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Emotionale Erpressung: Wer nicht mehr unter Druck gesetzt werden will, muss aus alten Verhaltensmustern ausbrechen

"Ich will doch nur Dein Bestes"

Von unserem Mitarbeiter Jörg Zittlau

Mannheim. Egal, ob es um die Beziehung zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Arbeitskollegen oder guten alten Freunden geht - wo es Nähe gibt, da wird es mitunter auch verletzend. Manchmal geschieht dies jedoch nicht offen und ehrlich, sondern subtil, in Form einer "emotionalen Erpressung". Und die kann mitunter besonders weh tun.

Die emotionale Erpressung nährt sich, wie US-Psychologin Susan Forward erklärt, aus dem Wissen, dass sich jeder Mensch nach Liebe und Anerkennung sehnt. "Und der emotionale Erpresser", so Forward, "droht damit, ebendies zurückzuhalten oder ganz fortzunehmen, oder er gibt dem Anderen das Gefühl, dass er sich beides erst verdienen muss."

Ein typisches Beispiel: Der Erpresser hat das Gefühl, dass wir seinen Wünschen nicht genügend nachkommen. Doch anstatt uns das direkt zusagen, wird er uns vorwerfen, selbstsüchtig und rücksichtslos zu sein ("Wie kannst du nur so egoistisch sein?"). Sehr wohl wissend, dass wir uns dann zutiefst schuldig fühlen und ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen, um ihn zufriedenzustellen und nicht mehr als Egoist dazustehen.

Forward unterscheidet vier Typen der emotionalen Erpresser:

Der Bestrafer: Er ist der Auffälligste unter den Erpressern. Er lässt sein Opfer genau wissen, was er will - und mit welchen Konsequenzen es zu rechnen hat. Typisch für ihn sind Sprüche wie: "Wenn du wieder arbeiten gehst, verlasse ich dich." Tatsache ist allerdings, dass der Bestrafer in 19 von 20 Fällen seine Drohung nicht in die Tat umsetzt und sich in den Ruhephasen zwischen seinen Drohausbrüchen recht freundlich gibt. Doch gerade diese Diskrepanz lässt seine Opfer in Angst und Schrecken leben.

Der Selbstbestrafer: Im Unterschied dazu gibt der Selbstbestrafer seinem Opfer zu verstehen, was er sich antun wird, wenn er nicht bekommt, was er will. Kinder sind beispielsweise Meister in dieser Kategorie, wenn sie drohen, die Luft anzuhalten und zu ersticken, sofern man sie nicht den Spätfilm im Fernsehen ansehen lässt. Tröstlich zu wissen, dass man mit Luftanhalten kaum ersticken kann, doch der Anblick eines blau angelaufenen Kindergesichts hat schon manches Elternherz weich werden lassen.

Der Leidende: Er gehört in die dritte Kategorie der emotionalen Erpressung und erzeugt Schuldgefühle bei seinen Mitmenschen. Ein Klassiker aus dieser Kategorie ist der Spruch: "Ich will doch nur dein Bestes." Denn er müsste eigentlich vollständig lauten: "Ich habe mich aufgeopfert, das Beste für dich zu tun, doch du weißt dies nicht zu schätzen." Klar, dass der Angesprochene sich zutiefst schuldig fühlen und fortan seine Dankbarkeit zeigen wird, auch wenn ihm eigentlich gar nicht danach zumute ist.

Der Verführer: Er testet den anderen und verspricht ihm Wunderbares, wenn er die Tests besteht. Wie etwa der Mann, der seine Geliebte ins Wochenendhaus einlädt, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch als sie dort ankommen, drückt er ihr erst einmal einen Malerpinsel in die Hand, weil das Haus dringend renoviert werden müsste. Erst später teilt er ihr mit, dass er nur prüfen wollte, ob seine zukünftige Frau auch die unangenehmen Dinge einer Ehe zu tragen bereit wäre - und steckt ihr einen Ring an den Finger.

Bleibt die Frage, was man gegen emotionale Erpresser unternehmen kann. Ein Pauschalrezept dafür gibt es nicht. Grundvoraussetzung ist aber, so Forward, "aus den alten Reaktions- und Verhaltensmustern auszubrechen". Und dies bedeutet in erster Linie, sich von seiner Opferrolle zu verabschieden und dem Erpresser selbstbewusst entgegen zu treten. Zu viel Selbstbewusstsein darf es freilich auch nicht sein - denn dann könnte es ja sein, dass der Erpresser mit seinem Egoisten-Vorwurf gar nicht so falsch liegt.

25. August 2009

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