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Pfiffiger Spross einer japanisch-französischen Dreiecksbeziehung

C 1 rundet Citroëns Modellprogramm nach unten ab / Kleiner Stadtwagen bietet angemessenen Komfort und ausreichend Platz für bis zu vier Personen

Von Dieter Schwab

Die französisch-japanische Dreiecksbeziehung hat Drillinge auf die Autowelt gebracht, die - zierlich wie sie sind - in der expandierenden Familie der Kleinwagen eine Heimat finden. Citroëns Beitrag C 1 hat das Zeug dazu, die zurzeit ohnehin boomenden Verkaufszahlen des Traditionsherstellers weiter hochzutreiben. Freches Design, gute Alltagstauglichkeit und vor allem ein erschwinglicher Preis von - im günstigsten Fall - 8390 Euro lassen mehr erwarten als das sehr zurückhaltend kalkulierte Kontingent von 2500 Fahrzeugen. Mehr hat Citroën im laufenden Jahr nicht für den deutschen Markt reserviert.

Dem C 1 blieb von den Dreien bei der Suche nach der Markenidentität der geringste Spielraum. Die Herkunft kann er äußerlich zwar noch geschickt verleugnen, denn von seinem japanischen Bruder Toyota Aygo ist er leicht zu unterschieden, doch die Verwandtschaft zum Peugeot 107 ist ihm durch das weit aufgerissene Maul, das die Konzernpartner zu ihrem Markenzeichen erhoben haben, allzu deutlich ins Gesicht geschrieben. Von der feinen Doppelwinkel-Front der hauseigenen Designsprache ist ihm leider nur ein Chromemblem auf der Motorhaube geblieben.

Billig macht die Käufer willig, ist eine mögliche Erklärung dafür, dass sich viele Hersteller bemühen, am unteren Ende der Preisskala neue Alternativen zu bieten. Im Grunde schließen sie aber nur eine Lücke im Angebot, die sie durch mit jedem Modelwechsel ständig wachsende Fahrzeugdimensionen selbst gerissen haben.

Und bei allem Bemühen um preiswerte Alternativen und trotz Kosten sparender Entwicklungs- und Produktionsstrategie (drei Hersteller teilen sich die Investitionen) werden der geneigten Kundschaft keine Wunder präsentiert. Bei den 8390 Euro für den Basis-C 1 wird es in der Regel nicht bleiben. Über 10 000 Euro werden meist zusammenkommen: Kaum jemand wird auf eine Servolenkung (300 Euro) verzichten. Wer eine Klimaanlage will, bekommt sie erst mit der 9240 Euro teuren Style-Version für zusätzlich 1100 Euro im Paket mit CD-Radio und Drehzahlmesser. Und die hinteren Türen sind für 400 Euro wohlfeil.

Wer den Platz auf der Rückbank nicht dauerhaft für Transportgut nutzen will, sollte sich vor allem diese 400 Euro nicht sparen, denn der Einstieg beim Dreitürer ist ein ewiges Ärgernis. Die Easy-Entry-Funktion hat nämlich die nervende Eigenart, dass die Vordersitze grundsätzlich in die Basisposition zurückfahren, Sitz und Rückenlehne also immer wieder neu justiert werden müssen.

Dabei hatte man es sich doch gerade erst auf den erstaunlich bequemen Fauteuils vorne kommod gemacht, soweit dies die eingeschränkten Verstellmöglichkeiten zulassen. In der zweiten Reihe gibt es für zwei Mitfahrer mehr Platz, als man dem kleinen Stadtflitzer zugetraut hätte. Aber bei einem Radstand von rund 2,34 Meter - zwei Zentimeter mehr als der größere C2 - ist die Erklärung für das angemessene Raumangebot im Innenraum schnell gefunden. Dafür muss man sich beim Gepäck auf das Nötigste beschränken (139 Liter). Wer zum Großeinkauf ausrückt, kann die beiden Rücksitze umlegen (geht auch einzeln) und so bis unters Dach 782 Liter einfüllen. Urlaub mit der Familie ist eher etwas für den Sommer, wenn man außer ein paar T-Shirts und den Badesachen nicht viel mitnehmen muss.

Klicken Sie auf ein Bild, um die Großansicht zu erhalten.

