Das Philharmonische Orchester Würzburg veranstaltete in der Hochschule für Musik ein rundum vitales 4. Sinfoniekonzert, das mit seinen extrem unterschiedlichen Werken unter dem Motto "Concertare" hohe Ansprüche stellte - und erfüllte.
Gleich zu Beginn überraschte die ungemein frische und akkurate Wiedergabe des 5. Brandenburgischen Konzertes von Johann Sebastian Bach, in dem das konzertierende Cembalo, glänzend ausgeführt von Léon Berben, der Flötist Stefan Albers und Franz Peter Fischer an der Violine im Verein mit dem subtil begleitenden und minimal besetzten Orchester ein prächtiges Musizieren ermöglicht hatten. Nicolo Paganinis Konzert für Violine und Orchester h-Moll op. 7 hatte mit Denis Goldfeld einen souveränen Solisten, dem die enormen technischen Kniffligkeiten dieses Konzertes hörbar keine Schwierigkeiten bereiteten. Hier stellt sich freilich der "Teufelsgeiger" Paganini ausufernd selbst dar. Bellini-oder Donizetti-Arien klingen an. Unterhaltungsmusik primär. Der Solist Goldfeld faszinierte durch seine fulminante Spieltechnik, aber auch durch seine sensibel gestalteten Tonbildungen in den langsameren Passagen dieses Konzertes. Trotzdem bleibt ein fahler Nachgeschmack, da es sich mehr um aufgeblähte Virtuosenstückchen handelt als um innermusikalische Eigenwerte. Bela Bartoks Konzert für Orchester beschloss den Abend. Und wer mit diesem Werk einen aggressiven Neutöner vermutet hatte, der irrte erheblich. Expressive und bisweilen sogar impressionistisch zarte Zusammenklänge sind Ausbrüche intimer und leidenschaftlich-seelischer Erregung. Impulsive Klangballungen gehören nun mal zum Erlebnis groß empfundener Musik.
Enrico Calesso leitete das Orchester bei Paganini und Bartok. Er setzte sich genau mit den jeweiligen Partituren auseinander und motivierte seine Philharmoniker zu großartiger Leistung. Die Sarkasmen des "Intermezzo interrotto" kamen scharf geschnitten, der Parforceritt des letzten Satzes virtuos und treffsicher. Was angenehm ins Ohr ging, war kein zu lautes Getöse, keine tumultartige Raserei. Die Spannung beim Hören ging nie verloren. kl