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Leserbrief: Zu „Landwirtschaft auch mit schuld am Vogelsterben“ (FN, 23. Januar)

„Mehr Sachlichkeit in der Diskussion um Landwirtschaft und Vögel“

Archiv-Artikel vom Donnerstag, den 09.02.2017

Von Dennis Silberzahn

Sehr geehrter Herr Michelbach, Ihre Antwort auf meinen Leserbrief vom 7. Januar muss ich leider berichtigen.

In ihrer Funktion als Lehrer und dadurch als Vorbildperson erwarte ich mehr Sachlichkeit in diesem Thema und keine Beteiligung an "Bauerndrescherei", wie von vielen Naturschutzorganisationen zurzeit zu beobachten ist.

Laut Aussagen des Bundesamts für Naturschutz ist zwar ein negativer Trend der Artenvielfalt des Wildtierbestands zu erkennen. Deshalb aber zu behaupten, dass die Landwirtschaft die bedeutsamste Gefährdungsursache darstellt, ist unseriös und beleidigend. Davon ist in der von Ihnen erwähnten Broschüre keine Wertung diesbezüglich erkennbar. Darin sind lediglich Entwicklungen mit Bezug auf eventuelle Ursachen dargestellt, die von der Landbewirtschaftung möglicherweise ausgehen könnten. Ein gesamt gewichteter Vergleich möglicher Gründe eines zurückgehenden Vogelbestands erfolgt darin nicht.

Flächenfraß und der damit verlorene Lebensraum, Vogelkrankheiten sowie wetterbedingte Brutausfälle wie letztes Jahr, oder auch der Einfluss des Klimawandels werden bei solchen Untersuchungen unzureichend berücksichtigt. Vielmehr ist es doch in letzter Zeit erkennbar, dass es einfacher erscheint den "Schwarzen Peter" den ehrlich und hart arbeitenden Landwirten unterzuschieben. Sie meinen, dass es keine Rebhühner und Wachteln mehr an Heckenstreifen gibt!? Um Sie vom Gegenteil zu überzeugen lade ich Sie gerne zu einer schönen Wanderung um Laudenbach ein. Entlang der Weinberge, Steinriegel und Hecken sind reichlich Rebhühner und Wachteln zu beobachten. Dünger, ob organisch oder mineralisch, enthalten Nährstoffe wie zum Beispiel Stickstoff, Phosphor und Kalium, welche eine Pflanze zur Ernährung braucht.

Keine Pflanze kann von "Luft und Liebe" wachsen und schon gar nicht Ertrag für die Ernährung von uns Menschen bringen. Pestizide sind Pflanzenschutzmittel, welche dem Schutz der Pflanze und der Lebensmittel dienen. Sachgerechter Einsatz dient gesunden Lebensmitteln in Verträglichkeit mit Natur und Umwelt.

Aber in einem haben Sie doch Recht, Herr Michelbach: Jeder einzelne Landwirt handelt in Verantwortung. In Verantwortung für seine Familie, für seine Flächen und Tiere, seine Umwelt, in der er und alle leben. Diese Verantwortung übt jeder Landwirt mit Sorgfalt aus, alles andere würde vor allem ihm selbst schaden, seinem eigenen Betrieb und seiner Lebensgrundlage. Sie stellen die Frage was uns gesunde Lebensmittel nützen, wenn deren Erzeugung Mensch und Natur krank macht. Wäre dies der Fall, wäre dann die Lebenserwartung in den letzten zehn Jahren um fast zwei Jahre auf jetzt 78 Jahre bei Männern und 83 Jahre bei Frauen gestiegen?

Wollen wir Lebensmittel aus anderen Ländern, deren Gesetze und Vorgaben wir nicht beeinflussen können?

Ein gutes Beispiel hierzu ist in der Geschichte die Textilindustrie. Wollen wir die Lebensmittelerzeugung ebenfalls in andere Länder fernab unserer Heimat verlagern? Da hat sicher niemand Interesse daran.

In diesem Sinne wünsche ich mir mehr Miteinander und Vertrauen in die heimische Landwirtschaft. Das wäre doch ein gutes Vorankommen im gesellschaftlichen Miteinander.

© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 09.02.2017
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