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Von Dieter Schwab
Bitte nicht noch ein glückloser Versuch einer Golf-Kopie, dachte man sich wohl bei Nissan, als man die Ingenieure darauf ansetzte, den Nachfolger des Almera zu ersinnen. Wobei glücklos relativ ist, denn in seinen besten Jahren verkaufte sich dieses Fahrzeug über 20 000 Mal im Jahr. In diese Regionen soll auch der neue Qashqai ("Kaschkai" gesprochen) vordringen, obwohl er mit einem völlig anderen Konzept auf Kundenfang geht. Optisch nähert er sich einem Sport Utility Vehicle, in den Abmessungen einem Van, in den technischen Eigenschaften entspricht er am ehesten einem klassischen Kompaktwagen.
Die Chancen, mit diesem doch etwas ungewöhnlichen Nachfolger auf gleichem Level erfolgreich zu sein, stehen nicht schlecht. Bereits jetzt liegen 3000 Bestellungen vor. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, werden die 15 000 Qashqai, die den deutschen Händlern 2007 zur Verfügung stehen, bei weitem nicht reichen. Und das Ziel, jährlich 18 000 Exemplare abzusetzen, mutet vor diesem Hintergrund sogar wie Understatement an.
Obwohl ihn Nissan in die lange Liste der Golfkonkurrenten einreiht, wird der Wagen eher unter denen Freunde finden, die in Richtung Toyota RAV4 oder anderen SUV-Vertretern tendieren. Der Qashqai erreicht zwar nicht deren üppige Maße, aber er kann ihnen bei der Antriebstechnik das Wasser reichen. Nicht in der 19 790 Euro teuren Basisversion, denn bei dieser werden nur die Vorderräder mit Kraft versorgt. Doch für rund 3000 Euro Aufpreis lässt sich der Nissan mit Allradantrieb ordern. Dabei setzt er auf eine elektronische Steuerung, die bei Schlupf an der Vorderachse bis zu 43 Prozent Leistung an die Hinterräder abtritt. In Kombination mit dem serienmäßigen ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) lässt sich die Kraftverteilung sogar am einzelnen Rad variieren. Das ist für die normalen Einsatzzwecke eines solchen Fahrzeuges völlig ausreichend, um Traktionsprobleme im Schnee oder auf der nassen Wiese in den Griff zu bekommen. Ein echtes Geländefahrzeug ist der Qashqai nicht und will es auch nicht sein.
Er soll einfach die sportlich orientierte Familie ansprechen, der ein normales Fließheckfahrzeug zu konformistisch, die Vans zu praktisch und ein echtes SUV zu teuer in Anschaffung und Unterhalt ist. Denn weil der Nissan auf einen permanenten Allrad verzichtet, hält sich auch sein Durst in Grenzen. Speziell, wenn man auf einen der beiden Dieselmotoren setzt. Der 105 PS starke 1.5 dCi wird mit einem Normverbrauch von 5,4 Litern angegeben, der 2.0 dCi (150 PS) schluckt auf der Normrunde 6,9 Liter. Das ist ein Wert, der der Realität nahe kommt. Das durchzugsstarke Zweiliteraggregat stand bei ersten Kennelernfahrten zur Verfügung und blieb bei rund acht Litern Verbrauch.
Auch der Zweiliter-Benzinmotor mit 141 PS macht einen recht munteren Eindruck, lag beim Verbrauch aber deutlich über zehn Liter. Die Basismotorisierung ist ein 1,6 Liter großer Benziner mit 114 PS.
Stephane Schwarz, Design-Direktor in der europäischen Nissan-Zentrale in London, verfolgte mit seinem Qashqai-Projekt das Ziel, ein Alternativkonzept zu den konventionellen Fahrzeugen im C-Segment zu konstruieren. Das ist auch gelungen. Die Silhouette geht zwar in die Richtung eines modernen SUV, doch wurden fließende Linien gewählt, um dem Wagen Eleganz und Dynamik zu verleihen.
Das Fahrverhalten kann mit diesem Anspruch durchaus mithalten. Der Nissan ist weitaus fahraktiver, als man es einem Fahrzeug dieses Zuschnitts zutrauen würde. Er kommt mit dem dynamischen, leicht übersteuernd ausgelegten Fahrwerk in die Nähe eines BMW X3.
Trotz der stattlich wirkenden Karosserie bleibt das Platzangebot aber auf dem Niveau eines Kompaktwagens. Vorne kann man es sich in einem hübsch gestalteten und hochwertig ausgestatteten Umfeld wohl ergehen lassen, doch auf der Rückbank fehlt es etwas an Beinfreiheit, um sich wirklich bequem aufgehoben zu fühlen. Auch der Kofferraum dringt nicht unbedingt in neue Dimensionen vor. 410 Liter sind allerdings ein ordentlicher Wert, der sich auf bis zu 1510 Liter steigern lässt.
Die Vorbestellungen zeigen, dass der Qashqai auf einem guten Weg ist. Nissan muss mit dem Wagen eine völlig neue Stammkundschaft aufbauen, denn man rechnet selbst nicht damit, viele Almera-Besitzer für das neue Konzept gewinnen zu können. Dafür sind die Fahrzeuge zu unterschiedlich. 80 Prozent der Käufer sollen Umsteiger von anderen Marken werden.
Fränkische Nachrichten
31. März 2007
Nissan ist eine der erfolgreichsten Automarken aus Asien und zählt zu den meistgefahrenen Autos.
Adresse der Seite: http://www.fnweb.de/ratgeber/motor_und_verkehr/fahrberichte/nissan/20070331_srv0000000595078.html