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Mozart, Sibelius und Grieg: „Amsterdam Sinfonietta“

Mitreißende Frauenpower

Archiv-Artikel vom Samstag, den 06.06.2015

Das überwiegend mit jungen Musikerinnen besetzte Streicherensemble "Amsterdam Sinfonietta" führte beim Konzert im Kaisersaal eine mitreißende Frauenpower vor. Mit enthusiastischem Ehrgeiz fügte sich dieses stattliche Orchester in die ausgewählten Kompositionen ein, die sich ihrer eigenen Sprache bedienen und wie bei Sibelius und Grieg das Kolorit ihrer skandinavischen Heimat Finnland und Norwegen nicht verhehlen.

Vom Temperament der Spieler konnte man in der eingangs wiedergegebenen "Szene mit Kranichen" aus "Kuolema" op.44/2 von Jean Sibelius noch nichts ahnen. In die feinen der Natur abgelauschten Töne mischt sich subtiler Streicherklang. Ungewöhnlich robust und selbstbewusst erklang Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Fuge für Streicher c-Moll KV 546. Da vernahm man dessen Bach-Erfahrung, vertraut mit der Stilkenntnis barocker Musizierweise. Deftig und nicht zimperlich bevorzugten die Streicher einen unerhört satten Klang.

Heftiges Wiegen und Wogen durchzog das gesamte Stück, was zuvor dem Klavierkonzert A-Dur KV 488 von Mozart nur bedingt zugute kam. Der junge russische Pianist Rafal Blechacz saß am Flügel mitten im Orchester, den Rücken der Fensterfront zugewandt, was dem Steinway, hier ohne Schalldeckel, nicht zu seinem ansonsten schön klingenden Vorteil verhalf. Das muntere Perlen der Lauffiguren war stets präsent und technisch makellos ausgeführt. Ein sensibler ausgeleuchteter Feinschliff ging im agil vorwärts treibenden Orchester bisweilen unter.

Blechacz formulierte seinen Solopart souverän, wobei sich ein differenzierterer Anschlag wohltuend von der stürmisch zuschlagenden Partnerschaft des Orchesters abgehoben hätte. Der Pianist bot eine schnörkellose, unbestechlich exakte Interpretation. Das Ergebnis erschien uneitel und pianistisch untadelig. Eine gewisse humane Anmut und Tiefe, eine dynamisch differenziertere Skala von Empfindungen erlebte man nicht nachhaltig genug abgebildet. Immerhin: Der dramatische Druck und eine gewisse Vehemenz im konzertanten Wettstreit hielt diese Aufführung in Spannung, zu der die Candida Thompson als Violinistin und Leiterin dieser munteren Spielgemeinschaft wesentliche Impulse beigetragen hatte.

Mit Edvard Griegs Streichquartett, in der Fassung für Streichorchester, führte der Abend zu einem fulminanten Konzerterlebnis. Mit überraschenden Kontrasten, mit berauschend aufklingenden Eruptionen neben sanft schwingenden Melodien, mit starkem Stimmungswechsel und hochemotionalen Zugriffen meisterte die Amsterdam Sinfonietta ein herausragendes Faszinosum. Klaus Linsenmeyer

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 06.06.2015
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