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Aktion des Videokünstlers Louis von Adelsheim: Mit den Mitteln der Kunst die Mauern der Jugendstrafanstalt durchlässig gemacht / Über 40 Beamer im Einsatz

Die JVA leuchtete nur für eine Nacht

Archiv-Artikel vom Montag, den 15.04.2013

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Strein

Außen die Bilder von innen, innen die Bilder von außen: Die Aktion des Videokünstlers Louis von Adelsheim fand am Freitag - nur für eine halbe Nacht - statt.

© Strein

Gefangene bei der Arbeit als Bäcker, Gärtner, Schlosser, Gefangene beim Sport, Gefangene als Schüler, Gefangene in der Freizeit als Mitglieder einer Band oder beim Stricken einer Mütze. Dazwischen Stills von Mauern, Stacheldraht, nüchternen Gebäuden, Vollzugsbeamte am Schreibtisch, am Telefon.

Es ist eine ansonsten hermetisch abgeschottete Welt, die der Videokünstler Louis von Adelsheim auf ein 150 Meter langes Mauerstück der Justizvollzugsanstalt Adelsheim projizierte: Bilder aus dem Innern der größten Jugendstrafanstalt Baden-Württembergs.

Die Aktion "Innen ist Außen" machte zwar nicht real, aber zumindest mit den Mitteln der Kunst die Mauern der JVA für eine Nacht durchlässig. Auf beiden Seiten: Denn während die Videoprojektionen außen Einblicke ins Leben innen gewährten, wurden innen an einigen Mauerstellen Projektionen von außen - von früheren "Adelsheim leuchtet"-Arbeiten - gezeigt.

Fünf Wochen lang drehte Louis von Adelsheim mit einem kleinen Team in der JVA, befragte Insassen nach ihren Erfahrungen, lichtete sie in ihrem Alltag ab. Nicht alle wollten diesen Einblick in ihre Welt erlauben, andere erzählten ganz offen von ihrer Situation.

Die Aktion von Louis von Adelsheim, dem Spiritus rector der "Adelsheim leuchtet"-Reihe, benötigte einen hohen organisatorischen und technischen Aufwand. Die JVA stemmte den zusätzlichen personellen Einsatz von Pädagogen, Meistern und Vollzugsbeamten. Louis von Adelsheim und seine Helfer vom Verein "Adelsheim leuchtet" kümmerten sich um die Technik.

Über 40 Beamer mussten aufgestellt werden, um den Besuchern - erstaunlich viele hatten den Weg hoch in den Tragott-Bender-Straße gefunden - in großformatigen Bildern zu zeigen, was "innen" abläuft. Und den jugendlichen Gefangenen zu zeigen, was "außen" läuft, beziehungsweise "Traumbilder"auf die Mauern zu projizieren, die im Rahmen eines kreativen Prozesses von Künstlern und JVA-Bewohnern entstanden.

Es wäre naiv anzunehmen, dass Kunst Menschen direkt beeinflusst, dass Menschen draußen und drinnenUrteile und Vorurteile durch das Anschauen einer Videosequenz infrage stellen. Kunst, wie sie Louis von Adelsheim macht, kann aber möglicherweise neue Sichtweisen auf Dinge anregen. Bei der Präsentation von "Innen ist außen" war das sicherlich der Fall.

Schade , dass der große Einsatz nur für eine halbe Nacht erbracht wurde - die audiovisuellen Installationen waren am Freitag vom Einbruch der Dunkelheit gegen 20 Uhr bis um Mitternacht zu sehen. Anstehende Bauarbeiten an der JVA, aber auch der hohe personelle Aufwand machten es unmöglich, die Aktion über weitere Nächte auszudehnen.

Kunst muss sich zwar nicht - oder zumindest nicht nur - danach richten, ob eine Aktion den Aufwand "lohnt". Diese allerdings hätte es verdient gehabt, die JVA noch einige Nächte leuchten zu lassen.

© Fränkische Nachrichten, Montag, 15.04.2013
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