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Von Jürgen Strein
Es wird eng auf dem Markt der Mini-Vans. Wo einstmals der Opel Meriva bequem seine Runden drehen konnte, da tauchen plötzlich potente Konkurrenten auf: der Ford Fusion, der Skoda Roomster, der Renault Modus. Und der Nissan Note, eine Art Halbbruder des Modus, mit dem er die Plattform teilt, aber einer mit ganz eigenem Erscheinungsbild und ganz eigenem Charakter. Und, in der von den FN-getesteten Version mit 86 PS-Turbodiesel, mit einem bärenstarken Auftritt: quicklebendig, prima Straßenlage und Platz ohne Ende im Innenraum. So etwas schlägt sich in den Verkaufszahlen nieder: Seit seiner Einführung im Februar wurden vom Note bereits 8000 Exemplare in Deutschland geordert.
Vom Concept Car "Tone", vorgestellt im Pariser Autosalon 2004, bis zum serienreifen Note aus dem britischen Nissan-Werk in Sunderland gingen gerade mal anderthalb Jahre ins Land - und der "Tone" trug schon die wichtigen Gene in sich, die das Bild des Note nach seiner Geburt bestimmten: großes Platzangebot, innovative Staumöglichkeiten und ein dynamische Fahrwerk.
Der Note hat ein bisschen was von einigen Geschwistern aus der Nissan-Familie. Er basiert auf der B-Plattform der Renault/Nissan-Allianz, die bereits die Nissan-Modelle Micra, Micra C+C und Cube sowie der Renault Modus und der neue Clio nutzen. Für den Note wurde sie verlängert, was dem Neuen bei einem Radstand von 2,60 Metern und einer Länge von 4,08 Metern einen Vorsprung beim Innenraum gegenüber der Konkurrenz gibt.
Offenbar war den Nissan-Designer der rollende Kubus zuwider, denn sie schneiderten dem Note eine keilförmig ansteigende Gürtellinie, dazu eine bogenförmige Dachkontur mit einer "Sprungschanze" am Ende. Markant ist die fast dreieckige D-Säule. An der Frontpartie haben sowohl Micra als auch Murano ihre Spuren hinterlassen. Die Kühlermaske des Note ähnelt dem Wabengrill des SUV Murano, während die Scheinwerfer eine Weiterentwicklung des Micra-Designs sind. Am oberen Ende der ovalen Reflektoren finden sich wie beim Micra Ausbuchtungen.
Das Design der Heckklappe erfüllt primär praktische Kriterien: Ihre fast senkrechte Stellung, die niedrige Ladekante und die fast quadratische Ladeluke erleichtern das Parken und das Be- und Entladen zum Kinderspiel. Eingerahmt wird das Note-Heck von Bumerang-förmigen Rückleuchten, die von der (demnächst in Serie gehenden) Studie Qashqai inspiriert wurden.
Wenn man erst einmal die Scheu vor ungewohnter Technik abgelegt hat, lernt man das "Intelligent Key System" des Note (gibt's allerdings nur für die Top-Ausstattung "tekna", ebenso wie zum Beispiel Regensensor und Fahrtlicht-Automatik) schätzen. Den intelligenten Schlüssel braucht man nur mit sich zu führen, entriegelt und verriegelt werden die Türen durch leichten Druck auf einen kleinen schwarzen Knopf am Türgriff, gestartet wird mit Zündknopf - aber Obacht: Der Motor springt nur bei angetippter Bremse an.
Über die großen und weit öffnenden Türen steigt man in einen bequemen großen Innenraum, der für den Fahrer ein funktionales, wenn auch nicht besonders aufregendes Armaturenbrett bereit hält. Der Blick durch das Drei-Speichen-Lenkrad fällt auf zwei große Rundinstrumente, analoger Geschwindigkeits- und Drehzahlmesser, dazwischen der digitale Bordcomputer; in der Mittelkonsole sind die Audioanlage und die Klima-Anlage untergebracht.
