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Von Dieter Schwab
Grande Punto - grande speranza. Wieder einmal setzt Fiat große Hoffnung auf einen kleinen Wagen. Und die Verkaufszahlen der ersten Wochen zeigen, dass die italienischen Automacher nicht enttäuscht wird. Der von Stardesigner Giugiaro mit leichter Hand in Szene gesetzte Kompaktwagen erobert im Handstreich die Top 50 der Zulassungsstatistik. Er war im Februar der meistverkaufte Fiat und - von den VW-Derivaten der Marke Skoda einmal abgesehen - nach Toyota Corolla und Peugeot 206 der erfolgreichste Importwagen.
Es war auch an der Zeit, wenn nicht gar überlebensnotwendig, dass den Turinern endlich wieder einmal ein großer Wurf gelingt. Die Vorzeichen, dass dieser Erfolg keine Eintagsfliege bliebt, sind günstig. Der Grande Punto sieht nicht nur gut aus, er bietet auch viel Auto fürs Geld.
Man fragt sich, ob Fiat mit der Front des neuen Fahrzeugs endlich sein Markengesicht gefunden hat. Man würde es sich wünschen, denn der Punto hat sportlichen Schick, auch wenn die eher zurückhaltende Linienführung von avantgardistischen Zügen weit entfernt bleibt. Mit diesem Design wird nicht polarisiert. Dieser Fiat ist für jeden Geschmack gemacht. Und trotzdem ist die Silhouette nicht austauschbar, sondern folgt einer eigenen Idee.
Das Heck trägt wieder in die C-Säulen integrierte Rücklichter - wie der Vorgänger. Doch anders als bei ihm wirkt beim Grande Punto alles als Einheit. Das gilt auch für den Stoßfänger sowie die gewölbte Heckklappe mit integriertem Spoiler.
Ganz so glatt wie die Rückansicht ist das Design der Seite nicht. Dort zieht sich eine stark konturierte Sicke über die Flanke, die dynamisch nach vorne abfällt. Die Fronthaube folgt diesem Vorwärtsdrall und die Lichteinheiten ziehen die ganze Partie optisch rund ein wenig nach innen. So wird der Wagen filigran und kaschiert geschickt den deutlichen Zugewinn an Größe. Der Neue wirkt kleiner als der Alte, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist.
In der Länge wuchs der Punto um 19 Zentimeter. Mit 1,69 Metern Breite, 1,49 Meter Höhe und einem Radstand von 2,51 Meter will Fiat die Konkurrenz in die Tasche stecken. Doch so ganz überzeugend gelingt dies nicht, denn was er an Maßen gegenüber dem Vorgänger zulegt, kommt nicht voll den Fahrgästen zugute. Er hat zwar ein für diese Klasse wirklich großzügig bemessenes Raumangebot, das auch eine fünfte Person noch ohne unzumutbare Beeinträchtigung zulässt. Doch spätestens beim Kofferraum zeigt sich, dass man auch in Turin nicht zaubern kann. 275 Liter Volumen liegen sogar noch 20 Liter unter dem des Vorgängers.
Dafür hat Fiat viel für den Wohlfühlfaktor getan. Die Gestaltung des Innenraums zeigt viel Liebe zum Detail. Dabei wurde mit Rücksicht auf eine optimale Funktionalität auf Experimente verzichtet. Der Instrumententräger liegt klassisch direkt vor dem Fahrer, die Bedienelemente konzentrieren sich weitgehend auf der Mittelkonsole. Optische Leckerbissen sind der quer über das Armaturenbrett laufende breite Mittelteil im Alulook sowie die futuristisch anmutende Gestaltung der Armauflagen an den Türen.
Der eigentlich gute Qualitätseindruck und die Freude über das gelungene Design wird allerdings durch die Auswahl des Kunststoffs getrübt. Es ist unverkennbar Hartplastik.
Die Bequemlichkeit leidet darunter natürlich nicht. Die Sitze bieten sowohl Komfort, als auch einen gewissen Seitenhalt. Sie lassen sich in der Höhe verstellen und so an die Bedürfnisse des Fahrers anpassen.
Auch der vom Fahrwerk bestimmte Teil des Komforts lässt keine Wünsche offen. Die Nehmerqualitäten auf Querfugen, Bodenwellen und Schlaglöchern sind ohne Tadel. Dazu trägt sicher auch die hohe Karosseriesteifigkeit bei, die damit nicht nur der Sicherheit zugute kommt.
Der Grande Punto ist ein auch im Grenzbereich sicher zu beherrschendes Fahrzeug, das den Fahrspaß nicht zu kurz kommen lässt, weil die Auslegung der Achsgeometrie nicht zu weit in Richtung Untersteuern erfolgte. Im Gegenteil lässt sich der kompakte Italiener sogar zu einem dynamischen Übersteuern animieren.
Natürlich in den engen Grenzen, die solchen Vorhaben bei der getesteten Basisversion mit dem 65 PS starken 1,2-Liter-Vierzylinder gesetzt sind. Ein besonderes Temperament darf man von dem Zweiventiler nicht erwarten, der mit dieser bescheidenen Motorleistung gut eine Tonne Fahrzeug (1090 Kilogramm) munter machen soll.
Mit entsprechend eingeschränktem Erfolg. Der Einstiegspunto ist keine lahme Ente, doch richtig spritzig ist er auch nicht. 14,5 Sekunden vergehen, bis die Tachonadel auf die Marke 100 gestiegen ist. Erst einmal auf Touren, lässt es sich aber gut im Verkehr mitschwimmen. Die Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h ist sogar eine eher zurückhaltende Angabe.
Zumindest an der Tankstelle ist der kleine Benziner kein Spaßverderber. Die 7,1 Liter Testverbrauch sind auch ein Ergebnis der Tatsache, dass man zwangsläufig dazu neigt, den 65 PS mit häufigem Vollgas auf die Sprünge zu helfen. Der Normverbrauch von 6,1 Litern ist ein mit etwas mehr Gelassenheit realistisch erreichbares Ziel.
Gerade bei den Kosten setzt Fiat auch sonst die größten Kaufanreize. Mit den 10 990 Euro für den 1.2 8V sind bereits Drehzahlmesser, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Klimaanlage, Servolenkung und ein aus ESP, Front-, Seiten- und Kopfairbags (vorne und hinten) bestehendes Sicherheitspaket bezahlt.
Und wer nach Alternative beim Antrieb sucht, wird nicht enttäuscht. Es gibt noch einen 77 PS starken 1,4-Liter-Benzinmotor (11 440 Euro) sowie vier Dieselaggregate mit wahlweise 75 (12 690 Euro), 90 (14 850), 120 (17 300) und 130 PS (17 850 Euro). Wobei nur der kleine Diesel in der Basisausstattung Active zu haben ist.
Fränkische Nachrichten
08. April 2006
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