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„Adelsheim leuchtet“: Lichter im „Zentrum der Welt“ / Nächtliche Inszenierung im historischen Schlosspark

Wenn Beamer Träume erzählen

Archiv-Artikel vom Montag, den 29.06.2015

Von Tim Krieger

Hochhäuser auf den Fassaden rund um den Schlosspark geben der Ausstellung den Rahmen.

© Tim Krieger

Die Arbeiten im Schlosspark, darunter Juan Castillos Installation "Te devuelvo tu imagen" (links), und Stefan Roloffs "Elsie Supreme" zeigen die ganze Bandbreite der Videokunst.

Es leuchtet wieder - Adelsheim. Für ein paar Wochen wird die kleine Stadt am Rande des Odenwalds in den Sommernächten durch Licht verzaubert.

Zum inzwischen 19. Mal und im zehnten Jahr "leuchtet" Adelsheim. 2005 startete das Videokunstprojekt und entwickelte sich mit großer Beständigkeit zu einer der interessantesten Kunstinitiativen weit und breit. Im Mittelpunkt: Das Adelsheimer Schloss mit seinem Park, einem Schmuckstück, einer speziellen Mixtur aus Verträumtheit und liebevoller Gepflegtheit.

Dieses Areal ist das Herzstück der Ausstellung, darum herum sind historische Bauwerke durch Fassadenprojektionen in das Konzept einer leuchtenden Stadt einbezogen.

Sprudelnder Spieltrieb

Und dahinter steckt mit Louis von Adelsheim ein Künstler, auf den zutrifft, was von erfolgreichen und innovativen Kunstschaffenden oft gesagt wird. Sie brauchen - unter anderem - zwei Eigenschaften: eine positive Monomanie, also die Fähigkeit, gegen zahlreiche äußere (und sicher innere) Widerstände eine Idee beharrlich verfolgen zu können. Und andererseits einen sprudelnden Spieltrieb, der die Freude schenkt, dieser Idee eine sich lebendig entwickelnde Form zu geben.

Das Ergebnis dieser Mischung lässt sich in Adelsheim erfahren, in diesem Jahr unter der vielversprechenden Überschrift "Im Zentrum der Welt". Und dabei gelingt ein Spagat, der zunächst gewagt erscheint: Da findet sich der Besucher in einem Bogen zwischen visuellen Erfahrungen, die ihn ganz zu sich selbst führen, über spielerische Inseln, die ihn und die Menschen um ihn herum lachen und fröhlich werden lassen, hin zu tief in existenzielle Themen eintauchenden Installationen, die in einer elementaren Sprache den Menschen direkt anrühren - im Sinne des Ausstellungstitels "Im Zentrum der Welt". Denn sicher ist jeder einzelne Rezipient ein "Zentrum der Welt", auch wenn uns in Adelsheim in einem (selbst)ironischen "wissenschaftlichen Beweis" plausibel gemacht soll, dass dieses Zentrum in Adelsheim liegt.

Warum funktioniert diese kreative Spannbreite zwischen ernster, ja ergreifender Poesie über reine Kunst hinweg zu fast komödiantischer Darbietung? Vermutlich ist es zum einen die ungewöhnliche Umgebung, die Einbettung in eine harmonische Naturszenerie, aber auch die Tatsache, dass diese Ausstellung dann öffnet, wenn andere schließen - in der Nacht. Von 22 bis 1 Uhr darf man sich diese Schau "erwandern", denn man legt recht weite Wege durch den Park (und durch die Stadt) zurück, dabei stets von Dunkelheit umgeben. Diese Inszenierung sorgt dafür, dass sich der Besucher auf ganz besondere Weise auf sich selbst zurück geworfen erfährt, in eine ganz spezielle Sphäre gerät zwischen subtilem Traum, Naturerfahrung, intellektueller Herausforderung und audiovisueller "Empfangsbereitschaft".

Magisch-ursprüngliche Kunst

Hier ist etwas ganz anders und das trägt maßgeblich zum Ausnahmestatus des Projekts bei: Der Besucher ist viel aktiver als beim üblichen Medienkonsum. Hier erlaufen wir uns die Erfahrung, treten in Kontakt mit anderen Besuchern und bleiben doch in einer eigenen Welt, in Begegnung mit dieser einerseits hochtechnischen, andererseits magisch-ursprünglich wirkenden Kunst.

Louis von Adelsheim teilt in diesem Jahr "seine" Adelsheimer Nächte mit fünf weiteren Künstlern, die mit Installationen, Kurzfilmen und einer Skulptur präsent sind.

Die Spannbreite ihrer Arbeiten ist enorm weit. Da begegnet einem die satirisch auftretende überlebensgroße Skulptur des Dollars wie Heu fressenden Stiers "Manolito" des Chilenen Christian Olivares.

Von subtiler Poesie hingegen die Video-Installation "Te devuelvo tu imagen" ("Ich gebe Dir Dein Bild zurück"), die mit der Wechselwirkung zweier nebeneinander ablaufender Bilder arbeitet. Till Nowaks Arbeit "Delivery" erzählt eine perfekt inszenierte bildstarke Geschichte von einem Mann, der eine graue Welt dadurch rettet, dass er riesige Blumen pflanzt.

Von Stefan Roloff leuchten im Dunkeln fünf "Moving Paintings", Scheiben mit wechselnden Bildern menschlicher und tierischer Antlitze, von denen die Betrachter sich nach einer Weile fragen, ob diese nicht aus deren Inneren heraus selbst erzeugt werden.

In "Timelapses" erkundet Emanuel Finckenstein Adelsheim in Zeitraffermanier. Und der Ausstellungsmacher selbst, Louis von Adelsheim, ist mit unterschiedlichen Arbeiten vertreten, ganz großen wie der Projektion "Schaltzentrale" auf die Mauern des alten Adelsheimer Schlosses oder auch ganz kleinen wie der Projektion eines vor sich hinbratenden Spiegeleis. Viele weitere Werke sind zu entdecken.

Das Ganze - Vorbereitung, Verkabelung, Beameraufbau - ist ein Kraftakt, der von einem Team und dem Verein "Adelsheim leuchtet" gestemmt wird. Aber bei aller Technik: "Adelsheim leuchtet" ist ein begehbarer Traum geworden, ein Erlebnis zwischen Außen- und Innenbildern.

Gleichzeitig wird ein Besuch dieses Licht-Parks als Aufmunterung erfahren, sich Bildern zu stellen, ihren Wirkungen nachzuspüren und gleichzeitig dem Spielerischen Raum zu geben.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 29.06.2015
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