Der Clou des Note ist allerdings der variable Innenraum hinter dem Fahrer und Beifahrer: Kernstück ist die 160 Millimeter längs verschiebbare Rückbank. Selbst in der vordersten Stellung können hinten noch zwei Erwachsene bequem sitzen. Ist die Bank ganz nach hinten gefahren, fasst der Kofferraum 280 Liter. Wird die Rückbank dagegen ganz vorgeschoben, steigt das Volumen auf 437 Liter. Sind die Rücksitzlehnen zusätzlich flach gelegt, passen sogar bis zu 1332 Liter hinein.
Der Laderaum verfügt zusätzlich über das so genannte Flexi-Board-System (Serie ab Ausstattung "acenta"). Es besteht aus zwei in unterschiedlicher Höhe verankerbaren Abdeckungen. Im Normalfall schließen beide bündig mit dem übrigen Laderaumboden ab und verstecken den darunter liegenden Stauraum vor neugierigen Blicken von außen. Bei Bedarf können diese Platten aber auch komplett demontiert werden. An den Rückseiten der Vordersitzlehnen sind ab der acenta-Ausstattung nach dem Vorbild von Flugzeugsitzen abklappbare Tische sowie flexible Verstau-Taschen angebracht. Zu den Staumöglichkeiten im Note zählen das große beheiz- oder kühlbare Handschuhfach, ein zusätzliches Außenfach, Fächer in der Mittelkonsole und, wie im Micra, ein Geheimfach unter dem Beifahrersitz.
Am meisten überzeugte den FN-Tester, der allerdings auch keine kleinen Kinder mitsamt Puppen, Teddys und Elektronikspielzeug (mehrere 12 Volt-Anschlüsse sind im Fahrzeug verteilt) unterbringen muss, Motor und Fahrwerk des Note (zur Verfügung stand die "tekna"-Ausstattung mit "großem" Diesel aus dem Renault-Regal). Mit dem 86 PS-Aggregat mit einem maximalen Drehmoment von 200 Newtonmetern lässt sich der Note flott fahren, wobei der Motor für einen Diesel ausgesprochen kultiviert zu Werke geht. Mit dem (ebenfalls vom Partner Renault stammenden) Fünfgang-Schaltgetriebe lässt sich der Note sauber und ohne Leistungs-Löcher beschleunigen (13,1 Sekunden von Null auf 100 km/h) bis auf maximal 163 Stundenkilometer. Dabei schluckt der Motor im Durchschnitt 5,1 Liter auf 100 Kilometer (6,1 im FN-Test).
Die Alternative zum Diesel ist der 1,6 Liter Benziner mit 110 PS, der es in 10,7 Sekunden auf 100 km/h schafft und auch bei der Spitzengeschwindigkeit dem Diesel überlegen ist: 183 Stundenkilometer. Allerdings auch beim Verbrauch, wo durchschnittlich 6,6 Liter Superbenzin zu Buche schlagen.
Die Lenkung des Note arbeitet exakt, das Fahrwerk ist direkt genug ausgelegt, damit man ohne Probleme durch die Kurven kommt (ESP gibt es allerdings nur in der "tekna"-Variante).
Variabel wie das Fahrzeug ist auch der Preis: 13 690 Euro muss man für die kleinste Benziner-Motorisierung der Ausstattungsvariante "visia" auf den Tisch legen, 19 240 Euro für die "tekna"-Variante mit großem Diesel. Extra kosten der intelligente Schlüssel (350 Euro), das Automatikgetriebe (850 Euro) und die Metallic-Lackierung (400 Euro). Billig ist der Note also nicht - man bekommt allerdings ein interessantes und mit seinen Fahrleistungen überzeugendes Autos für's Geld.
Fränkische Nachrichten
07. Oktober 2006
Nissan ist eine der erfolgreichsten Automarken aus Asien und zählt zu den meistgefahrenen Autos.
Adresse der Seite: http://www.fnweb.de/ratgeber/motor_und_verkehr/fahrberichte/nissan/20061007_p031115009_27906.html