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Dresden/Berlin. Dauerndes Räuspern, Stirnrunzeln, unrhythmisches Blinzeln oder unkontrolliertes Schreien: Fast jeder hat schon mal einen Menschen mit einem Tic erlebt. Meist handelt es sich um vorübergehende Störungen, manchmal jedoch werden sie chronisch und sind behandlungsbedürftig. Medikamente können die Symptome zwar lindern, und eine Verhaltenstherapie hilft, besser mit der Krankheit zu leben. Heilen lässt sich sie aber nicht - nur kontrollieren.
"Tics sind Muskelzuckungen, die sich unrhythmisch wiederholen", erklärt Veit Rößner von der Uniklinik Dresden. Tic-Störungen äußern sich durch ungeplante Bewegungen oder Laute. Gegliedert wird die Krankheit in motorische und vokale Tics. Es gibt auch Betroffene, die unter kombinierten Störungen leiden, dem Tourette-Syndrom.
Die Patienten sind zum Großteil Kinder und Jugendliche. "Bis zu 20 Prozent der Kinder in der Grundschule haben vorübergehende Tics", sagt Rößner, der die Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik leitet. Vorübergehende Tics betreffen maximal einen Zeitraum von einem Jahr. Wenn Tics das erste Mal auftreten, betreffen sie häufig das Gesicht - Blinzeln, Grimassen oder Räuspern können Symptome sein. Nach der Grundschulzeit sinke die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen auf drei bis vier Prozent. Patienten, die ihre Tics länger als ein Jahr haben, gelten als chronisch krank. Bei ihnen ist es häufig so, dass die Tics auch zu den Gliedmaßen wandern und komplexer werden.
"Stress kann auf die Tics verstärkend wirken", ergänzt Jürgen Wild vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in Berlin. Aber ansonsten gäbe es noch keine erforschte Ursache für Tic-Störungen. "In manchen Familien ist eine genetische Veranlagung offensichtlich", erklärt Carmen Grieger vom Interessenverband Tic und Tourette Syndrom in Bremen. Allgemein gilt: Jeder kann Tic-Störungen bekommen, jedoch ist es im Erwachsenenalter um einiges unwahrscheinlicher als bei Kindern. Genauso spontan, wie sie eintreten, können sie wieder verschwinden.
Betroffene müssen häufig mit Hänseleien in der Schule oder Gelächter und Kopfschütteln auf der Straße leben. Diese Reaktionen erhöhen ihren Leidensdruck und lösen Angst vor manchen Situationen aus. Beispielsweise kann es einem Kind sehr peinlich sein, wenn es im stillen Klassenzimmer ungewollt laute Geräusche von sich gibt oder unwillkürlich zuckt. "Tics können auch dadurch provoziert werden, dass sie von Anderen nachgeäfft werden", erläutert Grieger.
Solche Situationen können sich negativ auf das Selbstwertgefühl auswirken. In einer Verhaltenstherapie werden daher Strategien entwickelt, um sich selbstbewusst zu verhalten. Die ideale Einstellung eines Betroffenen sei: "Ich habe einen Tic, na und?", sagt Wild. tmn
15. Dezember 2009
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