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Schlosskonzerte: Riesenbeifall für Ensemble „Red Priest“ beim Gastspiel in der Kreisstadt

Außergewöhnliche Virtuosen

Riesenbeifall und zwei Zugaben als Belohnung im jüngsten Schlosskonzert im wieder einmal sehr gut besuchten Rathaussaal in Tauberbischofsheim nach dem jüngsten Auftritt der britischen Gruppe "Red priest", das schon bei seinem ersten Erscheinen hier vor etwa dreieinhalb Jahren für Furore gesorgt hatte.

Kein Wunder: Die vier noch recht jungen Damen und Herren, ihrer Besetzung nach (Blockflöte, Violine, Cello und Cembalo) eigentlich ein barockes Kammermusikensemble, widmen sich seit ihrer Gründung im Jahr 1997 einem sehr originellen Projekt: Der Verschmelzung barocker Musiktradition mit allen möglichen späteren Stilen und Spielweisen und kreieren daraus eine Art (in ihren Grundlagen immer noch) barocker Crossover beziehungsweise Fusion-Musik, die sich wenig um die herkömmlichen Traditionen wissenschaftlich historisierender (und daher mitunter etwas akademisch und leicht verstaubt klingender)Musizierpraxis schert, sondern die Musik ihres Namensgebers, des "roten Priesters" Antonio Vivaldi, von Bach, Händel, Telemann, aber auch etlicher obskurer Meister nach ihrem Gusto quasi neu erfindet, sie mit einer Fülle eigener Ideen, langen improvisierenden Passagen, Zitaten, Anspielungen und Abstechern in Techniken, Stile und Werke späterer Jahrhunderte anreichert und damit einen "Karneval musikalischer Stile"(so Flötist Piers Adams) erschafft, den diese vier mittlerweile weltweit konzertierenden Virtuosen (und jeder der vier ist auf seinem Instrument ein außergewöhnlicher Virtuose) feiert.

Damit verbunden ist eine spektakuläre und unterhaltsame Bühnenshow, deren flamboyante Ausgelassenheit, gespickt mit allerlei Jux und Gags, die optische Entsprechung des akustischen Brillantfeuerwerks bildet, das an diesem Abend im Rathaussaal in Tauberbischofsheim abgebrannt wurde.

Spektakulär und virtuos, das sind die hauptsächlichen Eigenschaften, welche die Vorstellung des Quartetts kennzeichnen, das hier in im Vergleich zu ihrem ersten Auftritt leicht geänderter Besetzung präsentierten.

An Stelle von Julia Bishop spielt nun Adam Summerhayes Violine (gelegentlich auch mal Gitarre), ein richtiger Teufelsgeiger, Vollblutmusiker mit einem Hang zum Extremen und Extravaganten, während seine Kolleg(inn)en mit Namen Angelas East (Cello), David Wright (Cembalo) und der phänomenale Blockflötenspieler Piers Adams als zweiter dominierender Solist dem Ensemble die Treue gehalten haben. Adams spielt Blockflöte, genauer eine ganze Reihe von Blockflöten in den Stimmlagen von Sopranino bis Bass, einem etwas ungefügen, seltsam archaisch anmutenden Instrument, manchmal auch zwei davon in ein- und derselben Nummer. Und was er damit anstellt, ist wohl weltweit einzigartig.

Kraft und Brillanz

Nicht nur im Hinblick auf das Tempo und die kaum glaubliche Virtuosität seiner Läufe, die an die Grenzen des spieltechnisch Möglichen gehen, sondern auch was die schiere Präsenz, Kraft und Brillanz seiner Tongebung betrifft.

Dennoch handelt es sich bei "Red priest" mehr als um eine bloße Solistenversammlung, sondern um echtes Ensemblespiel, dicht und geschlossen, mit verblüffend expansiven und raumfüllenden Klang für ein Ensemble dieser Art, angetrieben durch die ungemein energetische "Rhythmusgruppe", die von Cellistin Angela East mit ihrem Partner David Wright am Cembalo bereitgestellt wird.

Bearbeitungen von Händel, Telemann, Tomasso Albinoni (mit seinem bekannten Adagio) und zum krönenden Schluss Vivaldi dominierten das umfangreiche Programm des Abends, dessen besondere Akzente jedoch durch Beispiele weniger bekannter doch keineswegs uninteressanter Musiker des 17. und 18. Jahrhunderts zwischen Frühbarock und Frühklassik gesetzt wurden - so etwa durch eine Sonate des Böhmen Heinrich Biber (1644-1704), des Polen Marcin Mielcziewski (1590-1651) oder des italienischen Cellisten Salvatore Lanzietti (1710-1780) mit Angela East als führender Stimme.

Extravaganter Charakter

Empfindsames stand so ausnahmsweise einmal neben dem sonst dominierend bizarren, extravaganten und exzentrischen Charakter der Vorstellung, gipfelnd in einem von Solist David Wright präsentierten kuriosen Cembalostück des Franzosen Royer (1705-1755), womit allerdings auch ein gewisses Problem der "Red Priest"-Philosophie angedeutet ist: Dass sich dieses fabelhafte Quartett im Vertrauen auf seine schier grenzenlose Flexibilität zwischen Wassermusik und feurigem Csardas seine Vorlagen hauptsächlich als Anlass und Gelegenheit zur effektvollen Selbstdarstellung nimmt, wodurch sich die einzelnen Progammnummern im Endergebnis etwas ähnlich werden.

Das ist freilich nur ein geringer Einwand, solange diese Truppe mit solch umwerfender Präsenz und Spielfreude agiert wie bei ihrem jüngsten gefeierten Auftritt im Rathaussaal. Thomas Hess

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 18.03.2017
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