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Test Fiat 500 1.3 Multijet: Bei der Konstruktion des neuen Cinquecento bewiesen die Italiener viel Liebe zum Detail
Von Dieter Schwab
Diese kleine Knutschkugel ist ein echtes Auto zum Verlieben. Zumindest das hat der neue Fiat 500 mit seinem berühmten Vorgänger gemeinsam, der vor über 50 Jahren die Herzen in ganz Europa eroberte. Natürlich sehen sich die beiden auch noch sehr ähnlich. Doch weitere Gemeinsamkeiten halten sich in Grenzen, auch wenn der Neue den Urahn in vielen kleinen Details reflektiert.
Dass Hersteller versuchen, die Gene alter Erfolgsautos auf aktuelle Fahrzeuge zu übertragen, ist nicht ganz neu. Der Verkaufserfolg bleibt dabei meist hinter den Erwartungen zurück, wenn man mal vom Mini absieht. Hat der Fiat Cinquecento das Zeug dazu, dem britischen Beispiel zu folgen? Die Reaktionen des Publikums auf den kleinen Italiener zerstreuen Zweifel. Es gibt zurzeit keinen anderen Kleinwagen, der überall mit so viel uneingeschränkter Sympathie aufgenommen wird.
Natürlich hat er das dem glücklichen Händchen der Designer im Centro Stile zu verdanken. Da ist so mancher Liter Espresso in langen Nächten durch die Maschine gepumpt worden, ehe dieses Ergebnis möglich war: Die Silhouette ist eine unmissverständlich formulierte Homage an die Fiat-Vergangenheit. Der Rest ein fröhlich-frech aufgepeppter Kleinwagen der Gegenwart. Auch wenn der neue dem alten 500 wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht, verleugnet er diesen zum Glück komplett, wenn es um die Alltagstauglichkeit geht.
"Cinquecento" stand zwar für den Hubraum des 18 PS-Motörchens im Heck des Ur-500, doch hätte es auch die Liter-Angabe des Innenraums sein können. Wo früher vier Personen erst nach Verrenkungen im Stil einer Schlangentänzerin einen Sitzplatz erreichten, findet sich heute das klassenübliche Kleinwagen-Platzangebot. Konkret: Vorne ist man - auch dank der hervorragenden Sitze - äußerst kommod unterwegs, hinten reicht der Platz gerade so, um zwei Erwachsene einigermaßen bequem zu befördern. Dazu kommen noch 185 Liter Gepäckraum, die sich durch Umlegen der Rückbank auf 610 Liter erweitern lassen. Aber wer den 500 als Massen-Transportmittel oder Lastesel einsetzen will, hat seine Botschaft nicht verstanden. Hier geht es nicht darum, möglichst viel auf möglichst wenig Raum unterzubringen, sondern darum, auch in einem Kleinwagen mit Stil von A nach B zu kommen. Purismus ist out, es regiert stattdessen pure Fahrfreude im Miniatur-Format.
Fiat hat nicht nur eine schmucke Karosserie über die vom Panda stammende Technik gestülpt, sondern auch viel Liebe in die Gestaltung des Innenraums gesteckt. Details wie die fein abgesteppten Pepitamuster-Stoffsitze, das breite in Wagenfarbe lackierte Blechband im Armaturenbrett, die Türöffner im Design der Ur-500-Fensterkurbeln, die nobel lackierte Schaltzentrale auf der Mittelkonsole oder der Instrumententräger im Retro-Stil, steigern die Zuneigung zu dem Wagen.
Da fällt es leicht darüber hinweg zu sehen, dass am anderen Ende wieder gespart werden musste. Zum Beispiel durch einen großen Hartplastikanteil. Die Optik ist bestechend, die Funktionalität tadellos. Selbst die Verarbeitung - früher eine leidige Schwäche der Italiener - lässt keine Kritik zu. Wenn es etwas auszusetzen gibt, dann höchstens für groß gewachsene Personen, denn die Kopffreiheit ist deutlich eingeschränkt.
Als fast uneingeschränkt lobenswert erweist sich das Fahrwerk des 500. Die Grundabstimmung ist den Ingenieuren nahezu perfekt gelungen, denn der Kleine gleicht seinen konzeptbedingten Nachteil des kurzen Radstandes so geschickt aus, dass es ihm trotz einer eher straffen Abstimmung gelingt, die Insassen über den Straßenzustand weitgehend im Unwissen zu lassen. Selbst grobe Schläge dringen kaum durch. Auf welliger Autobahn allerdings schaukelt sich der 500 so hoch, dass die Mitfahrer zu Wackeldackeln mutieren.
Im Stadtverkehr oder auf der Landstraße ist der Fiat kaum zu schlagen. Gedankenschnell reagiert er auf jeden Befehl zur Kursänderung. Wieselflink durcheilt er Kurven, wobei er erst im Grenzbereich einen leichten Hang zum Untersteuern erkennen lässt.
Der 1,3 Liter große Multijet-Diesel ist dabei die ideale Antriebsquelle. Das 75 PS starke Triebwerk glänzt mit gutem Durchzug und stellt den Basis-Benzinmotor (69 PS) gnadenlos in den Schatten. Nur 12,5 Sekunden vergehen für den Spurt auf 100 km/h. Bei 165 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Und das alles bei einem Testverbrauch von 5,2 Litern (Normverbrauch: 4,2 Liter). Da kann man nicht meckern.
Das könnte man allerdings beim Preis. Wie so oft ist es nicht ganz billig, einen besonderen Geschmack zu haben. Stolze 12 500 Euro verlangt Fiat für den Cinquecento mit Dieselmotor. Das Basismodell ist 10 500 Euro teuer. Mindestens 13 400 Euro müssen einkalkuliert werden, wenn man den stärksten 500er mit 100 PS-Benzinmotor haben will. Einen Grande Punto zum Beispiel gibt es bereits ab 11 450 Euro. Da muss man abwägen, ob man sein Geld für einen hohen Nutzwert anlegt, oder für noblen Fahrspaß im Kleinformat. Wer den Fiat 500 gefahren hat, hat eine leichte Wahl.
Fränkische Nachrichten
24. Mai 2008
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