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Mainfranken Theater Würzburg: Die große Choroper „Idomeneo“ feierte im Großen Haus Premiere

Kampfjets über einem farbenfrohen Mozart

Archiv-Artikel vom Freitag, den 01.07.2016

Von unserem Mitarbeiter Felix Röttger

Stimmgewaltige Sänger in Mozarts Oper "Idomeneo": Karen Leiber als Elettra, Clay Hilley als Idomeneo und Barbara Schöller als Idamante.

© Falk von Traubenberg

Die Zeichen stehen am Würzburger Mainfranken Theater auf Abschied. Als letzte von 17 Produktionen im Schauspiel und Musiktheater seit 2005 setzte Schauspieldirektor Stephan Suschke, der zur kommenden Saison Intendant Hermann Schneider ans Landestheater Linz folgt, im Rahmen des Mozartfestes Würzburg die große Choroper "Idomeneo" in Szene.

Großes Haus voll besetzt

Wer bei der Premiere im nicht ganz vollbesetzten Großen Haus ungeachtet der veralteten Bühnenmaschinerie auf großen "Bühnenzauber" mit Sturm, Blitz und Donner nebst erscheinenden Göttern und einem Seeungeheuer gesetzt hatte, wurde stattdessen gleich zum Auftakt der "Tragédie lyrique" mit einer perfekten Videosequenz überrascht. Ein Kampfjet oder eine Drohne nimmt mit einer Nachtsichtkamera Menschen ins Visier, die sich stolpernd oder auf allen Vieren kriechend vergeblich vor den tödlichen Einschlägen in Sicherheit zu bringen suchen.

Auch die folgenden stürmischen Wellenbilder in Schwarz-Weiß lassen eine unkonventionell-moderne Interpretation des antiken Stoffes erwarten. Würzburg holt die vielschichtige, aber seltener gespielte Oper aus dem Schatten der bekannteren Werke Mozarts heraus.

Die Bühne beherrscht ein großer, mit zahlreichen Stühlen ausgestatteter, tempelähnlicher Vorraum mit ständig präsenter Opferstelle und einer gemaserten Holzverkleidung, die den Blick rasch auf die inneren Konflikte der Protagonisten lenkt. Im Vordergrund der Inszenierung steht die psychologische Ausleuchtung der Figuren und ihres inneren Zwiespalts im privaten und öffentlichen Raum. Diesen Konflikt visualisiert das sparsame Bühnenbild von Momme Röhrbein mit geordnet stehenden oder durcheinander liegenden schwarzen Stühlen. Idomeneo ist als König oberster Kriegsherr und Vater, Idamante ist Sohn, Thronfolger und Geliebter von Ilia als Tochter des Feindes, die wiederum als gefangene Tochter des trojanischen Königs Idamante liebt; Elettra fühlt sich als griechische Königstochter zur passenden Frau von Idamante berufen, ist emotional jedoch gleichzeitig die ärgste Rivalin von Ilia.

Auch Arbace ist als offizieller Berater des Königshauses tätig und gleichzeitig ist er privater Freund von Idomeneo und seiner Familie. So sind es mehr die inneren Konflikte, die ohne raumgreifende Bewegungen oder "auf Tuchfühlung" gehende Protagonisten herausgearbeitet werden. Personenübergreifend geht es um den Aufstand der Lichtgestalten Idamante und Ilia gegen das von Idomeneo und Arbace verkörperte überholte Weltbild eines von den Göttern vorherbestimmten Schicksals.

Der streitbare Kriegsherr Idomeneo lenkt mit Streitakt und blutigem Mantel das Geschehen, sieht sich aber wegen seines Gelübdes am Ende seiner Macht, die er sich nur mit der Tötung seines eigenen Sohnes erhalten kann. Dieser demonstriert ihm erst recht seine Schwäche, indem er es ist, der das Volk von der tobenden und mordenden Seebestie befreit und sich aus Liebe zum Vater unter dessen Fallbeil legt.

Im letzten Moment schreitet Ilia ein, um sich statt des Geliebten zu opfern. Clay Hilley bringt als Idomeneo eine geschmeidige und ausdauernde Tenorstimme ein, die vor allem mit einer sorgfältigen Phrasierung zu punkten vermag. Begeistern kann auch Barbara Schöller in der Hosenrolle des Idamente mit ihrem dynamisch subtil dosierten Mezzosopran, der bestens mit dem strahlenden Sopran von Silke Evers harmoniert, deren vokale Geschmeidigkeit für prickelnden Hörgenuss sorgt.

Nachhaltiger Eindruck

Musikalisch und szenisch hinterlässt die Nebenrolle der Elletra, die Karen Leiber mit emotionaler Wucht herausragend singt und darstellerisch gestaltet, einen nachhaltigen Eindruck. Verstärkt wird dieser durch drei Erinnyen; Rachedämonen, die Suschke ihr als ständige Begleiter zur Seite stellt. Joshua Whitener reiht sich sängerisch nahtlos als humpelnder Arbace in das exzellente Sänger-Ensemble ein und übernimmt gleichzeitig im dritten Akt die Rolle des Oberpriesters, eigentlich Arbaces Gegenspieler, der aus Mitleid mit dem Volk, das vom Seeungeheuer weiter dezimiert wird, Idomeneo harsch aus seinem lethargischen Selbstmitleid reißt. Das Bühnenbild mit den Holzverkleidungen unterstützt akustisch alle Sänger enorm, auch den von Michael Clark einstudierten Chor hat man selten brillanter gehört.

Auf Tanznummern verzichtete die Inszenierung; schade wegen der vielen dafür komponierten Stücke und der exzellenten Würzburger Ballettcompagnie, die den stark dominierenden Charakter eines Kammerspiels und vor allem das Finale mit dem jubelnden Chor wirkungsvoll ergänzt hätte. Weniger ist nicht immer mehr. Allgemeingültigkeit beanspruchen die Kostüme von Angelika Rieck, die mehrere Zeitepochen zitieren. Enrico Calesso sorgt mit dem akurat und spielfreudig auftretenden Philharmonischen Orchester für einen transparent-farbenfrohen Mozart "aus dem Graben". Nach der Premiere gab es uneingeschränkten Beifall und Bravorufe für alle Mitwirkenden.

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 01.07.2016
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