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Besuch: Der designierte SPD-Kanzlerkandidat spricht häufig von Würselen / In der Tat kennen dort fast alle den „Tin“, der in seiner Stadt aber nicht nur glänzende Zeiten erlebt hat

Fußball, Bücher, Rathaus – in der Heimat von Martin Schulz

Von unserem Redaktionsmitglied Madeleine Bierlein

Auch der Schreibtisch, an dem er saß, steht heute noch im Büro des Bürgermeisters.

© Bierlein

In der Gaststätte "Houben" verbrachte er als junger Mann (zu) viele Abende.

Die einstige Buchhandlung von Martin Schulz in der Kaiserstraße gibt es noch.

Auf diesem Fußballplatz spielte Martin Schulz früher. Damals wollte er Profispieler werden.

Er präsentiert sich gern als Mann des Volkes. Zum Beweis führt er die Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Würselen an. Doch was ist wirklich dran am bodenständigen Image des künftigen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz? Eine Spurensuche.

Ich kenne ihn seit 55 Jahren." Manfred Zitzen, 63 (kleines Bild oben), lehnt sich in seinem Stuhl zurück, blickt aus dem Fenster seines Büros. Der Leiter der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen ist das, was man einen Weggefährten nennt. Er wuchs in unmittelbarer Nähe zu Martin Schulz auf, verbrachte Kindheit, Jugend und große Teile des Berufslebens mit ihm. Teilte Höhen und Tiefen.

Würselen, diese Stadt vor den Toren Aachens mit ihren mittlerweile knapp 40 000 Einwohnern und den Klinkersteinhäusern, ähnelte damals eher einem Dorf, erzählt Zitzen. Sein Elternhaus und das von Schulz trennte nur ein Fußballplatz des Vereins Rhenania 05.

Heute, rund 55 Jahre später, gehen ein paar Schüler am Stadion vorbei - es regnet, an Kicken ist nicht zu denken. Der Verein befindet sich noch immer an Ort und Stelle. Der zweite, kleinere Platz aber, auf dem Schulz und Zitzen ihre ersten Tore schossen, ist mittlerweile Wohnhäusern gewichen. Doch damals, Anfang der 60er Jahre, legte er den Grundstein für jahrzehntelange Freundschaften. Jeden Nachmittag, "direkt nach den Hausaufgaben", zog es die Würselener Buben auf den Platz, wo die Straßenmannschaften gegeneinander antraten.

Niemals aufgeben

Überhaupt der Fußball. Der sollte im Leben des Martin Schulz eine zentrale Rolle spielen. Im Guten wie im Schlechten. 1972 stand er mit der B-Jugend der Rhenania im Finale der westdeutschen Meisterschaft. Lernte, sich festzubeißen, dem Gegner den Ball abzuluchsen und vor allem: niemals aufzugeben. Für Schulz stand damals fest: Er wollte Profikicker werden. Und viele Würselener sagen, die Chancen dafür standen gar nicht schlecht. Die Schule - das altehrwürdige, erzkonservative Heilig-Geist-Gymnasium - ließ der begeisterte Sportler sausen und ging nach der 11. Klasse ohne Abitur ab.

Doch dann kam der Absturz: Eine schwere Knieverletzung beendete den Traum von der Profikarriere abrupt. Schulz, gerade einmal 18 Jahre alt, war frustriert, verbrachte immer mehr Zeit im "Houben" - einer Kneipe gegenüber der St. Sebastian-Kirche, in der auch heute noch an einfachen Holztischen gezecht wird. "Wir standen nebeneinander an der Theke", erzählt Zitzen. Doch der "Tin", wie ihn viele Würselener im Öcher (Aachener) Platt nennen, übertrieb es, verfiel dem Alkohol. Eine schwere Zeit. Aber auch eine Zeit, die Martin Schulz menschlich erscheinen lässt - mit Ecken, Kanten und Fehlern.

Mit Hilfe seiner Geschwister, "seinem Willen und seinen Büchern", wie Zitzen sagt, schaffte Schulz es schließlich aus der Abhängigkeit. Bis heute rührt er keinen Tropfen Alkohol mehr an. Seinem Verein Rhenania ist Schulz noch immer verbunden. Bei der letzten Weihnachtsfeier wurde er für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt - und reiste dafür selbstverständlich aus Berlin an, erzählt Zitzen.

Von der Gaststätte "Houben" ist es nicht weit bis zur Kaiserstraße, der Haupteinkaufsstraße von Würselen. Dort eröffnete Schulz nach seiner Buchhändlerlehre zusammen mit Schwester Doris einen Buchladen. Dieser besteht bis heute - und hat sich gar nicht so sehr verändert. Sogar die kleine Küche hinter dem Verkaufsraum, in der er einst mit seinen Parteifreunden neue Strategien ausbrütete, ist noch da.

Martina Schillings-Dumke ist der Trubel um ihren Laden gar nicht recht. Sie gibt sich bedeckt, will nicht über die alten Zeiten plaudern, als sie hier bei Martin Schulz eine Lehre absolvierte und schließlich - vor 25 Jahren - selbst Inhaberin wurde. Darauf angesprochen, ob Schulz Würselen denn wirklich so verbunden sei, wird sie etwas gesprächiger. "Der ist ganz normal und bewegt sich hier wie jeder andere", sagt sie. Und er kaufe seine Bücher immer noch im Laden. Eine Mitarbeiterin, sie will ihren Namen nicht in den Medien lesen, ergänzt: "Er ist ein Netter."

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