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Verkehr Bund, Land und Kommunen investieren in den Ausbau des hessischen Nah- und Fernverkehrs / Zwölf Großprojekte geplant

Milliarden für neue Schienen

Wiesbaden.Neue und zusätzliche Gleise, mehr Züge sowie getrennte Wege für den Nah-, Fern- und Güterverkehr - das sind die Kernpunkte der zwölf großen Schienenprojekte, die Land, Bund und Kommunen gemeinsam mit der Bahn bis 2030 in Hessen realisieren wollen. "Noch nie hatten die Verkehrsverbünde so viel Geld, um neue Züge zu bestellen", sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) gestern in Wiesbaden. "Eine gute Infrastruktur allein reicht schließlich nicht aus."

Den Löwenanteil der Investitionen von insgesamt zwölf Milliarden Euro trägt mit etwa 80 Prozent der Bund. Jeweils rund zehn Prozent entfielen auf Land und Kommunen, erklärte der Minister. Erst mit der Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplans Ende 2016 habe es die nötige Planungssicherheit gegeben, um die lang initiierten Projekte anzugehen.

Hessen spiele aufgrund seiner zentralen Lage eine besondere Rolle im bundesweiten Netz, erklärte Dirk Rompf, der für Großprojekte verantwortliche Vorstand der DB Netz AG. Zudem steige die Bedeutung von Fernverkehrsverbindungen zwischen den Metropolen und Großstädten. "Genau diese Strecken werden wir durch den Ausbau deutlich beschleunigen. Die Fahrtzeit von Wiesbaden zum Frankfurter Flughafen wird sich beispielsweise halbieren", sagte Rompf.

Kritik am Zeitpunkt

"Wir reden nicht mehr nur darüber, wir tun auch was", betonte Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main Verkehrsverbunds (RMV). Nur wenn die Regionalzüge nicht mehr auf Fern- und Güterzüge warten müssten, könne der ÖPNV pünktlicher und zuverlässiger werden.

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, dass die Projekte bereits seit Jahren bekannt sind. Als Beispiel nannte der Landesvorsitzende Thomas Kraft die Zufahrt vom Wiesbadener Hauptbahnhof auf die Strecke zum Frankfurter Flughafen. Sie soll nach den aktuellen Plänen ab 2025 befahrbar sein. "Hätte man das schon mit dem Bau der Schnellfahrstrecke zwischen 1995 und 2002 realisiert, wäre es viel günstiger gewesen."

Der Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Mathias Biemann, plädierte dafür, auch Randbahnen wie etwa die Horlofftalbahn bei Friedberg (Wetteraukreis) zu reaktivieren. "Mir fehlt bei dem Konzept der Blick in die Zukunft nach 2030", sagte Biemann. Langfristig müsse der Nahverkehr günstiger werden. "Die langen Fahrtzeiten und der Preis, das sind die Dinge, an denen sich die Menschen stoßen."

Die vorgestellten Maßnahmen befänden sich schon seit einer halben Ewigkeit in Planung, kritisierte die FDP im hessischen Landtag: Allein damit "werden sich die Infrastrukturprobleme unseres Landes - insbesondere in den Ballungsräumen - sicher nicht lösen lassen", bemängelte der Wirtschaftsexperte Jürgen Lenders.

Ähnlich sieht es Linken-Fraktionschefin Janine Wissler: "Es wäre dringend notwendig, an die nächsten Ausbauprojekte zu gehen und auch Neubauten zu planen." Neubaustrecken für den Personenverkehr würden genauso dringend gebraucht wie menschenverträgliche Strecken für den Güterverkehr, betonte Wissler.