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Ein blaues Wunder

Archiv-Artikel vom Samstag, den 21.04.2012

Von Simone Augustin

Das üppige Blütendach für Terrassen ist eine optische Sensation. Doch der schöne Blauregen ruft mitunter sogar die Polizei auf den Plan.

Der Blauregen beeindruckt mit langen Blütentrauben, gefiederten Blättern und seiner beachtlichen Wuchshöhe.

© dpa

Ihre Früchte knallen beim Aufbrechen wie Pistolenschüsse - das soll Nachbarn schon mal veranlasst haben, die Polizei zu rufen. Worauf sie sicher nie gekommen wären: Schuld an dem Geräusch ist eine wunderschöne Kletterpflanze mit duftenden Blüten - der Blauregen.

In beeindruckenden Blütentrauben regnet er herab und verwandelt eine einfache Pergola in eine optische Sensation. Er bricht jeden Kletterrekord und verschönert Häuserfronten oder Laubengänge. Auch wenn der Blauregen (Wisteria) viel Platz und eine starke Gärtnerhand benötigt, so ist er aus vielen Parks und Gärten nicht mehr wegzudenken.

Bei der Pflanzung eines Blauregens ist jedoch eine vorausschauende Planung wichtig. "Er produziert enorm viel Holz und Blattmasse und entwickelt dadurch im Laufe der Jahre ein hohes Gewicht", erklärt Eva Morgenstern, Beraterin der Gartenakademie Rheinland-Pfalz in Neustadt an der Weinstraße. Das Rankgerüst oder die Pergola sollten deshalb stabil und von guter Qualität sein, damit sie im Laufe der Jahre nicht unter dem Gewicht des Klettermeisters zusammenbrechen.

"Rankgerüste sollten außerdem durch ein Fundament fest im Boden verankert und nicht zu nah an Häuserwänden montiert werden", rät Morgenstern weiter. Keinesfalls sollte man Glyzinien, wie der Blauregen auch genannt wird, an Fallrohren direkt am Haus hochranken lassen. Mit dem Würgegriff seiner starken Äste wird er die Rohre schon bald von der Wand lösen oder gar beschädigen. Die Peitschentriebe wachsen auch in kleine Ritzen hinein und sprengen loses Mauerwerk, Holzverkleidungen oder Dachpfannen.

Enormer Pflegeaufwand

Ein Aspekt, den viele Hobbygärtner häufig unterschätzen, ist der enorme Pflegeaufwand. Da der Blauregen stets dem Licht entgegenstrebt, wächst er zunächst senkrecht in die Höhe. "Erst wenn er durch fehlende Führung nicht mehr weiter nach oben wachsen kann, rankt er waagrecht an den Streben entlang weiter", erklärt Morgenstern. Mindestens einmal pro Jahr muss er daher stark geschnitten werden. Dabei sollte bedacht werden, dass diese Arbeit häufig in großer Höhe erledigt werden muss. Bei einer Pergola sind außerdem viele Bereiche schlecht zugänglich. "Was am Anfang klein und beschaulich daher kommt, wird schon bald ein riesiger Kletterer."

Der Rückschnitt ist auch deshalb wichtig, weil der Blauregen ausschließlich an den Kurztrieben blüht. Besonders die langen Peitschentriebe, die keinerlei Blüten ausbilden, sollten bis auf zwei Augen zurückgeschnitten werden. "Sonst geht die Kraft nur in die langen Triebe, nicht aber in die Blüte", sagt Dieter Hüttenrauch, technischer Leiter vom Park "Planten un Blomen" in Hamburg. "Je kräftiger der Schnitt, desto mehr Blüten bilden sich."

Dehnt sich die Glyzinie zu stark aus, ist ein zweiter Schnitt ratsam. Eva Morgenstern empfiehlt dafür die Winterruhezeit. "Im Winter hat man ohne die Blattmasse einen viel besseren Überblick und kann den Blauregen formen und lenken." Viele Hobbygärtner gingen beim Rückschnitt zu vorsichtig zu Werke. Dabei verzeihe der robuste Blauregen, der 1820 in Europa eingeführt wurde, auch einen rigorosen Schnitt.

Bis zu 15 Meter hoch

Der Blauregen stammt ursprünglich aus Ostasien und gehört zur Familie der Fabaceae. Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders die Samen und Hülsen. In Nordamerika und Ostasien gibt es neun Arten, in Europa zwei - die Wisteria-sinensis und -floribunda. Diese haben viele Sorten, die weiße, violette und zart rosafarbene Blüten hervorbringen. Sehr verbreitet ist der Chinesische Blauregen (Wisteria sinensis), der nicht selten bis zu 15 Meter erklimmt.

Der Blauregen kann ein beträchtliches Alter erreichen. "Unser Blauregen im Japanischen Garten ist weit über 20 Jahre alt", erzählt Dieter Hüttenrauch. In der Regel blüht er zweimal im Jahr. Die ersten Blüten erscheinen noch vor den Blättern im Mai oder Juni. Eine etwas schwächere Nachblüte erfolgt im Juli oder August. Der Blühtermin kann sich je nach Witterung auch etwas verschieben.

Dass die Glyzinie erst nach einigen Jahren blüht, ist normal. Allerdings beeinflusst ein sonniger Standort und der regelmäßige Rückschnitt der Triebe die Blühfähigkeit positiv. Als blühfreudig gelten vor allem veredelte, aus Stecklingen vermehrte Pflanzen aus der Baumschule. Zwar kann man Blauregen auch selbst aussäen, jedoch werde dann die Blüte viele Jahre auf sich warten lassen, erklärt Hüttenrauch.

Besondere Ansprüche an den Boden stellt die Glyzinie nicht. Ein gut gelockerter Oberboden ohne Staunässe ist ideal. "Der Blauregen mag Sonne und Wärme, ist jedoch nicht besonders frostempfindlich", sagt Hüttenrauch. Er empfiehlt einen vollsonnigen, geschützten Standort, denn im Halbschatten sei der Blauregen blühfaul. Als Pflanzzeit für Topfware eignet sich das Frühjahr bis Mitte Mai, wurzelnackte Ware sollte im Herbst gesetzt werden.

Auch erheiternde Geschichten lassen sich rund um den Blauregen erzählen. Grund dafür sind seine Früchte, die in Form einer Hülse mehrere Samen beinhalten. Sobald die Hülse reift und aufplatzt, werden die prallen Samen herauskatapultiert. Der pistolenähnliche Klang soll aufmerksame Nachbarn bereits dazu veranlasst haben, die Polizei über eine Schießerei im benachbarten Garten zu informieren.

© Mannheimer Morgen, Samstag, 21.04.2012
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