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Schule: Unterstützung durch die Eltern muss auf die Eigenart des jeweiligen Schülers abgestimmt werden

Hilfe bei den Hausaufgaben

Von unserem Mitarbeiter Stephan Brünjes

Mannheim. Jutta Voigt ist mit ihren Nerven am Ende. Gleich beginnt die "Tagesschau", doch ihre drei Kinder sind mit den Hausaufgaben noch lange nicht fertig. Lukas (7), der Jüngste brütet noch immer über seinen Rechenpäckchen. Leonie (11) kapiert die Grammatik nicht, und ihr Bruder Jan (14) hat sich immer noch nicht aufraffen können, um sein Bio-Referat über wirbellose Tiere zu gestalten, das er morgen in der ersten Stunde vortragen soll.

Die Mutter dieses Trios fühlt sich mal wieder wie ein Flummi, der zwischen den Kinderzimmern hin- und herhüpft: den Jüngsten vom Mathe-Holzweg runter und auf den richtigen Lösungsweg führen, dann rüber und der heulenden Leonie den Unterschied zwischen Dativ und Genitiv erklären. Schließlich Jan anherrschen, damit er an seinem PC endlich das Computerspiel aus- und die Suchmaschine einschaltet. Stichwort: "Wirbellose Tiere".

Oft erst abends nach 22 Uhr ist dieser Hausaufgaben-Marathon für Jutta Voigt zu Ende. Kein Einzelfall. Millionen Eltern bringen Nachmittage und Abende damit zu, mit ihrem Nachwuchs für Klassenarbeiten zu pauken, Hausaufgaben-Berge zu bewältigen und formschöne Powerpoint-Referate zu basteln.

Ein Grund: Viele Eltern machen sich als engagierte Hausaufgaben-Helfer zu wenig Gedanken, welches Maß an Unterstützung ihre Kinder wirklich brauchen und was möglicherweise zu viel des Guten ist. Deshalb: genau hinschauen und prüfen, welcher "Hausaufgaben-Typ" ein Kind ist. Jutta Voigt hat Pech - die drei am häufigsten vorkommenden Typen haben sich gleichmäßig auf ihre drei Kinder verteilt: Lukas ist Typ "Trödler", Leonie die "Unkonzentrierte" und Jan der "Last-Minute-Starter". Doch für jeden dieser drei Typen gibt's Rezepte, wie man ihnen am besten bei den Hausaufgaben hilft:

Die Trödler

Mit diesem Hausaufgaben-Typ ist es wie mit einem Auto, dessen Motor man immer wieder anlässt, dann fährt es ein paar Meter und bleibt wieder stehen. Schließlich schiebt man den Wagen entnervt zum Ziel. Doch das Problem ist damit nicht behoben. Gerade Grundschüler wissen noch nicht, wie sie den Berg von Hausaufgaben in verschiedenen Fächern bewältigen sollen. Im Gegenteil: Sie stehen gedanklich vor der Zugspitze und kapitulieren: "Da komm' ich nie hoch!". Deshalb müssen Eltern den Trödlern ihre Hausaufgaben in Etappen einteilen, die für Kinder überschaubar sind. Dazu den Ansporn: "Das schaffst du jetzt allein, und wenn du fertig bist, schaue ich es mir an." Bevor es losgeht noch gemeinsam mit dem Kind eine realistische Zeit vereinbaren, in der die erste Etappe bewältigt werden soll. Damit diese Zeit auch eingehalten wird, am besten einen Wecker stellen. So bringen Sie ein bisschen Zeitmanagement in den Nachmittag des Trödlers. Als besonderen Kick können Sie zu Beginn eine Belohnung für den Spätnachmittag in Aussicht stellen: gemeinsam ein schönes Spiel spielen oder noch ins Kino gehen.

Die Unkonzentrierten

Kinder wie Leonie erledigen - im Gegensatz zu Trödlern wie Lukas - ihre Hausaufgaben zwar eigenständig und schnell, aber selten fehlerfrei und sauber. Stattdessen "hudeln" sie Texte und Rechnungen in ihre Hefte, zumeist mit einer unleserlichen Klaue, schreiben über jeden noch so deutlich gezogenen Rand. Die Folge: Nach rekordverdächtigen 35 Minuten versuchen sie sich an Mama vorbeizuschleichen, zumeist wie Leonie mit der hingeflüsterten Bemerkung: "Alles fertig, ich fahr jetzt zu Lara."

Ein Zeichen, dass Eltern vielleicht probeweise etwas am Tagesrhythmus ändern sollten: Unkonzentrierte Kindern haben schon während der Schulstunden alle Mühe, sich im Unterricht zusammen zu reißen. Also sollten sie sich vielleicht nach Schulschluss erst ein bisschen an der frischen Luft austoben dürfen, um dann hoffentlich konzentrierter bei den Hausaufgaben zu Werke zu gehen. Keine Sorge, viele Kinder erreichen gegen 17 Uhr durchaus noch ein weiteres Konzentrations-Hoch, sagen Experten.

Die Last-Minute-Starter

Das Zeitmanagement, das der kleine Lukas noch lernen muss - Jan hat es bereits drauf. Jedenfalls versucht er diesen Eindruck zu erwecken. Trefflich macht er zuhause "Meldung" über Hausaufgaben, Referate und anstehende Klassenarbeiten. Und verzieht sich sogar zügig in sein Zimmer - angeblich um für die Schule zu arbeiten. In Wirklichkeit versucht er, seine Eltern mit streberhafter Haltung nur zu blenden und widmet sich in seinem Zimmer so gar nicht schulischen Aktivitäten: chatten, Videos gucken, telefonieren.

Das kann mehrere Gründe haben. Selbstüberschätzung etwa: Gut möglich, dass Kinder wie Jan immer wieder dem Irrtum erliegen, sie könnten schulische Aufgaben mit Links und im Nullkommanix erledigen. Weshalb sie natürlich erst in letzter Minuten anfangen. Oder es ist die (auch unter Journalisten und Schriftstellern verbreitete) Angst vorm weißen Blatt Papier. Sie tritt etwa bei Referaten auf: Jan hat einen viel zu hohen Anspruch an das, was er abliefern will und findet daher keinen Dreh, seinen Vortrag zu strukturieren, geschweige denn zu beginnen. Was auch immer bei "Last-Minute-Startern" dahinter steckt: Eltern sollten es ergründen und ihre Kinder zu eigenverantwortlichem, zeitökonomischen Handeln erziehen und sie so aus der Falle der "letzten Minute" herausholen. Ganz wichtig: Nicht zu viel helfen, denn dann kann es sein, dass sich gerade "Last-Minute-Kinder" zurücklehnen in der Gewissheit, dass Mama oder Papa den Karren schon aus dem Dreck ziehen wird.

30. September 2008

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