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Von unserem Redaktionsmitglied Anja Görlitz
Wenn es draußen kalt wird, beginnt in Hallenspielplätzen die Hochsaison. Hier macht kein Regen die Rutschen nass, kein Matsch die Schuhe schmutzig, und auch Mama und Papa müssen nicht frierend rumstehen. Kinder fahren auf den überdachten Spaß mit Hüpfburg, Klettergerüst und Co. ab - und Eltern ziehen, wenn es der Geldbeutel erlaubt, nicht ungern mit. Kein Wunder, dass die "Indoorspielplätze" wie Pilze aus dem Boden schießen. Doch dieser Trend begeistert nicht alle.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder e.V." (BAG), die sich für die Vermeidung von Kinderunfällen einsetzt, beobachtet die Hallenspielplätze durchaus kritisch. "Dort passieren einige Unfälle", erklärt Geschäftsführerin Martina Abel. Die BAG hat sich deshalb in einigen Hallen umgesehen und Dinge entdeckt, die nicht sein müssten: herausstehende Kabelbinder, scharfe Kanten oder Laufwege, die zur Stolperstrecke werden. "Oft sind es aber Kleinigkeiten, die relativ leicht zu beheben sind", erklärt Abel. Denn: Insgesamt sei das Sicherheitsbewusstsein bei den meisten Betreibern hoch, "die Mängel liegen eher in der Alltagsroutine. Wenn die großen Kinder auf der Hüpfburg der kleinen herumtollen oder umgekehrt, kommt es schnell zu gefährlichen Situationen." Wer mit den Geräten nicht vertraut ist, kann diese Gefahren schwer einschätzen - das gilt auch für Eltern. "Für solche Fragen müsste genügend geschultes Aufsichtspersonal vor Ort sein", sagt Martina Abel, "aber das ist leider selten der Fall."
Ähnliche Erfahrungen hat die Stiftung Warentest gemacht, die vor zwei Jahren Hallenspielplätze testete (test 10/2006). In elf von 19 Hallen fanden die Tester gefährliche Sicherheitsmängel, sodass das test-Qualitätsurteil nur "mangelhaft" lauten konnte. Nur eine Halle schnitt "gut" ab. Auch "test" kam zu dem Urteil, dass die meisten Mängel zu beheben waren - was die betroffenen Hallenbetreiber immerhin prompt veranlasst hätten.
Doch selbst wenn der Betreiber beim Sichern der Geräte alles richtig gemacht hat, bergen einige davon Risiken, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. "Gerade Trampolinverletzungen haben in den letzten Jahren überdurchschnittlich häufig zu schweren Verletzungen geführt", sagt Professor Lucas Wessel, Direktor der Kinderchirurgie am Klinikum Mannheim. Besonders betroffen seien kleinere Kinder. Sie werden hochgeschleudert, wenn die größeren neben ihnen springen. So kommt es zu Stürzen oder Zusammenstößen mit manchmal schlimmen Folgen: Frakturen von "Ellenbogen, Unterarm, Unterschenkel oder Schädel" zählt Professor Wessel auf.
"Hüpfburgen und Trampoline bereiten auch uns ein bisschen Sorgen", erklärt Franz Danner vom TÜV Süd, der regelmäßig Indoorspielplätze kontrolliert. Hier sei vor allem die Hallenaufsicht gefragt, damit immer nur ein Kind ein Trampolin alleine nutzt oder bei Hüpfburgen nicht auf Seitenwände geklettert wird. Unproblematisch seien dagegen die Klettergerüste. Mehr noch: Der TÜV-Experte sieht in diesen, speziell für die Hallen konstruierten Geräten sogar eine geringere Verletzungsgefahr als bei Außenspielplätzen. "Durch Netze werden Stürze besser verhindert, die Podestflächen sind meist gut gepolstert und die Fallhöhen im Gerät gering." Vorausgesetzt der Betreiber gewährleiste mit regelmäßigen Kontrollen, dass Schäden am Gerät sofort beseitigt werden. "Die meisten Hallen sind gepflegt und gut gewartet", so die Erfahrung des Prüfers. "Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen."
Fazit: Wer die Risiken der Geräte sorgfältig abwägt und selbst ein Auge auf die Sicherheit hat, muss den Kindern den Spaß in der Halle nicht gleich verderben. Als Alternative bei schlechtem Wetter haben sich auch Jacke und Gummistiefel bewährt.
28. Oktober 2008
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