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Testbericht Kia Soul 1.6 CVVT: Koreanischer Kleinwagen mit gutem Platzangebot und ausgeprägtem Reisekomfort / Großer Kleinwagen als günstiges Angebot

Crossover lässt die Seele schwingen

Von Dieter Schwab

Es ist nicht die schlechteste Idee, die Autofahrerseele zum Schwingen zu bringen, wenn man Erfolg haben will. Da ist beim Soul von Kia der Name Programm. Der Crossover spricht in erster Linie die Emotionen an, doch auch die Vernunft muss nicht außen vor bleiben, wenn man sich näher mit dem Koreaner beschäftigen will.

Als Crossover bezeichnet man eine Mischung aus verschiedenen Fahrzeugkategorien. Meistens beschreiten solche "Wanderer zwischen den Autowelten" den Grat, der sich an der Nahtstelle von Kombi-Limousine und Sports Utility Vehicle auftut. Beim "seeligen" Kia ist das nicht anders. Die Silhouette weist ihn als SUV aus, doch in Wirklichkeit ist er eher ein hochbeiniger Kombi, denn einen Allradantrieb gibt es nicht einmal gegen Aufpreis.

Wenn man bedenkt, dass der Soul ein Kleinwagen sein soll, weiß man erst, wie überholt diese Bezeichnung für das automobile B-Segment mittlerweile ist. 4,1 Meter Länge, knapp 1,8 Meter Breite und über 1,6 Meter Höhe sind stattliche Abmessungen. Der eine ganze Klasse höher angesiedelte Golf Plus ist nur zehn Zentimeter länger, aber schmaler und niedriger als der Soul.

Dafür hat es der Kia nicht so sehr mit der Raumökonomie. Man würde sich mit Blick auf die stattliche Karosserie etwas mehr Ausbreitungsmöglichkeiten auf der Rückbank wünschen und vor allem einen größeren und praktischeren Kofferraum.

Auf der Rückbank haben zwei Personen bequem und drei ausreichend Platz. Aber es hapert etwas mit der Kniefreiheit, wenn vorne der in Längsrichtung zur Verfügung stehende Raum ausgeschöpft wird. Dort ist man nämlich fürstlich untergebracht. Das gilt nicht nur für das Raumgefühl, sondern auch für die bequemen Sitze. Lange Fahrten sind in der ersten Reihe keine Belastung, sondern ein Vergnügen.

Nur mit der Garderobe muss man sich etwas einschränken, soll es auf Reisen gehen. Hinter der im Verhältnis 1:2 teilbaren Rückbank bleibt ein sehr bescheidenes Ladevolumen übrig, auch wenn Kia durchaus vertretbare 340 Liter verspricht. Doch davon verbergen sich rund 100 Liter unter dem Kofferraumboden in einem Fach mit zerklüfteter Einteilung.

Wer den Laderaum komplett ausnutzt, hat 1285 Liter zur Verfügung (wieder inklusive Ladebox), aber leider keine durchgehend ebene Ladefläche.

Ansonsten ist die Funktionalität des Soul ohne Fehl und Tadel. Der Innenraum ist pfiffig gestaltet. Die Bedienung gibt keinerlei Rätsel auf. Beim verwendeten Kunststoff bleibt zwar ein nicht unerheblicher Hartplastikanteil, doch dessen Oberflächen wurden so strukturiert, dass die Optik sehr ansprechend bleibt. Über die Verarbeitung gibt es nichts zu meckern.

Ein weiterer wichtiger Wohlfühlfaktor ist der Fahrkomfort. Hier legten die Entwickler großen Wert darauf, Karosserieschwankungen zu unterbinden und die Kurvenstabilität zu fördern. Das Ergebnis ist ein ziemlich trockener Umgang des Fahrwerks mit den Tücken schlechter Straßen. Die Feder-Dämpfer-Einheiten melden solche Verwerfungen an die Insassen weiter, ohne sie über Gebühr damit zu belästigen. Im Großen und Ganzen bleibt der Soul gelassen und bequem. Dabei verspricht das jugendlich-frische Äußere einen eher sportlichen und frechen Auftritt. Speziell dann, wenn die Kriegsbemalung "Dragon" oder "Hahnentritt" des 95 Euro teuren Color-Pakets aufgetragen wurde.

Der Soul folgt zwar spontan den Lenkbefehlen, doch das Untersteuern des Fronttrieblers setzt früh und nachdrücklich ein. Besonders sportlich lassen sich Kurven nicht durcheilen.

Dazu fehlt es auch dem 126 PS starken Benziner mit 1,6 Litern Hubraum am nötigen Pep. Mit ihm kommt der immerhin rund 1300 kg schwere Crossover nicht so recht aus den Startlöchern. Kein Wunder - er braucht ordentlich Drehzahlen: 4200 mal rotiert die Kurbelwelle, um 156 Nm Drehmoment freizusetzen und 6000 mal für die Höchstleistung.

Elf Sekunden vergehen für den Sprint auf 100 km/h. Bei 177 km/h setzt die hohe Stirnfläche dem Geschwindigkeitszugewinn zu viel Widerstand entgegen. Da ist man gut beraten, wenn man es etwas gemütlicher angehen lässt. Warum auch nicht? Zum ambitionierten Mitschwimmen im Verkehrsfluss reicht der Durchzug allemal. Der Reihenmotor nimmt bereits knapp über der Leerlaufdrehzahl sauber Gas an.

Wer mehr erwartet, ist mit der Diesel-Alternative besser beraten. Die 128 PS des 1.6 CRDi sind deutlich munterer und stehen bereits ab 4000 U/min zur Verfügung; das Drehmoment von 260 Nm schon bei 1900 U/min.

Allerdings will dieser Temperamentsvorteil auch finanziert werden. Der Diesel liegt 1775 Euro über den 15 900 Euro des Basis-Benziners. Gut ausgestattet, einschließlich Klimaanlage, sind beide.

Fränkische Nachrichten
06. Februar 2010

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