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Reiss-Engelhorn-Museen: Dauerausstellung „Wilde Völker an Rhein und Neckar“                                      – ein Kapitel Heimatgeschichte

Seele der Kopf-ab-Krieger steigt aus Bösfeld-Erde auf

Archiv-Artikel vom Samstag, den 21.02.2015

Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Räuchle

Es war eine raue Gesellschaft, die Kerle leisteten der fränkischen Herrschaft Waffendienst und fanden meist ein frühes Grab: Vom Leben und Sterben der Merowinger in unserer Region erzählt eine spannende Ausstellung in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen.

Der Krieger hält sein Schwert in starker Hand, holt mit voller Wucht aus, entfesselt rasende Kräfte im Kampf: ein Hieb trifft die linke Schädelhälfte des Feindes, spaltet das Haupt komplett bis zum Stirnbein, dass ein Stück Knochen wegfliegt, das Hirn herausspritzt. Ein zweiter Streich haut das Ohr ab und trennt das Jochbein durch - der Gegner ist nicht nur tot, er ist mausetot.

Es muss fürchterliches Gemetzel gewesen sein, das da im letzten Viertel des siebten Jahrhunderts den Hermsheimer Boden mit Blut tränkte. Ein Showdown von "gewaltbereiten Jugendlichen", die aufeinanderprallten, sich die Köpfe ein- und abschlugen. Beerdigt hat man einige Erschlagene im vollen Waffenkleid auf dem Bösfeld, schön feierlich mit allen Insignien ihres kriegerischen Standes. Jahrhunderte später werden etliche zertrümmerte Kalotten ausgegraben, sie erzählen jetzt in den Reiss-Engelhorn-Museen (rem) Heimatgeschichte, berichten "von der Wildheit der Völker", die der Geschichtsschreiber und Bischof Gregor von Tours fürchtete.

Wilde Völker in D5

Die Dauerausstellung im Museum der Weltkulturen der Reiss-Engelhorn-Museen in D5 ist ab Sonntag, 22. Februar geöffnet. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr (auch an Feiertagen). Der Eintritt kostet für Erwachsene 2,50 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei. Rem-Infobüro: 0621 2933150. Weitere Informationen unter www.rem-mannheim.de

Rüstzeug für die Ewigkeit

Doch nicht nur knochentiefe Gräuel und Grausamkeiten dieser Gesellschaft der frühen Hools kamen 2001 im Osten Mannheims zutage, auch die reiche Kultur dieser mobilen Sippen wurde in 900 Gräbern von archäologischen Spurensuchern der rem und unter Leitung von Dr. Ursula Koch freigelegt.

In der Dauerausstellung werden nun diese frühmittelalterliche Zeiten an den ungezügelt mäandernden Flüssen lebendig. 1200 ausgewählte Objekte werden ins Dämmerlicht gerückt, alle aus heimischer Erde geborgen, zwischen Vogelstang (440 Gräber), Sandhofen (280 Gräber), Straßenheim und Schwetzingen stießen die Grabungsteams vor zu den Schichten des frühen Mittelalters. Damals, als unter Chlodwig die Franken ab 480 ihren Aktionsradius an Rhein und Neckar erweiterten und die teutonischen Menschen bis 780 in dörflichen Siedlungen ihr - meist kurzes und schmerzhaftes - Dasein fristeten. Immer in der Hoffnung, dass etwas Besseres nachfolgen möge. Um für diese jenseitigen Erwartungen gerüstet zu sein, gab man den Toten alles mit, was sie in anderen Sphären brauchten, um Achtung zu schinden.

Gewappnet für Ewigkeiten schickte man den vornehmen Herren im Bösfeld-Grab Nr. 641 auf seine Reise. Ein Prachtexemplar von Schwert aus fünf Damastbahnen sauber tauschiert fand sich in seinem, die Spatha präsentiert sich nun als eines der Prunkstücke der Sammlung: Excalibur nach Hermsheimer Art. Die Waffe hat einen wunderbaren Knauf aus Vogelornamenten. Wohl aus dem fernen Gotland kam die feinste Schmiedearbeit in die Hand des stolzen Reiters, der auch mit einer silbertauschierten Gürtelschnalle prachtvoll glänzte, ein Statussymbol, das wahrscheinlich in einer heimischen fränkischen Werkstatt gefertigt wurde.

Zeit der Zahnlosigkeit

Ohne sein Pferd wäre die Reiter-Seele wohl nie am Ziel angekommen, also wurde ihr das Ross in einer eigenen Grube zur Seite gelegt, schön einsatzbereit mit feinem Zaumzeug in Kreuzform, höchstwahrscheinlich eine Zier aus dem langobardischen Italien. Großer Putz aus aller Herren Länder: ob auf Kriegszügen erbeutet, als Belohnung empfangen oder durch Kauf in Besitz genommen - nun, das verraten die Gräber nicht, die doch so vieles preisgeben von der Plackerei der Siedlungsgemeinschaften in jenen fernen Tagen, als das Schwert regierte und man in jeder Stunde mit dem Finale rechnen musste: Die Lebenserwartung lag bei gerade mal 25 bis 30 Jahren, die Kindersterblichkeit bei 20 bis 30 Prozent. Wer nicht im Kindbett oder im Kampf sein Leben aushauchte, der wurde von Ruhr, Pest oder Lepra im Seuchengalopp hinweggerafft.

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