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Von Jürgen Strein
Das Kraftfahrtbundesamt listet in seiner Monatsstatistik mittlerweile 53 Modelle im Segment "Geländewagen" auf, vom Land Rover Defender, dem man immer noch die Herkunft aus der britischen Kolonialarmee ansieht, bis zu den Luxus-SUVs von Porsche, Mercedes, BMW oder Audi; vom ausgesprochen protzig geratenen Cadillac Escalade bis zum - Daihatsu Terios: Vier Meter lang, schicke Karosserie, kompakt gebaut, ein einziger Motor im Angebot, Preis je nach Ausstattung zwischen 18 000 und 22 000 Euro. Geht doch auch.
Dabei ist die zweite Generation des Terios - im Frühjahr auf den Markt gekommen - alles andere als ein "Disco-Jeep", wie ein Mitfahrer im FN-Test mutmaßte, also ein Auto, das wie ein Geländewagen aussieht, aber dessen Fahrer Gelände nur von der Straße aus angucken kann. Denn dank permanentem Allradantrieb und großer Bodenfreiheit macht der Terios auch auf steinigem Gelände, Sand und Waldwegen eine gute Figur. Da die vielen Geländewagen aber kaum ins Gelände (wo denn auch?) und stattdessen viel eher zum Einkaufen in die Stadt bewegt werden, haben die Daihatsu-Werbestrategen für den Terios ein eigenes Segment erfunden: den Stadroader.
Da allerdings, im Asphalt-Dschungel, hat der kompakte SUV vom japanischen Spezialisten für Mini-Cars keine schlechten Karten. Er sieht gut aus (dafür gab's 2006 den renommierten "red dot design award"), nutzt den Innenraum optimal aus und erledigt das Rangieren in Parklücken dank kleinem Wendekreis ohne Probleme.
Die zweite Generation des Terios (gestartet war der erste Daihatsu für's Gelände im Jahr 1997) wurde völlig neu gestaltet. Charakteristisch für den gegenüber dem Vorgänger um 21 Zentimeter in der Länge und 14 Zentimeter in der Breite gewachsenen SUV sind der lange Radstand und die sehr kurzen Überhänge. Ein abgerundeter Frontstoßfänger und nach hinten gezogene Scheinwerfer lassen den vorderen Überhang kürzer und leichter wirken.
Ausgestellte Radkästen und eine bullige Frontpartie geben dem Terios den Anstrich eines Kraft strotzenden PS-Protzes. So jedenfalls sieht ein SUV idealer Weise aus, befanden die Juroren des Essener Design-Zentrums, die dem Terios den roten Punkt verliehen.
Im Inneren geht es dagegen weit biederer zu: kein Schnickschnack bei den Bedienungselementen, auch keine gestalterischen Experimente. Die übersichtlichen Armaturen bestehen aus drei ineinander greifenden Rundinstrumenten für Drehzahl, Geschwindigkeit und Tankinhalt. Ab der Version Terios Top wird der große Tachometer durch ein Multi-Funktions-Display ergänzt, das den Kraftstoffverbrauch, die Uhrzeit, die Außentemperatur und die Höhenmeter anzeigt. In der Mittelkonsole in Aluminium-Optik befinden sich das serienmäßige, integrierte RDS-Radio mit CD-Player sowie die Bedienelemente für Heizung, Lüftung und die ab der Ausstattungsversion "Top" serienmäßige Klimaanlage.
Beim Einkaufen mit dem "Stadtroader" ist natürlich der Stauraum wichtig: 380 Liter Fassungsvermögen hat der Kofferraum des Terios (mit niedriger Laderkante!). Dazu lassen sich die Rücksitzlehnen im Verhältnis 60:40 umklappen und schließlich auch die zusammen gefalteten Sitze nach vorne klappen. Ablagen für die kleineren Gepäckstücke finden sich in der Mittelkonsole, in den Türen, im Handschuhfach, in den Taschen auf der Rückseite der Vordersitzlehnen und in den Staufächern unter den Rücksitzen.
Ein wenig enttäuscht hat im FN-Test der Motor: Der 1,5 Liter-Benziner bringt immerhin 105 PS auf die Straße, aber zu flotter Fahrweise kann er damit den Fahrer nicht inspirieren. Richtig spritzig ist er nur in einem engen mittleren Drehzahlbereich. Von unten heraus reagiert der 16-Ventiler anfangs ziemlich träge und jenseits der 4000 U/min wird er laut. Serienmäßig ist der Terios mit einem gut und exakt zu schaltenden Fünfgang-Getriebe ausgestattet, gegen einen Aufpreis von 1300 Euro gibt es ein Vierstufen-Automatikgetriebe. Mit manueller Schaltung bringt es der Terios in 12,4 Sekunden von Null auf 100 Stundenkilometer, erst ab 160 km/h geht ihm die Puste aus. Dafür schluckt der Motor des Terios laut Werksangabe im Durchschnitt 7,9 Liter Normalbenzin (im Test 8,5 Liter).
Das Fahrwerk haben die Daihatsu-Ingenieure ziemlich straff abgestimmt. Und mit einem Wendekreis von nur 9,80 Metern und der serienmäßigen geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung ist der Terios beim Rangieren in der Stadt kaum zu schlagen.
Im Sicherheitsbereich bringt der Mini-SUV ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und ESP (bei Daihatsu heißt es VSC für Vehicle Stability Control) mit Antriebsschlupfregelung mit. Modelle mit Automatikgetriebe sind darüber hinaus serienmäßig mit Berganfahrkontrolle und der Bergabfahrkontrolle ausgestattet - wenn man denn unbedingt in hügeliges Gelände will.
Der neue Terios ist in drei Ausstattungslinien lieferbar. Bereits die Basisversion (ab 17 990 Euro) bietet eine umfangreiche Serienausstattung. Die Version Top S gibt es ab 21 990 Euro. Der Grundpreis ist hier - beinahe - schon der Endpreis, denn lediglich für Perleffekt Lackierungen muss man noch einmal zusätzlich in die Tasche greifen (390 Euro).
Fazit: Der Daihatsu Terios ist ein ausgesprochen hübsches Exemplar der Gattung "Geländewagen" mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis und leider einem etwas schwachbrüstigen Motor.
Fränkische Nachrichten
21. Oktober 2006
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