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Berlin/München. Stimmungsschwankungen, Liebeskummer oder Tiefpunkte nach belastenden Lebenssituationen kennt jeder. Meistens ziehen diese Schatten nach einigen Tagen oder Wochen wieder vorbei. "Doch wenn man den Alltag dauerhaft nicht mehr in den Griff bekommt, ist professionelle Hilfe ratsam", rät Uschi Grob vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Berlin. Dabei sollten die Patienten sich aber den Therapeuten genau ansehen -schließlich geht es um ein enges Vertrauensverhältnis.
Wichtig ist zunächst, den richtigen Zeitpunkt für eine Therapie zu erkennen. Prof. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer in Berlin, rät den Betroffenen zu einer ehrlichen Bilanz: "Wenn Stimmungen und Gefühle, die Sie so noch nicht kannten, dauerhaft Ihr Leben belasten und auch Freunde und Bekannte nachfragen, was eigentlich mit Ihnen los ist, sollten Sie ernsthaft Hilfe suchen."
Der erste Schritt sei bei den meisten Menschen das Gespräch mit Vertrauenspersonen aus dem engen sozialen Umfeld. "Sprechen Sie offen über Ihre Probleme, finden Sie heraus, was mit Ihnen los ist." Manchmal ergeben sich auf diese Weise bereits Informationen, welcher Therapeut in der Nähe arbeitet - oder Freunde können von eigenen positiven Erfahrungen mit bestimmten Psychotherapeuten berichten.
Auch der Hausarzt hilft weiter. "Die meisten Ärzte arbeiten eng mit Psychotherapeuten zusammen, können Betroffenen Adressen und eine Überweisung geben", so Richter. Wer auf eigene Faust suchen möchte, kann ins örtliche Branchenbuch schauen oder eine Liste der zugelassenen Psychotherapeuten bei der Krankenkasse anfordern. Kostenlose Beratung und Hilfe gibt es auch per Internet und Telefon: "Der Psychotherapie-Informationsdienst vom BDP bietet kostenlose Beratung an", sagt Grob.
"Es ist ratsam, sich vorher über die verschiedenen Therapieformen zu informieren", sagt Richter. Entscheidend ist auch die Frage nach der Kostenübernahme. Hierüber erteilen sowohl die Krankenkassen als auch die Psychotherapeuten per Telefon Auskunft. Nicht immer übernimmt die Krankenkasse die Kosten - dann müssen die Patienten mit Beträgen zwischen 50 und 100 Euro pro Sitzung rechnen."Das klingt teuer, ist aber auf jeden Fall zu empfehlen bei Problemen, die von der Krankenkasse nicht als Erkrankung bewertet werden", sagt Fritz Propach, Vorsitzender des Vereins Pro Psychotherapie in München.
Das therapeutische Gespräch sei "eine Heilbehandlung für die Seele", sagt auch Grob. Sie empfiehlt Patienten, bei der Wahl des Therapeuten auf das eigene Gefühl zu achten. "Nur bei gegenseitiger Sympathie und Vertrauen ist eine erfolgreiche Behandlung möglich." Patienten stehen daher in aller Regel eine bis fünf "Schnupperstunden" zu. In diesen Probesitzungen sollten alle Fragen des Patienten offen beantwortet werden, so dass ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann, sagt Richter. "Die Vorgespräche müssen dem Patienten einen genauen Ein- und Ausblick in die Behandlung geben."
Stimmt das Gefühl nicht, sollten Betroffene sich auf die Suche nach einem anderen Therapeuten begeben. "Sie können diese ,probatorischen Sitzungen' so lange wiederholen, bis Sie den richtigen Therapeuten für sich gefunden haben", sagt Grob. Der Psychotherapeut stellt dann einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse. "Meistens werden 25 Sitzungen genehmigt, die nach Bedarf verlängert werden können."
"Viele Patienten erleben schon nach den ersten Stunden eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden", sagt Richter. Das Gefühl, endlich alles von der Seele reden zu können, entlastet. Das sollte auch grundsätzlich so bleiben: "Der Sinn einer Therapie ist es, dass es dem Patienten beständig besser geht." Kurze Tiefpunkte etwa nach besonders schmerzhaften Gesprächsinhalten sind normal. "Wenn es dem Patienten dauerhaft schlechter geht, sollte aber über Behandlungsalternativen nachgedacht werden."
22. September 2009
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