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Die Murau Identität: Was wäre, wenn Österreichs meistgelesener und meistgehasster Autor unter neuem Namen weiterleben würde

Mit Schimmelbusch auf der Jagd nach Thomas Bernhard

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 28.01.2014

Was wäre, wenn Thomas Bernhard, Österreichs meistgelesener und von den Österreichern und insbesondere den Salzburgern meistgehasster Autor nicht am 12. Februar 1989 an Herzversagen gestorben wäre, sondern seinen Tod nur inszeniert hätte. Wenn er sich mit Wissen und Billigung seines Verlegers nach New York in eine Klinik zurückgezogen, auf Mallorca eine wunderschöne Aristokratin geheiratet und mit ihr einen Sohn bekommen hätte, dort unter dem Alias-Namen Franz-Josef Murau lebte, wenn er an einem neuen, dem ultimativen Erinnerungsbuch schriebe?

Ein verkrachter Kultur-Journalist namens Schimmelbusch (!) mit zu teurem Lebensstil und zu liederlichem Lebenswandel bekommt die Reiseberichte von Bernhards Verleger zugespielt - und ist elektrisiert. Eine Begegnung mit Bernhard alias Murau, und viele Probleme in einem zunehmend problembeladenen Leben wären gelöst.

Schimmelbusch - jetzt sollte man schon sagen, dass so auch der Autor des Romans "Die Murau Identität" , von dem hier die Rede ist, Schimmelbusch heißt und als Journalist für verschiedene hochkarätige Blätter arbeitet - Schimmelbusch also nimmt Witterung auf. Bei seinem Trip durch die halbe zivilisierte Welt gibt nicht nur sein Konto den Geist auf, er stellt auch fest, dass er nicht der einzige Schreiber auf den Spuren des Unvergleichlichen ist.

Zum Glück ist der Konkurrent um das Interview mit Bernhard eine Frau und da kann Schimmelbusch seine Talente ausspielen, die nur bei seiner eigenen Frau nicht mehr fruchten - aber das ist nur eine, wenn auch glänzend erzählte und von großer Erfahrung geprägte Nebengeschichte.

Neben der Konkurrentin trifft Alex Schimmelbusch auf jede Menge Teilnehmer am Kulturzirkus und erkennt, dass nicht der Autor oder der Verleger die literarische Welt beherrscht, sondern der Literaturagent (Andrew Wylie). Er bekommt sein Interview - und kommt doch zu spät.

Und der Leser bekommt einen witzigen, rasanten und kenntnisreich geschriebenen Roman - nein, nicht den neuen Bernhard, sondern den Schimmelbusch über Bernhard. Absolut lesenswert. str

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 28.01.2014
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