan gleicht eher einem handlichen Pkw, als einem hoch gebauten Geländewagen. Der Qashqai lässt sich präzise lenken, geht durch die Kurven, ohne zu wanken, und ist eher straff als weich abgestimmt. Zudem sind die Fahr- und Außengeräusche im Fahrzeuginnern so gut abgedämmt, dass ein Gespräch ohne erhobene Stimmen oder das Lauschen einer (Klassik-) CD ohne hoch gedrehten Volumen-Regler möglich sind.
Enttäuschung kam im FN-Test nur über den Motor auf, einen 1,6 Liter-Benziner als Einstiegsversion. Mit der laufruhigen Maschine lässt sich zwar bequem mit 130 auf der Autobahn mitrollen. Aber sobald es an einen Berg geht - womöglich mit voll besetztem Fahrzeug - kommt das Aggregat, das immerhin über 114 PS verfügt, bald ins Schnaufen. Auch Überholvorgänge muss man sich vorher zweimal überlegen: Der Qashqai ist eben kein ausgesprochenes Leichtgewicht. Die Daten des 1,6 Liter-Benziners: von Null auf 100 Stundenkilometer in zwölf Sekunden, Durchschnittsverbrauch 6,7 Liter Superbenzin (war im Test nicht zu erreichen - hier lag der Durchschnitt bei 8,2 Litern), Höchstgeschwindigkeit 175 Stundenkilometer.
Allerdings rechnet Nissan für Deutschland kaum mit dem kleinen Benziner, sondern vor allem mit den beiden Dieseln. Der 1,5 Liter-Diesel bringt es in der Beschleunigung und der Endgeschwindigkeit auf vergleichbare Daten wie der kleine Benziner, verbraucht dafür aber nur 5,4 Liter im Durchschnitt. Der 2,0 Liter-Diesel braucht für den Spurt auf 100 km/h 10,5 Sekunden, fährt 191 Stundenkilometer Spitze und verbraucht 6,6 Liter. Das maximale Drehmoment von 320 Newtonmetern bei 2000 Umdrehungen weist darauf hin, dass der große Diesel vor allem im unteren Drehzahlbereich riesige Power entfaltet. Vergleichbar schnell und agil ist der Qashqai mit dem großen Zwei-Liter-Benziner, der aber ein wenig mehr (8,2 Liter) schluckt.
Die beiden großen Motoren sind immer auch in Verbindung mit Vierrad-Antrieb und/oder Automatikgetriebe (beides gegen Aufpreis) zu haben. In der allerkleinsten Ausstattung (1,6 Liter-Benziner in der Variante "Visia") ist der Qashqai unter 20 000 Euro angesiedelt. Die getestete "Acenta"-Version kostet 21 240 Euro. Die Liste der Grundpreise geht dann hoch bis 30 140 Euro ("Tekna" mit großem Diesel).
Ohne Zweifel hat der Nissan Qashqai eine eigene Linie, ein eigenes Design in einem technisch gut gelungenen Fahrzeug gefunden. Ein Konzept, mit dem sich innerhalb und außerhalb des C-Segments mit Erfolg wildern lässt (im britischen Sunderland macht man sich bereits Gedanken, wie die Produktion des Qashqai ausgeweitet werden kann). Vielleicht lässt sich Qashqai ja demnächst ebenso einfach buchstabieren wie Golf, Astra oder Focus.
Fränkische Nachrichten
18. August 2007
Nissan ist eine der erfolgreichsten Automarken aus Asien und zählt zu den meistgefahrenen Autos.
Adresse der Seite: http://www.fnweb.de/ratgeber/motor_und_verkehr/fahrberichte/nissan/20070818_srv0000001236135.html