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Verbraucher Landwirtschaftsminister Peter Hauk verlangt eine deutsche Leitkultur / Marke Baden-Württemberg soll gestärkt werden

"Regionales besser bewerben"

Stuttgart.Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk will die regionale Produktion stärken. Der CDU-Politiker spricht im Interview mit dieser Zeitung zudem über Fehler bei der Integration.

Herr Hauk, Sie wollen mit einer Regionalkampagne das Image der Landwirtschaft in Baden-Württemberg aufwerten. Was hat es mit dieser auf sich?

Peter Hauk: Die Kampagne werden wir im Juni vorstellen. Wir müssen unsere regionalen Produkte besser bewerben. Deswegen sollen deren Anbau, Qualität und die Menschen, die sie produzieren, hervorgehoben werden. Die Kampagne ist über die gesamte Legislaturperiode angelegt. Wir werden für die Kampagne insgesamt einen mittleren fünfstelligen Betrag benötigen.

Warum ist die Kampagne nötig?

Hauk: Die Landwirtschaft wird immer häufiger als Sündenbock für Umwelteinflüsse herangezogen. Zudem werden moderne technologische Verfahren abgelehnt. Manche haben bei der Landwirtschaft ein romantisches Bild à la Rosamunde Pilcher von gackernden Hühnern und grasenden Kühen vor Augen. Das hat aber mit der Wirklichkeit nichts mehr zu tun, denn in dieser gibt es einen harten Wettbewerb. Es ist inakzeptabel, dass das landwirtschaftliche Jahreseinkommen für eine Familie im Schnitt bei rund 35 000 Euro liegt. Wenn Sie den Betrag einem Industriearbeiter bei Bosch, Daimler oder Audi schmackhaft machen wollen, wird er Ihnen sagen, dass er für das Gehalt nicht 40 Stunden pro Woche am Fließband arbeitet.

Ist der Markt für hochwertige Lebensmittel groß genug?

Hauk: Ich bin überzeugt davon, dass wir in Baden-Württemberg mit unseren Premiumprodukten - das kann Fleisch oder genauso Getreide sein - punkten können. Hier gibt es Wachstumsperspektiven, und hier sollten wir viel investieren. Zudem haben wir auch bei uns einen Kundenstamm dafür. Dies beweisen die hohe Zahl an Sterneköchen und die hervorragende regionale Küche in vielen Gastronomiebetrieben.

Passiert im Tourismusbereich zu wenig bei der Vermarktung?

Hauk: Ich bin überzeugt davon, dass die Konfliktsituationen in der Welt - zum Beispiel die angespannte Lage in der Türkei - dazu führen, eher Urlaub in der Heimat zu machen. Hier kann Baden-Württemberg vor allem für Kurzurlauber attraktiv sein. Zudem bin ich überzeugt, dass wir bei der Tourismusvermarktung Luft nach oben haben. Ich bin zwar nicht für den Tourismus zuständig - man muss das Thema aber ganzheitlich betrachten. Dazu zählt auch die Frage, ob auf jeder Schwarzwaldhöhe ein Windrad stehen muss. Für die Vermarktung des ländlichen Raums braucht die grün-schwarze Regierung ein Gesamtkonzept.

Welche Lehren ziehen Sie als CDU-Regierungsmitglied aus dem Referendum in der Türkei?

Hauk: Bei der Integration ist in der Vergangenheit einiges schiefgelaufen. Jetzt rächt sich die Laissez-faire-Kultur der letzten 30, 40 Jahre ohne die Verpflichtung, sich zu integrieren. Das hat dazu beigetragen, dass sich viele Türken nicht mit Deutschland identifizieren.

Was muss die Politik tun?

Hauk: Wir benötigen eine Leitkultur. Wir brauchen auf der Basis von Demokratie, Gerechtigkeit und Gleichheit der Geschlechter ein klares Wertesystem und klare Regeln. Es ist zwingend notwendig, dass wir dieses Wertegerüst offensiver und kompromissloser darstellen. Friedrich Merz hatte damals recht, als er eine deutsche Leitkultur einforderte. Integration macht nur Sinn entlang einer Leitkultur, die sich am Grundgesetz orientiert. Das müssen wir auch aktiv verteidigen.

In der Union wird über das Ende des Doppelpasses diskutiert.

Hauk: Ich bin auf der Seite derjenigen, die das Optionsrecht abschaffen wollen. Das sollte auch Bestandteil des Bundestagswahlprogramms der CDU sein. Bei der Staatsbürgerschaft ist ein klares Bekenntnis notwendig.