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Köln: Neusser Chemiewerk als Verursacher / Hunderte Anrufe

Gestank über der Domstadt

In großen Teilen Kölns stank es gestern intensiv nach Brühwürfel.

© dpa

Köln. Ein würziger bis ätzender Gestank hat gestern in Köln für Verunsicherung und Heiterkeit gleichermaßen gesorgt. Bei einem Aromastoff-Hersteller rund 30 Kilometer nördlich in Neuss war in der Nacht zuvor der Stoff Sotolon ausgetreten. Der Wind habe den Brühwürfelgeruch dann in große Teile Kölns getragen, teilte dort die Feuerwehr mit. Es habe jedoch keine Gesundheitsgefahr bestanden. Das betonte auch das Unternehmen aus Neuss, das den Vorfall in einer Mitteilung zugleich bedauerte.

Das Geruchsmittel Sotolon ist nach Feuerwehrangaben etwa in Liebstöckel enthalten, auch Maggi-Kraut genannt. Die Feuerwehr nahm die Lage ernst, schließlich hatten mehr als hundert besorgte Menschen angerufen, hieß es in einer Erklärung. Bei Untersuchungen von Luftproben konnte aber zunächst kein besonderer Stoff nachgewiesen werden. Allerdings reagiere die menschliche Nase viel empfindlicher auf derartige Geruchsaromen als technische Messgeräte, sagte ein Feuerwehrsprecher. Das Verursacher-Unternehmen, die Hanke Aromastoff-Produktions GmbH, erklärte, der Aromastoff Sotolon habe eine "sehr niedrige Geruchswahrnehmungsschwelle".

Interaktive "Stinkekarte"

Auch auf Twitter berichteten zahlreiche Nutzer über den herzhaften Mief. Unter dem Hashtag #maggikalypse gab es Einträge wie: Was ist das Lieblingsglücksspiel der Kölner? Brühwürfeln. Oder: Hat etwa das Parfum "4711 Echt Kölnisch Wasser" eine neue Produktlinie? Doch auch konstruktive Hinweise wurden gesammelt. So konnten Spürnasen auf einer interaktiven "Köln Stinkekarte" besonders miefende Stellen markieren.

Nach ersten Erkenntnissen hatte der Wind den Geruch von Neuss bis zum Morgen nach Köln getragen. Bereits um 6.40 Uhr gingen dort laut Feuerwehr die ersten Meldungen besorgter Bürger ein, die einen ungewöhnlich starken Duft nach Liebstöckel meldeten. Die Polizei in Neuss hat erste Ermittlungen aufgenommen - eine strafrechtliche Relevanz sei zumindest nicht auszuschließen, so ein Sprecher. Wie stark Liebstöckelduft belästige, liege aber "in der Nase des Betrachters". dpa

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 12.06.2013
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