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Museumskonzert: Isabelle van Keulen und ihr Ensemble eröffneten mit ihrem Konzert im Roten Saal in Bad Mergentheim die Saison

Den Tango in allen Variationen zelebriert

Isabelle van Keulen und ihr Ensemble spielten in Bad Mergentheim ausschließlich Lieder von Astor Piazzolla.

© Barbara Kurz

Wieder ein fulminanter Erfolg für Isabelle van Keulen und ihr Ensemble, die beim jüngsten Museumskonzert - dem ersten der neuen Saison - ihre Zuhörer im sehr gut besuchten Roten Saal des Deutschordensschlosses mit ihrer Vorstellung von den Sitzen rissen. Es stand wie das letzte vor gut einem Jahre wieder ausschließlich im Zeichen des Schaffens von Astor Piazzolla und war an diesem frostig kalten Winterabend so recht ein Konzert zum Aufwärmen: Atemberaubende technische Brillanz, umwerfende Spielfreude und Leidenschaft gaben sich bei diesem fabelhaften Quartett ein Stelldichein und demonstrierten eine herausragende Klasse und Kompetenz, die auf diesem Gebiet Ihresgleichen sucht.

Astor Piazzolla (1921-1992), der Schöpfer des "Tango nuevo", gilt mittlerweile nicht nur als der große Erneuerer der argentinischen Volksmusik, die er in seinem Werk in den Rang einer Kunstmusik erhoben hat, sondern auch als einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts. Dem traditionellen Tango der Hafenkneipen von Buenos Aires hat er einen bislang nicht gekannten Formenreichtum, eine Differenziertheit und Komplexität gegeben, ohne dabei seine Substanz und Emotionalität, jene fragile und schwankende Grundstimmung aus Schmerz und Lebensgier, wildem Überschwang und jäher Depression preiszugeben.

Sie erscheint zugleich vertieft und sublimiert in seinem überaus reichhaltigen und vielgestaltigen, dabei unverwechselbar eigenständigen Oeuvre, das in fast allen Musikgattungen einschließlich der Oper ("Maria de Buenos Aires") Beispiele aufzuweisen hat und in seinen letzten drei Lebensjahrzehnten nicht zuletzt von der Begegnung mit Künstlern anderer Stilrichtungen, auch von seinem Interesse für Jazz profitiert. Den ursprünglichen Kern von Piazzollas Musik erlebt man wohl am besten anhand kleiner Ensembles - er selbst erzielte seinen Durchbruch als Bandoneonist und Leiter eines Oktetts - als eine Art Kammermusik also, und so wurde sie auch seit 2011 existierenden Isabelle van Keulen Ensemble im Roten Saal präsentiert: Mit der hier schon mehrfach aufgetretenen Pianistin Ulrike Payer, dem Kontrabassisten Rüdiger Ludwig, dem Bandoneonspieler Christian Gerber und der Gründerin und Namensgeberin selber, die sich als Violonistin wie als Bratschistin Weltruf erspielt hat.

"Sinnlich und virtuos" hieß das Motto dieses Konzerts, und dies waren beileibe nicht die einzigen Qualitäten, mit denen dieses fabelhafte, traumhaft aufeinander eingespielte Quartett an diesem Abend aufwartete.

In einem Programm mit insgesamt einem Dutzend Piazzolla-Kompositionen, darunter solche Perlen wie "Adios nonino" (eine Hommage an Piazzollas Vater), "Tristeza en doble A", "Oblivion "(aus der Filmmusik für "Heinrich IV") oder dem "Concierto por Quinteto" gaben die vier einen Querschnitt durch den unerschöpflichen Piazzolla-Fundus, der in seiner stilistischen Bandbreite und Vielgestaltigkeit doch einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.

Da ließ die ungemein versierte Begleiterin Ulrike Payer gelegentlich virtuose Jazz-Solokadenzen einfließen, behandelte Kontrabassist Rüdiger Ludwig sein Instrument mit wundervoll schwereloser, unaufdringlich swingender Manier (nicht nur in "Contrabajismo") und beide schufen das Fundament, auf dem van Keulens Violine und Christian Gerbers Bandoneon mit hinreißenden Höhenflügen entfalten konnten.

Als würdiger Nachfolger des großen Meisters, sein dehnbares Instrument auf dem rechten aufgestützten Knie unglaublich beweglich und mühelos handhabend, stand er an diesem Abend fast noch mehr im Mittelpunkt als seine Kollegin, die freilich gleichfalls immer wieder ihre technische Klasse und schneidend brillante, schlackenlose Intonation, ihr furioses Temperament und urwüchsige Musikalität aufblitzen ließ, beispielsweise in "Allegro tangabile" aus "Maria in Buenos Aires". Fast noch faszinierender war, was Christian Gerber so alles an changierenden Farben, subtilen, atmosphärischen Stimmungswerten und introvertiert verhaltener Emotion aus seinem Instrument hervorzauberte . . .

Großer, lang anhaltender Beifall im Roten Saal, der mit zwei gleichfalls umjubelten Zugaben belohnt wurde, von denen die letzte, die todtraurige, in Schmerz zerfließende "Soledad" fast allein schon den Eintrittspreis wert war. Thomas Hess

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 17.02.2017
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