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Citroën meldet sich in der Golf-Klasse zurück

Der C 4 glänzt mit markantem Design und liebevollen Details

Von Jürgen Strein

Den neuen Citroën C 4 gibt es serienmäßig mit Fleur de Vanille, Menthe Musc und Ylang Bambou. Nein, keine neuen Lackkreationen und auch keine exotischen Innenraum-Materialien, sondern - Düfte. Der C 4 ist das erste Auto, das sich für seinen Fahrer parfümiert; neben den genannten Kompositionen wahlweise mit sechs weiteren Düften des Parfüm-Profis Robertet, die allesamt für mitteleuropäische Zungen nur mühsam auszusprechen sind, dafür aber die olfaktorische Einfalt bisheriger Geruchsstoffe vergessen lassen. Der Wunderbaum ist out, es lebe der integrierte Parfümspender.

Um allerdings im härtest umkämpften Segment des Automarktes, dem der kompakten Schrägheckfahrzeuge, zu bestehen, bedarf es mehr als solcher sympathischer Kleinigkeiten, vor allem wenn man, wie die Citroën-Verkaufsstrategen, 14 000 Einheiten im Jahr in Deutschland absetzen will. Ein markantes Design zum Beispiel, ausgezeichnete Fahreigenschaften und attraktive Preise zur Markteinführung. Mit diesen Charaktereigenschaften und einer Reihe neuer und verblüffend stimmiger Details hat der Ende November auf den Markt gekommene C 4 das Zeug dazu, in der Golfklasse gegen die Konkurrenten von VW, Opel und Ford mehr als eine Mauerblümchenrolle zu spielen.

Nach viel gestalterischem Mittelmaß in früheren Jahren - aus dem vielleicht nur der Xsara Picasso heraus ragte - meldete man sich bei Citroën, aus dessen Werken einst mit dem DS das Kultauto aller Nonkonformisten lief, mit den neuen C-Modellen in die Reihe der innovativen Autodesigner zurück. Der C 4 ist der vorläufige Höhepunkt dieser neuen Linie des Hauses.

Flache Motorhaube, der die Citroën-Doppelwinkel als Kühlergrill und schräg nach oben gezogene Scheinwerfer ein charakteristisches Aussehen geben, weit nach vorn gezogene Frontscheibe, relativ geringe Höhe und nach hinten sich verjüngender Wagenkörper verleihen dem C 4 nicht nur einen eigenständigen Auftritt, sondern sorgen auch für einen konkurrenzlos niedrigen Luftwiderstand.

An die "Göttin" und den innovativen SM, beide in den 70er Jahren auf dem Markt, erinnern die mitlenkenden Scheinwerfer (nur in den Topversionen), die allerdings nicht mehr mechanisch, sondern elektronisch geregelt werden und außerdem mit Xenon-Technik ein angenehmeres Licht spenden.

Wie beim Schneidern des Blechkleides scheint auch bei der Gestaltung des Innenraums der Limousine für die Citroën-Designer Horror vor Ecken und Kanten geherrscht zu haben. Das Armaturenbrett zum Beispiel ist deutlich oval abgesetzt und die geschwungenen Linien werden von den Türverkleidungen aufgenommen und nach hinten fortgesetzt. Das ist Reduktion auf einfache und klare Formen.

In der Mitte vor der Windschutzscheibe sitzt das neuartige Kombiinstrument, das digital Tempo, Gesamtkilometer, Tageskilometer und Reichweite anzeigt. Wenn bei tief stehender Sonne Gegenlicht durch die Rückseite des Instrumentes fällt, erhöht sich der Kontrast zwischen Anzeige und Hintergrund so stark, dass die Skalen immer perfekt ablesbar bleiben.

Die zweite Besonderheit ist das Lenkrad mit fest stehender Nabe: Beim C 4 dreht sich nur der Lenkradkranz, die Nabe bleibt immer in der gleichen Stellung. Das hat zum einen den Vorteil, dass die Bedienknöpfe auf dem Pralltopf - je nach Ausstattungslinie für Geschwindigkeitsregler, Telefon, Audio-Fernbedienung und Menüsteuerung des Navigationssystems - sich immer an der selben Stelle befinden. Wichtiger aber noch ist der Sicherheitsaspekt: Die fest stehende Nabe erlaubt es, statt eines runden Airbags einen speziell geformten Luftsack mit größerer Fläche einzubauen.

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Ausgesprochen geschmackvoll sind die Materialien und die Farbabstimmung der Innenausstattung. Liebevoll gestaltete Details wie die beiden kleinen Schubladen im Armaturenbrett, ausklappbarer Handtaschenhaken auf der Beifahrerseite oder der CD-Wechsler in der vorderen Mittelarmlehne ergänzen den Gesamteindruck im Innenraum. Und das Audio-System lohnt sich wirklich, denn die gute Isolation lässt kaum Geräusche ins Innere dringen.

Auf den gut geformten Sitzen können vier Passagiere bequem reisen (natürlich gibt es im Fonds auch einen fünften Sitz, aber dann wird es eng). Ein Problem dürfte dann nur der Kofferraum sein, denn mit 320 Litern kann er allenfalls das Prädikat "alltagstauglich" für sich beanspruchen.

In Sachen Sicherheit darf es heute keine Kompromisse mehr geben: Sechs Airbags, ABS und ESP, Bremsassistent und ein Reifendrucksensor gehören schon zur Grundausstattung. Für Aufpreis (590 Euro) gibt es außerdem AFIL, den Infrarot-Spurassistenten, der den Fahrer jenseits der 80 Stundenkilometer über ein Rütteln im Sitz auf ungewollte Abweichungen von der Fahrspur hinweist.

Die Abstimmung des Fahrwerks ist ganz unfranzösisch straff, Bodenwellen schluckt es ohne Schaukeln, manchmal fast etwas hart weg, in Kurven hält der C 4 unbeirrbar die Spur, die Lenkung spricht präzise an.

Die Technik des C 4 ist im übrigen keine komplette Neuentwicklung, sondern basiert auf der Plattform 2 des PSA-Konzerns - der C 4 ist also ein Bruder des Peugeot 307, mit dem er rund 60 Prozent der Technikausstattung teilt. Auch das Motorenangebot, fünf Benziner und drei Diesel, stammt aus dem Konzern. Im von den FN getesteten 2.0i mit 16 Ventilen steht dabei ein laufruhiges und kultiviertes, dabei durchzugstarkes Aggregat zur Verfügung, das nur einen Nachteil hat: Mit knapp zehn Litern Testverbrauch "schluckt" der Motor ganz schön viel. Vielleicht deswegen erwartet Citroën einen hohen Anteil von Dieselmotoren am Verkauf.

Dieser soll durch eine attraktive Preisgestaltung angekurbelt werden. Zur Markteinführung ist das Coupé bis Ende Februar ab 13 790, die Limousine ab 14 490 Euro zu haben. Später werden die C 4 1200 Euro teurer. Für das getestete Fahrzeug in der Ausstattungsvariante "Exclusive" muss der Käufer zwar etwas über 21 000 Euro auf den Tisch blättern. Dann hat er allerdings auch ein komplett und luxuriös ausgestattetes Auto (Ausnahme: das Navigationssystem), das angenehmes Fahren mit hohem Komfort verbindet.

Citroën legt die Xsara-Limousine (der Kombi wird vorerst weiter gebaut) auf Eis und nimmt die Herausforderungen in der Golfklasse mit einem eigenständigen, alternativen Fahrzeugkonzept an. Die Chancen stehen nicht schlecht für den C 4.

Fränkische Nachrichten
15. Januar 2005

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