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„Lehrjahre“: Felix Huby entführt Zuhörer bei seiner Lesung in der Kurstadt in die 60er Jahre

Präzise Ausleuchtung eines einst normalen Kleinstadtgefüges

Von unserer Mitarbeiterin Inge Braune

Felix Huby nahm die Zuhörer bei seiner Lesung in Bad Mergentheim mit auf eine Zeitreise in die schwäbische Provinz in den 60er Jahren.

© Inge Braune

Er ist ein Schwabe, lebt in Berlin, ist einer breiten Leserschaft und einem wohl noch breiteren TV-Publikum bestens vertraut: Felix Huby, Jahrgang 1938, ist - unter anderem -Schöpfer von "Schimanski", "Bienzle", "Palu" und "Castorff"; ganze Serien - unter anderem "Oh Gott, Herr Pfarrer", "Ein Bayer auf Rügen, "Abenteuer Airport" - hat er gestaltet; als Journalist arbeitete er für Spiegel und Pardon, als Chefredakteur war er für die Warentestmagazine "DM" und "X-Magazin" verantwortlich. Auch fürs Theater - unter anderem das "Theater des Westens" in Berlin - hat er geschrieben, für den WDR Hörspiele verfasst, dazu Kinder- und Jugendbücher und zahlreiche Romane - nicht nur Krimis, sondern mit "Heimatjahre" und "Lehrjahre" auch autobiografische Romane.

Aus Dettenahsen bei Tübingen stammt der Tausendsassa. Da kam er als Eberhard Hungerbühler - eigentlich ein Name, der nach literarischer Gestaltung regelrecht schreit -auf die Welt. Die Gymnasiallaufbahn brach er vorm Abi ab. Seine journalistische Karriere begann er als Volontär der Schwäbischen Donau-Zeitung in Ulm.

Ein bisschen autobiografisch

Vieles stimme, manches sei literarisch-fiktional ausgestaltet, so Huby über den jüngsten, im vergangenen Spätsommer erschienenen autobiografischen Roman "Lehrjahre". Datums- und bildgenau dokumentiert er die Ankunft des jungen Lokalredakteurs Christian Ebinger in Blaubeuren. Schon nach wenigen Sätzen hat er die Zuhörer hineingeholt in die Kleinstadt, die Redaktionsstube, die leere Dienstwohnung, die Blautopf-Umgebung. Gekonnt zeichnet er mit Worten Personen, die Ebingers Umfeld werden sollen: Man sieht ihn vor sich, diesen Vorgänger des Jungredakteurs, der gar nicht schnell genug verschwinden kann aus der Kleinstadt; man sieht ihn vor sich, diesen Bürgermeister, der gewohnt ist, dem Journalisten den Bericht schlicht zu diktieren; und man lernt mit großer Freude Rudi Dendler, den mit Pablo Picasso befreundeten Goldschmied und den ins Hauptarchiv gemobbten Herrn Raible kennen, dazu den Verleger, einige Ulmer Freunde.

Gab es die so? Den Goldschmied etwa? Ja, genau so; auch die Geschichte, die erste, die Ebinger ins Blatt einrückt, die erste, die auch Huby in Blaubeuren recherchierte, entwickelte sich so; und im echten Leben wurde eine lebenslange Freundschaft daraus. Im Roman wird sie nur kurz, nur über die zwei Lehrjahre eben, verfolgt.

Huby ist ein Mann des Bildes: es gelingt ihm perfekt, die dumpfe Atmosphäre der 60er spürbar, sie bereits in der knapp einstündigen Lesung so greifbar zu machen, dass man fast glauben könnte, man sei mit ihm gemeinsam durch die Straßen, Amtszimmer, den Stadt- und Kirchenraum gegangen - und das mit weit geöffneten Augen und höchst aufmerksamem Blick.

Vielleicht noch die 70er

Rainer Moritz brachte auf den Punkt, was ein Großteil des Publikums fühlte: So intensiv habe Huby hineingeführt in die 60er Jahre, dass man zu gern gemeinsam mit ihm auch eine Blick in die jüngere Vergangenheit werfen würde. "Kommt da noch was?"

Auch der Verleger habe bereits Interesse angemeldet, so Huby - und ganz fern liege ihm der Gedanke nicht, sich den 70er Jahren zu widmen: immerhin hat er in dieser Zeit im Auftrag des "Spiegel" über Baader-Meinhof und den Filbinger-Prozess berichtet, spannende Zeiten erlebt, die ebenfalls tiefe Einblicke gewähren in die Entwicklung der Befindlichkeit der Republik. Aber: er fahre "auf Sicht", so wie es Ebingers Vorgänger in Blaubeuren ankündigte. Mit immerhin 78 Lebensjahren und bereits laufenden literarischen Projekten - unter anderem über die Brüder von Justinus Kerner - mag er sich nicht festlegen lassen.

Das ist nachvollziehbar. Und entsprechend wünschen die Leser Felix Huby noch möglichst viel und möglichst lange anhaltende Schaffenskraft.

Die scheint es zu geben - und zumindest auf weitere Kriminalromane darf sich die Leserschaft freuen: "So'n Krimi schreibt sich zwischendurch von selbst," so Huby.

Er ist nicht nur ein "ungemein fleißiger Autor", wie Rainer Moritz im Rahmen der Kurzvorstellung charakterisierte, sondern kennt auch das Wort Schreibblockade nur vom Hörensagen - wohl auch eine Folge der harten "Lehrjahre" in Blaubeuren.

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 18.03.2017
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