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Sehnsucht Apfelblüte: Der Beginn des Vorfrühlings

Die Sehnsucht nach der Sonne

Archiv-Artikel vom Samstag, den 04.05.2013

Von unserem Mitarbeiter Steven Michelbach

Aufgrund des kühleren Frühjahrs verzögerte sich auch der Beginn der Apfelblüte. In der Phänologie zeigt die Apfelblüte den Beginn des Vollfrühlings an. Die Sandbiene konnte sich bisher nur am Pollen des Löwenzahns für ihre Brut bedienen.

© Michelbach

Nach langer kühler Witterung mit einem Spätwinter bis in den April hinein sehnte man sich nach der wärmenden Sonne. Ab Mitte April gab es endlich einige hoffnungsvolle Tage mit Höchsttemperaturen bis 25 Grad. Dann allerdings brachte vor wenigen Tagen ein Temperatursturz schon wieder Ernüchterung. Irgendwie hatte man sich doch in den letzten Jahren schon daran gewöhnt, dass bereits im April sommerliche Temperaturen die Grillsaison einläuten.

Sehnsuchtsvoll möchte man in diesem Jahr nach dem wohlbekannten Gedicht von Eduard Mörike rufen: "Frühling, ja du bist's, Dich hab ich vernommen!". Etwas nüchterner sieht dies die Phänologie, die den jahreszeitlichen Entwicklungsstand von Tieren und Pflanzen im Rahmen der allgemeinen Klimabeobachtung untersucht. Wissenschaftlich gliedert sich der Frühling in drei Phasen. Der Vorfrühling beginnt etwa Ende Februar mit der Schneeglöckchenblüte. Danach folgt der Erstfrühling mit dem Aufbrechen der Stachelbeerknospen. Blühende Apfelbäume zeigen endlich an, dass die Natur im Vollfrühling angekommen ist.

Auf der Wanderung am ersten Mai haben viele blühende Bäume die Wanderwege gesäumt. Im Taubertal waren Apfelbäume eher selten darunter. Es waren vor allem Kirschen, Pflaumen und Birnen, die mit ihrer Blüte noch dem Erstfrühling zugeordnet werden.

Die Apfelblüte auf dem beigefügten Foto stammt von einem Frühapfel der Sorte "Jakob Fischer" von einer Streuobstwiese bei Markelsheim.

Aufgrund der kühlen Witterung leider noch nicht vollständig geöffnet. Gemäß der Wettervorhersage und den angekündigten Temperaturen bis 20 Grad sollten im Taubertal an diesem Wochenende die ersten Apfelbäume in voller Blüte stehen. Der Vollfrühling ist da!

In Zeiten des Klimawandels ist es interessant zurückzublicken, wie die Apfelbäume bisher auf wärmere und kältere Phasen reagiert haben. Die obere Grafik zeigt den durchschnittlichen Beginn der Apfelblüte. Wie im letzten Artikel zur Schneeglöckchenblüte vom 23. März in den FN gezeigt, so ist auch bei der Apfelblüte eine deutliche Zweiteilung der Entwicklung zu erkennen.

Von 1951, dem Beginn der systematischen Beobachtungen steigt der Beginn der Blüte von etwa 125 Tage auf über 130 Tage nach Jahresbeginn an (blaue Trendlinie). Dies deckt sich mit den leicht abnehmenden Frühlingstemperaturen im gleichen Zeitraum, siehe untere Grafik. Die Frühlingstemperatur berechnet sich aus den Monaten März, April und Mai. Um 1988 kommt es zu einer markanten Umkehr des Trends. Relativ schnell steigt die Mitteltemperatur von 7,4 Grad (1950 bis 1987) auf 8,9 Grad (1988 bis 2012) an. Bei den Frühlingstemperaturen zwischen 1988 und 2012 ist der Trend positiv. Der Beginn der Apfelblüte folgt genau diesem Trend. Bei den Wintertemperaturen, am Beispiel der Schneeglöckchenblüte (FN vom 23. März) war der Trend allerdings negativ.

Die Trendwende bei der Temperaturentwicklung kann auf eine Umorientierung der Verteilung des Luftdrucks über dem Nordatlantik zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief zurückgeführt werden. Häufigerer Hochdruck über Island und Tiefdruck über den Azoren verursachte im Winter und Frühjahr der Phase von 1950 bis 1987 eher kalte Ostwetterlagen. Nach 1988 kam es zu dem markanten Umschwung der Luftdruckverteilung. Tiefdruck über Island und Hochdruck über den Azoren brachte bis vor wenigen Jahren eher feuchtwarme Atlantikluft mit mildem Winter und warmem Frühjahr nach Mitteleuropa.

Analysiert man die Entwicklung der Temperatur etwas genauer, dann sind es vor allem die sehr warmen Apriltemperaturen der vergangenen Jahre, die den Trend nach oben führten. Es sind dies der April von 2007 mit 11,5 Grad, 2009 mit 11,8 Grad und 2011 mit 11,6 Grad im Durchschnitt. Der April 2013 ist wieder deutlich kühler und zu trocken ausgefallen.

Es ist unbestritten, dass die Frühlingszeit in den vergangenen sechs Jahren (2007 bis 2012) mit durchschnittlich 9,5 Grad außergewöhnlich warm war, wie sie seit 1760 nicht erreicht wurde.

Allerdings hat man bereits Ende der 40er Jahre (1945 bis 1950) mit 9,1 Grad ebenfalls eine recht warme Phase erlebt.

Winter und Frühling 2013 fallen aus diesem warmen Trend der jüngeren Klimaentwicklung deutlich heraus. Die Apfelblüte bei Bad Mergentheim ordnet sich bei ca. 130 Tagen ein. Klimaforscher haben in den letzten Jahren festgestellt, dass sich auf dem Nordatlantik die Luftdruckverteilung erneut beginnt umzukehren, zurück in den "kälteren Modus" mit häufigeren Ostwetterlagen. Ob sich hieraus tatsächlich ein neuer Klimatrend mit wieder zurückgehenden Temperaturen entwickelt, werden die nächsten Jahre zeigen.

Die künftige Klimaentwicklung bleibt spannend. Genießen wir zunächst die sehnsüchtig erwartete Apfelblüte mit ihren süßen, wohlbekannten Düften im eingetroffenen Vollfrühling!

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 04.05.2013
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