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Erziehung: Wiederholungen sind wichtige Elemente, die den Alltag strukturieren

Rituale geben Kindern Halt

Von unserer Mitarbeiterin Adrienne Friedländer

Mannheim. Das morgendliche Kuscheln in Mamis Bett, die Gute-Nacht-Geschichte am Abend oder das Einschlaflied vor dem Zubettgehen: Kinder lieben es, wenn die Dinge in ihrem Leben sich immer auf die gleiche Art wiederholen. Denn für Kinder ist jeder Tag von einer Vielzahl von Erlebnissen geprägt, die auch Fragen oder Ängste mit sich bringen.

Rituale gliedern den Tagesablauf und helfen dem Kind, sich leichter im Leben zu orientieren. Dabei geht es nicht nur um den Geburtstagskuchen, das Ostereiersuchen oder den Tannenbaum zu Weihnachten, sondern um die vielen kleinen verlässlichen Abläufe im Alltag. Sie geben Kindern Halt und Geborgenheit in einem noch so unüberschaubaren großen Leben.

Einschlafrituale

Manchen Kindern fällt es schwer, nach einem turbulenten Tag in den Schlaf zu finden. Einschlafrituale erleichtern hier den Übergang: Machen Sie es sich mit ihrem Kind gemütlich. Lassen Sie noch einmal gemeinsam den Tag Revue passieren: Was war heute besonders schön, was wird morgen passieren. Singen Sie ein Lied oder entführen Sie Ihr Kind mit einer Geschichte in eine Fantasiewelt, um es langsam in die Traumwelt gleiten zu lassen.

Ruherituale

Auch wenn Ihr Kind tagsüber nicht mehr schläft, braucht es im Ablauf des Tages eine Ruhezeit (und Sie auch!). Am besten eignet sich für die meisten Familien dafür die Zeit nach dem Mittagessen. Ernennen Sie diese Zeit gemeinsam mit ihrem Kind zur "Stunde der Stille" oder zur "Flüsterstunde". Malen, puzzeln, ein Bilderbuch anschauen oder eine Märchenkassette anhören - erlaubt ist alles, was in Stille geschieht und entspannt.

Familienrituale

Essen ist nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch ein wichtiges und wertvolles Gemeinschaftserlebnis. Wenn es im Alltag nicht klappt, die gesamte Familie um den Tisch zu versammeln, machen Sie doch eine Mahlzeit am Wochenende zum Familienritual. Schon die gemeinsame Vorbereitung schafft ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Lassen Sie die Kinder "Menüvorschläge" machen, den Tisch decken (auch ein Zweijähriger kann schon seinen Becher tragen) und vielleicht sogar mit Blumen oder Kerzen dekorieren. Das gemeinsame Essen bietet Zeit, um sich auszutauschen: Wie war die vergangene Woche und was liegt in der nächsten Tagen an? Zuhören vermittelt Wertschätzung: Wer den Kochlöffel in der Hand hält, darf ungestört von seinen Erlebnissen, Wünschen, Sorgen und Plänen sprechen.

Abschiedsrituale

Ob Krippe, Kindergarten, Schule oder die erste Nacht beim Freund. Das Leben besteht aus vielen kleinen und großen Abschieden, die Kindern oft erst einmal Angst bereiten. Abschiedsrituale geben Sicherheit, Trost und erleichtern das Loslassen: Nehmen Sie sich Zeit für den Abschied. Erklären Sie Ihrem Kind genau, dass Sie nun gehen, aber auch wiederkommen werden. Umarmungen, Händchenhalten, Luftküsse oder ein Kuscheltier zum Festhalten: Versuchen Sie herauszufinden, was Ihr Kind zum braucht.

Aufräumrituale

Nutzen Sie den Spaß an der Wiederholung auch, um Pflichten in den Alltag zu integrieren. Spielend macht sogar das Aufräumen Spaß. Legen Sie gemeinsam mit ihrem Kind eine Zeit fest, in der Ordnung gemacht wird. Lassen Sie Ihr Kind ein Lied aussuchen, dass Sie jedes Mal beim Aufräumen singen oder abspielen, oder erfinden Sie Ihr eigenes Aufräumlied!

Erfolgsrituale

In vielen Kulturen wird der Beginn einer neuen Lebensphase mit so genannten Wandlungsritualen gefeiert, die uns vielleicht fremd erscheinen, aber von großer Bedeutung für die Entwicklung der Kinder sind. Erfinden sie eigene Rituale, um die großen und kleinen Fortschritte ihres Kindes zu feiern: Die erste Nacht ohne Windel, das erste Mal ohne Schwimmflügel durchs Becken, oder der erste Tag im Kindergarten -schon eine kleine Überraschung reicht, um zu zeigen: Ich habe Deinen Erfolg gesehen! Das gibt Selbstvertrauen und macht stark.

Ein Rezept für Rituale gibt es nicht. Manche verändern sich, andere bleiben ein Leben lang erhalten. Wie wichtig sie aber sind, kennen wir schon aus dem "kleinen Prinzen": "Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wieder gekommen", sagt darin der Fuchs, der gezähmt werden will. "Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, umso glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll. Es muss feste Bräuche geben."

25. November 2008

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