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Medizin: Menschen mit leichtem Übergewicht haben Studien zufolge die höchste Lebenserwartung

Ein bisschen rund ist gesund

Von unserem Redaktionsmitglied Madeleine Bierlein

Mannheim/Hamburg. Wer seit Jahren gegen sein kleines Bäuchlein oder den Hüftspeck kämpft, kann sich beruhigt zurücklehnen. Zumindest in gesundheitlicher Hinsicht ist nichts dagegen einzuwenden, wie ein Forscherteam um die Hamburger Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser herausgefunden hat. Demnach leben Menschen mit leichtem Übergewicht nicht nur am längsten. Sie sind auch seltener krank als Untergewichtige.

Die Hamburger Wissenschaftler hatten 42 hochwertige Studien ausgewertet, in denen der Zusammenhang von Gewicht, Lebensdauer und Krankheit untersucht wurde. Das Ergebnis: Leichtes Übergewicht ist bei Erwachsenen ideal. So ist ein BMI von 27 im mittleren Lebensalter mit der geringsten Sterblichkeit verbunden. Das entspricht zum Beispiel einem 1,80 Meter großen Menschen, der 87,5 Kilogramm wiegt. Über 70-Jährige haben sogar mit einem BMI zwischen 27 und 35 das geringste Sterberisiko.

Diese Zahlen stehen in frappierendem Gegensatz zu den Verlautbarungen von Ärzten und Fachleuten aus dem Gesundheitswesen, die vor den Gefahren durch Übergewicht warnen. Mittlerweile gilt die Mehrheit der Deutschen als übergewichtig (BMI von 25 bis 30), jeder Fünfte ist sogar fettleibig (BMI über 30), was mit erheblichen Gesundheitsrisiken einhergeht.

"Es ist eine Tatsache, dass Menschen mit mehr Gewicht häufiger an einzelnen Krankheiten leiden", sagt Studienleiterin Mühlhauser im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie hätten beispielsweise häufiger Typ 2-Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Aber das Gewicht scheint sie auch vor anderen Krankheiten zu schützen und damit den Nachteil aufzuwiegen. So leiden leicht übergewichtige Menschen seltener an Infektionskrankheiten und haben seltener Knochenbrüche. Ihre Prognosen bei einigen Krebs-Erkrankungen sind besser. Patienten auf Intensivstationen mit einem BMI von 25 bis 30 haben sogar ein geringeres Sterberisiko als Normalgewichtige. Diese Daten beziehen sich allerdings nur auf Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche gelten sie nicht.

"Es gibt keinen Grund, einen leicht Übergewichtigen ohne Risikofaktoren unter Druck zu setzen und zum Abnehmen zu animieren", lautet das Fazit von Gesundheitswissenschaftlerin Mühlhauser. Beim vermeintlichen Übergewicht bis zu einem BMI von 30 handele es sich letztlich um ein "gesundes Gewicht". Nur wenn Risikofaktoren wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck oder Diabetes hinzukämen, sei eine Gewichtsabnahme sinnvoll.

Sehr Dünne sterben früher

Bei echter Fettleibigkeit und Untergewicht ist das Krankheitsrisiko hingegen deutlich erhöht. Schon lange ist bekannt, dass dünne Menschen mit einem BMI unter 18,5 eine erhöhte Sterblichkeit haben. Auch sehr Dicke (BMI über 30) werden nicht so alt und leiden deutlich häufiger an Krankheiten. So ist ihr Risiko für eine koronare Herzkrankheit um etwa 50 Prozent erhöht.

Entscheiden ist aber auch immer, wo das Fettgewebe sitzt. Bauchfett erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen viel stärker als beispielsweise Hüftfett. Aus diesem Grund wird von vielen Medizinern zusätzlich zum Body-Mass-Index nun auch der Taillenumfang zur Bewertung herangezogen.

20. Oktober 2009

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