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Weinbau: Eigenschaften des Bodens wirken sich auf das Aroma aus / Hessische Winzer wollen das jetzt besser vermarkten

Das Zauberwort heißt „Terroir“

Von dpa-Korrespondent Thomas Maier

Otmar Löhnertz, Professor für Bodenkunde, steht in einem Weinberg der Forschungsanstalt für Weinbau in Geisenheim. Löhnertz arbeitet seit 2006 am Terroir-Projekt.

© dpa

Geisenheim. In der globalen Weinwelt ist "Terroir" beinahe zum Zauberwort geworden. Auf Deutsch bedeutet der französische Begriff einfach "Erde" oder auch "Gegend". Gemeint ist damit, dass der Boden, auf dem die Reben wachsen, den Wein neben dem Klima und der Arbeit des Winzers entscheidend prägt. Das "Terroir" beeinflusst den Charakter der Trauben und die Mineralität ihres Saftes - die Herkunft des Weines soll also geschmeckt werden.

In den romanischen Ländern gilt das seit langem als Selbstverständlichkeit. Deutschland ist wegen seiner Weingesetze lange auf Großlagen mit eher einheitlich schmeckenden Weinen fixiert gewesen. Doch inzwischen hat man auch bei uns erkannt, dass Schiefer oder Löss auf relativ kleinen Flächen ganz unverwechselbare Rieslinge hervorbringen können. Zur Unterstützung der Winzer im Rheingau und an der Bergstraße wurde daher von der Forschungsanstalt in Geisenheim das Terroir-Projekt gestartet. Es wird von den Weinverbänden unterstützt.

"Wir wollen zeigen, dass der Wein hier sehr vielfältig ist", sagt Otmar Löhnertz, Professor für Bodenkunde in Geisenheim. Ziel ist es, dass ein Maximum der in der Traube gebildeten Aromastoffe in den Most und dann in den Wein übergehen. Quarzit-Rieslinge zum Beispiel gelten als schlanke, säurebetonte Weine mit zurückhaltenden Aromen. Rieslinge vom kalkreichen Löss dagegen sind fruchtbetont mit den Aromen reifer Früchte. Die Säure ist gut eingebunden. Die Charakteristik der Standorte soll möglichst unverfälscht herausgearbeitet werden. Deshalb werden die Weine in den Kellern der Forschungsanstalt in Geisenheim standardisiert ausgebaut.

Das Terroir-Projekt soll auch helfen, dass sich Winzer mit dem Standort des Weines mehr auseinandersetzen. Beim weltweiten Trend zu einem einheitlichen Weingeschmack setzt die Forschungsanstalt auf bessere Qualität. Dies könne gerade kleineren Winzern im immer härter werden Konkurrenzkampf auch unter den deutschen Regionen helfen, Marktnischen zu erschließen. "Damit kann sich der Rheingau auch im Gespräch halten", meint der Bodenkundler. Dem Projekt kommt zugute, dass die Böden des Rheingaus so gut kartiert sind wie sonst nirgendwo auf der Welt.

Das Terroir-Projekt hat unter Winzern Schule gemacht: Rund 20 haben sich zu den Prinzipien verpflichtet. Dafür dürfen sie auf der Flasche dafür werben. Inzwischen sind auch Terroir-Wanderwege in Lorch oder in Hochheim angelegt. Geplant sind auch spezielle Apps fürs Smartphone, sagt Löhnertz .

© Südhessen Morgen, Freitag, 07.09.2012
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