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Mainfranken Theater Würzburg: Julia Zehs Stück „Der Kaktus“ unterhält und bietet gleichzeitig jede Menge Nachdenkliches

Vergnüglich und beklemmend aktuell

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 14.02.2017

Von unserem Mitarbeiter Felix Röttger

Tiefsinnig und unterhaltsam: GSG 9-Elitepolizist Jochen Dürrmann (Mainolf Steiner) und dem Polizeianwärter Cem (rechts, Martin Liema) gelingt die Festname eines mutmaßlichen Terroristen.

© Gabriela Knoch

Äußerst stressig - doch für die Zuschauer umso vergnüglicher - gestaltet sich in Julia Zehs Satire "Der Kaktus", die jetzt Andreas Bauer in den Kammerspielen des Würzburger Mainfranken Theaters inszenierte, das Verhör eines unter Terrorismus-Verdacht stehenden Mannes. Dabei signalisieren doch die von einem stacheligen Kaktus in die Höhe gereckten Arme: "Ich ergebe mich!"

Martin Liema verkörpert gekonnt mit einem prollig-platten türkischen Akzent den Polizeianwärter Cem, der unverhohlen den GSG 9-Polizeiobermeister Jochen Dürrmann im schwarzen Kampfanzug bewundert und sich für Waffen interessiert. Gemeinsam mit dem von Meinolf Steiner mit Verve gespielten Elitekämpfer Jochen Dürrmann hat Cem den verdächtigen Kandelaberkaktus Carnegiea gigantea vor einem Blumenladen überwältigt und in einen Dienstraum am Flughafen Frankfurt geschleppt, den sich der Volksschulabsolvent mit der Kollegin Susi teilt.

Suspendierung von Grundrechten

Witzig ist der Regieeinfall, auf einem Bildschirm noch einen "Road-Runner"-Zeichentrickfilm mit einer Verfolgungsjagd in der Kakteenwüste laufen zu lassen. Die Abiturientin Susi im zweiten Ausbildungsjahr verkörpert Hannah Walther als naiv-idealistische Abiturientin; als Mitglied bei Amnesty International und diversen Tier- und Klimaschutz-Organisationen wähnt sie sich Cem gegenüber intellektuell überlegen und zudem gesellschaftspolitisch auf der richtigen Seite.

Klaustrophobisch wirkt der von Anna-Leena Rieger mit Sitzcouch und einem mannshohen Star Wars-Krieger aus Pappe ausgestattete Raum, in dem sich die Polizeiaspiranten mit dem seinen großen Auftritt witternden, übermotivierten GSG 9-Mann voller Hektik verbarrikadieren. Zutritt bekommt nur die Polizeioberrätin Dr. Schmidt, die Terrorspezialistin vom BKA.

Nach der Beschreibung des Verdächtigen - "groß und kräftig, stark behaart und ungesunde Gesichtsfarbe" - kann es sich nur um den international gesuchten Terrorverdächtigen Abu Mehsud mit dem Decknamen Frank Miller handeln. So groß die Genugtuung über die Festnahme des mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen ist, noch größer ist die Verwirrung über das weitere Vorgehen, denn Handeln tut not. Maria Brendel gibt eine brillant argumentierende, tatendurstige Dr. Schmidt, die als ranghöchste "Chefin im Ring" keine Skrupel kennt, angesichts eines angeblich unmittelbar bevorstehenden Bombenanschlags am Flughafen Gewaltanwendung zu befürworten. Die darüber zunächst empörte Susi belehrt sie kurz und bündig: "Grundrechte, ja schön und gut zu Friedenszeiten. Aber es ist Krieg, da werden bestimmte Grundrechte suspendiert; vor allem von Kombattanten, die sich immerhin freiwillig entscheiden, uns zu bekämpfen".

Der GSG 9-Kämpfer schnappt sich einen Feuerlöscher, und mit einem gezielten Schlag verstümmelt er den plötzlich einarmigen Kaktus. Doch der schweigt sich weiterhin hartnäckig über das gesuchte Bombenversteck aus; deshalb wird zur Elektrofolter übergegangen, die dann zu einer überraschenden Wendung führt.

Befremdlich

Wirkt es zunächst reichlich befremdlich, wenn ein Kaktuskübel als Verdächtiger auf die Bühne geschleppt wird, offenbaren die nach wie vor höchst aktuellen Dialoge des bereits 2009 uraufgeführten Stücks den pfiffigen Hintersinn der Bestseller-Autorin. Ein Kaktus ist dornig, und seine Stacheln laden nicht dazu ein, mit dieser Pflanze auf Tuchfühlung zu gehen. Andererseits ist die Pflanze so genügsam, dass die auf sie gerichtete Pistole des GSG 9-Mannes mehr als lächerlich wirkt.

Angst ist ein schlechter Ratgeber, und so wird der Umgang mit dieser Pflanze zum Sinnbild für eine veränderte Einstellung zu den rechtsstaatlichen Grundsätzen einer Demokratie. Die Vertreter des Sicherheitsapparats reagieren hysterisch und sind im Überwachungswahn panisch bereit, die Freiheitsrechte der Bürger übermäßig zu beschneiden.

Diese Thematik bringt die Autorin eher schwarz-weiß gezeichnet auf die Bühne. Aber es sind Vereinfachungen, die dem Vergnügen an einer ansonsten feinsinnigen Satire keinen Abbruch tun.

Daran haben alle Protagonisten auf der Bühne ihren Anteil. Maria Brendel hat eine ausgesprochene Ader für satirische Überzeichnungen; gnadenlos überzeugend insbesondere die Szene, in der die BKA-Expertin die unbedarfte Susi dazu bringt, ihre hehren Grundsätze kurzerhand über Bord zu werfen, um den schweigsamen Gefangenen zum Reden zu bringen. Meinolf Steiner zerlegt nach Strich und Faden den komplexbeladenen Elitesoldat Jochen Dürrmann, der aufgrund unbewältigter Aggressionen seine Emotionen nie in den Griff bekommt.

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 14.02.2017
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