Vom Fahrwerk her bietet der C 1 durchaus die Qualitäten, die die Mitfahrer eine große Reise ohne nennenswerte Beeinträchtigung des Wohlbefindens überstehen lassen. Die Federung wird selbst mit deftigen Straßenschäden ohne Durchschlagen der Karosserie mühelos fertig und auch das Auf und Nieder von Querfugen und Bodenwellen vernachlässigter Autobahnen lässt sich gut aushalten. Auf kurvigen Passagen erweist sich die Feder-Dämpfer-Abstimmung ebenfalls den meisten Situationen gewachsen.

Im Grunde wird der Wagen an den vier Ecken durch Räder begrenzt. Diese kurzen Karosserieüberhänge sorgen für eine ausgeprägte Agilität. Die direkt übersetzte Lenkung trägt ihren Teil zur Fahrdynamik bei. Willig lenkt der C 1 in Kurven ein. Im Grenzbereich beginnt er dann allerdings damit, sich über quietschende Vorderräder heftig gegen die eingeschlagene Richtung zu sträuben. Gutmütig bremst er sich so selbst ab, wenn Kurvenradius und gewählte Geschwindigkeit noch nicht so ganz harmonieren. Besondere Haftqualitäten sollten von den schmalen 155er Rädchen mit 14-Zoll-Querschnitt nicht erwartet werden. Das gilt sowohl in der Kurve als auch beim Bremsen. Die giftig abgestimmte Anlage packt kräftig und tadellos zu, doch die Reifenbreite überlässt dem Antiblockiersystem jede Menge Regulierungsarbeit.

Beim 68 PS starken Motor von kräftig zupackend zu reden, wäre zwar etwas übertrieben, doch lässt sich der Dreizylinder auf ein durchaus munteres Spielchen mit dem kleinen Wagen ein. Unten heraus ist er nicht nur akustisch präsent. Ohne Zaudern geht es sofort zur Sache. Zwischendurch hat man das Gefühl, als ginge dem Triebwerk die Luft aus, doch dann schwingt es sich bis auf 6000 U/min hoch.

Natürlich sind 93 Nm Höchstdrehmoment bei 3600 U/min nicht annähernd ausreichend, um sich bei spontanen Überholvorgängen auf der sicheren Seite zu wähnen und auch der objektive Wert für den Sprint auf 100 km/h (13,7 Sekunden) entlarvt den C 1 als eher zurückhaltende Natur, doch um im Stadtgedränge mitzuhalten, reichen die Leistungsreserven allemal. Sogar auf Langstrecken geht es zügig voran, wenn man erst einmal - künstlich durch die Übersetzung des Fünfganggetriebes verlängert - die Tachonadel hat klettern lassen. 157 km/h Höchstgeschwindigkeit werden so erreicht. Diese Geduld wird an der Zapfsäule belohnt. 6,1 Liter Super waren es im Testdurchschnitt. Der Normverbrauch von 4,6 Litern deutet an, dass sich der Sparwille bei den Testfahrten hinter dem Spaßfaktor anstellen musste.

Den vergleichsweise günstigen Grundpreis des C 1 erkauft man sich nicht auf Kosten der Sicherheit. Ein elektronisches Stabilitätsprogramm gibt es zwar weder für Geld, noch gute Worte, doch dafür ist der C 1 schon in der Basisversion mit vier Airbags und ABS ausgerüstet. Vier Sterne im Crashtest nach Euro NCAP-Standard belegen, dass Toyota, Peugeot und Citroën nicht am falschen Fleck gespart haben. Das gilt auch für die Verarbeitungsqualität. Da lässt sich wenig Kritik anbringen, wenn man einmal von den messerscharfen Kanten der schlecht entgrateten Kofferraumabdeckung absieht. Die verwendeten Materialien machen - verständlicherweise - keinen teuren, aber einen soliden Eindruck. Dass selbst Hartplastik kein Problem sein muss, zeigt der strukturierte Kunststoff des Armaturenbretts.

Bei einigen ungewöhnlichen Designlösungen waren sich Designer und Kostenkontrolleure durchaus einig. Dazu gehören beispielsweise die rahmenlosen Scheibe der Heckklappe, die fast schon unverschämt großen Rückleuchten in den C-Säulen sowie das Zentralinstrument mit dem links oben aufgesetzten Drehzahlmesser (ab Style-Ausstattung).

Bleibt noch die Frage, ob man sich einen günstigen Kleinwagen wie den C 1 zulegen sollte, oder lieber einen geräumigen Gebrauchten für das gleiche Geld. Wenn die Entscheidung nicht vom Raumbedarf diktiert wird, fällt sie sicher zugunsten des pfiffigen C1 aus. Mehr Charme kann man auch in eine größere Menge Blech nicht pressen.

Fränkische Nachrichten
06. August 2005

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