Lebenslust

Trendsport Beim Stand-Up-Paddling können Kinder und Erwachsene ihre Balance-Fähigkeiten unter Beweis stellen

"Spazieren auf dem Wasser"

Archivartikel

Langsam, ganz langsam, versucht Barbara Denke, aufzustehen. Mit dem aufs Brett gepresste Paddel balanciert sie ihr Körpergewicht aus und richtet sich auf. Von der Ferne sieht es aus, als würde die Stand-Up-Paddlerin (SUP) jetzt auf dem Wasser stehen. "Los geht's", sagt sie freudestrahlend zu Claus Englert und zieht ihr Paddel durchs Wasser.

"Das ist die schwierigste Übung für Anfänger: das Aufstehen", meint Englert, während er vom Ufer in Richtung Flussmitte paddelt. Er bietet in den Sommermonaten im Kanusportclub Neckarau in Mannheim Kurse in dieser Trendsportart an. Für die beiden Sportler, die seit drei Jahren auf den Brettern stehen, ist das Ausbalancieren kein Problem mehr. Seit an seit paddeln sie über einen kleinen Nebenarm des Rheins nahe des Naturschutzgebiets "Bei der Silberpappel".

Für die ganze Familie geeignet

Zum ersten Mal in diesem Jahr sind sie auf ihren Brettern unterwegs, dick eingepackt in Neoprenanzüge. Noch ist das Flusswasser zu kalt, als dass man reinfallen sollte. "Wenigstens kein Gegenwind, jetzt kommt man gut voran", meint Englert. Sanft gleiten die beiden Sportler über das Wasser, dank der schwachen Strömung müssen sie nur wenig paddeln. "SUP fühlt sich an wie Spazierengehen auf dem Wasser", schwärmt Denke, während die Paddler an Bäumen, Sträuchern und Spaziergängern vorbeitreiben.

Die zwei Meter langen Paddel ziehen sie dabei immer wieder langsam durchs Wasser. "Im Sommer würde ich gerne mal an den Bodensee fahren, da kann man sicher gut paddeln", erzählt Denke ihrem Mitfahrer beim Wenden. Doch da passiert es fast: Denke stößt von hinten an das Brett von Englert, der kurz taumelt und in die Knie geht. "Das ist fast das Schlimmste, was man beim Stand-Up-Paddeln machen kann: jemanden anrempeln", meint Englert scherzend und richtet sich auf.

Lange bleiben die beiden Hobbysportler nicht auf dem Wasser, das Wetter spielt nicht mit. Ganz anders sei es im Sommer, dann stehen sie in Badehose und Bikini auf den Brettern. Und nicht nur sie: Englerts Frau und seine beiden Kinder sind ebenfalls gerne mit den Brettern unterwegs. Denn gerade in ruhigeren Gewässern ist Stand-Up-Paddling die ideale Sportart für die ganze Familie.

Voraussetzungen gibt es nicht viele, sagt Paddlerin Denke: "Man sollte einigermaßen das Gleichgewicht halten und schwimmen können". Sie habe aber auch schon gesehen, wie Eltern kleinere Kinder mit Schwimmweste vorne aufs Brett gesetzt und mitgenommen haben. Zudem ist die Sportart, so Englert, einfach zu erlernen: "Gerade wer zum ersten Mal paddelt, sollte aber einen Anfängerkurs machen. In zwei Stunden kann man die Grundlagen für SUP gut erlernen". Dazu zählen neben dem Aufstehen und Paddeln auch der Umgang mit Schiffen und anderen Wassersportlern. "Motor- geht vor Menschenkraft. Mit dem SUP auf dem Rhein ist wie mit dem Fahrrad auf der Bundesstraße zu fahren", sagt der Hobbysportler.

Obwohl SUP eher eine sanfte Sportart ist, müssen sich Anfänger trotzdem auf Muskelkater in den Beinen und Armen einstellen. "Viele fahren eher entspannt, aber man kann auch sportlich paddeln. Dann ist das ein echtes Bauch-Beine-Po-Training", sagt Denke.

Deutliche Qualitätsunterschiede

SUP-Bretter können in Kanuvereinen oder speziellen Verleihstationen gemietet werden. Ein eigenes Board lohnt sich nur für Vielfahrer. "Das kostet zwischen 800 und 1200 Euro. Vor vermeintlichen Schnäppchen rate ich ab - das geht immer zu Lasten der Qualität", sagt Englert. Teuer sind die Bretter aufgrund des aufwendigen Innenlebens. Anders als bei Gummibooten sind die Ober- und Unterseite der Bretter mit Fäden verbunden, wodurch die Bretter beim Einfüllen von Luft hart werden.

Vor drei Jahren haben die 47-Jährige und der 53-Jährige das Stand-up-Paddeln für sich entdeckt. "Bei uns im Verein leiden alle am SUP-Fieber", meint Englert, der im vergangenen Sommer jede Woche auf dem Wasser war. "Wenn man auf dem Board steht und unter und vor einem ist überall Wasser, dann ist das ein Wahnsinnsgefühl", fasst er zusammen.