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Das Gartenjahr im wechselnden Einfluss des Wetters: Wärmeinseln und moderne Elektronik führten 2014 zum Rekord

Nichts ist so beständig wie der Wandel

Archiv-Artikel vom Samstag, den 24.01.2015

Von unserem Mitarbeiter Steven Michelbach

Für 2014 wurde in Deutschland ein Temperaturrekord gemessen. Eine wichtige Erkenntnis aus all den Messungen für Gartenbesitzer: "Nichts ist so beständig wie der Wandel beim Wetter, ob kurzfristig oder im langjährigen Trend". Das sagte auch schon der 100-jährige Kalender: "Die Wetterküche das ist klar, kocht nichts so wie im vergangenen Jahr!"

© Steven Michelbach

Gartenenthusiasten wissen aus Erfahrung, dass das Wetter flatterhaft ist wie ein Schmetterling in hitziger Sommerluft. Benötigt man Regen, wartet man wochenlang vergebens. Braucht die aufkommende Saat Wärme, rieseln verspätete Schneeflocken zwischen die zarten Pflänzchen. Steht nach einem Sommer mit vielen Enttäuschungen die Ernte an, kommt er endlich, der Regen - aber doch bitte ausgerechnet nicht jetzt!

Für eine prächtige Ernte ist nicht nur eine geschickte Hand des Gärtners, sondern auch das Wohlwollen von Petrus von Bedeutung. Um zu sehen, wie auf ihn Verlass ist, wurden in der Grafik unten links die Monatstemperaturen für Deutschland des Deutschen Wetterdienstes DWD seit 2001 chronologisch aufgetragen. Für einen besseren Überblick wurden die Monate März bis Juli, der erste wichtige Zeitraum im Gartenjahr, farblich unterschieden. Blickt man monatsweise über alle Jahre hinweg, stellt man enttäuscht fest, dass hier nur eines zu erkennen ist: Kein Jahr gleicht dem anderen! Das einzige Beständige am Wetter ist auch mittelfristig der Wandel!

In der langjährigen Entwicklung sieht es nicht besser aus. In der oberen Grafik mit der Temperaturmessreihe für Deutschland seit 1760 wurden per Augenschein Phasen des Temperaturanstiegs und -rückgangs ausgewählt. Der Betrachter findet zahlreiche weitere Zeiträume mit bestimmten Trends, je nachdem, ob längere oder kürzere Zeitabstände gewählt werden. Erwärmungsphasen sind rot, Abkühlungsphasen blau gekennzeichnet. Deutlich ist zu sehen, dass die Jahresmitteltemperatur ständigen Schwankungen unterliegt. Selbst in sehr kurzen Zeitabständen, etwa zwischen 1822 und 1834, erfuhren Gartenbesitzer und Landwirte, dass innerhalb eines Jahrzehntes die Temperatur regelrecht Achterbahn fahren kann und Sprünge von fast vier Grad Celsius im Jahresdurchschnitt erreicht werden. So trifft auch hier die Grunderfahrung jedes Gartenbesitzers wieder zu: "Nichts ist so beständig wie der Wandel."

Ein Blick in das Kompendium der fränkischen Spätlesen spiegelt dies wider: 1536 heißer Sommer, guter Wein, 1537 wenig, schlechter Wein, 1538 wenig saurer Wein, Frühlingsfrost, 1539 sehr viel und guter Wein, 1540 Jahrtausendwein, extrem heißer Sommer, 1541 gutes Weinjahr, 1542 spätes Jahr, saurer Wein.

Professor Rüdiger Glaser, Universität Freiburg, schildert in seiner Klimageschichte Mitteleuropas 1540 als eines der herausragendsten des Jahrtausends, klimawissenschaftlich gesehen. Ursache für den Jahrtausendwein war eine extreme Wettersituation. Es regnete über 26 Wochen kaum, der Sommer war durch Rekordhitze und Rekordtrockenheit gekennzeichnet. Klimaforscher der Uni Bern haben Wetterchroniken aus ganz Europa gesichtet und daraus eine gewaltige Naturkatastrophe rekonstruieren können. Vielerorts wurde Trinkwasser knapp, Brunnen und Quellen fielen trocken. Die Folge: "Vil Vieh crepierte auch an etlichen Orthen ... des Wassers halben; es giengen auch die Wälder von allzugrosser Hitz an, und verbrannten von Thann bis in Lothringen vil hundert Juchert Wäldt". An den Bäumen wurden schon im Frühsommer die Blätter gelb. Die Ernte verdorrte. An vielen Mühlen standen die Mühlräder still. Die Mehl- und Brotpreise explodierten. Die Armen hungerten. Markus Springer berichtete darüber ausführlich.

2014 soll in Deutschland ein Temperaturrekord von 10,3 Grad gemessen worden sein. Nach einem trockenen Frühjahr ab Juli hatte sich die Wettersituation umgestellt und die erforderliche Regenmenge für das spätere üppig ausgestattete Erntedankfest nachgeliefert. War 2014 also tatsächlich ein Rekordjahr, wie es in den Medien dargestellt wurde? Vergleichsweise Katastrophenmeldungen wie von 1540 sind nicht bekannt geworden, aus ganz Mitteleuropa nicht. Wie ist das zu bewerten?

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