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Projekt Evangelische Kirchengemeinde in Riedstadt-Crumstadt schreibt sich zum Reformationsjubiläum eigene Altarbibel

Bibel von Hand kopiert

Riedstadt-Crumstadt.Eigentlich ist es nur Papier, das beschrieben wird. Wenn Pfarrerin Julia Bokowski aber ihren Stift ansetzt, geht es auf dem großen weißen Bogen im DIN-A3-Format um den Propheten Hesekiel aus dem Alten Testament. Die evangelische Kirchengemeinde in Riedstadt-Crumstadt bekommt im 500. Jubiläumsjahr der Reformation eine neue Altarbibel. Menschen aus der Gemeinde, Freunde und Bekannte haben sich hingesetzt, sich Bibeln verschiedener Übersetzungen gegriffen und abgeschrieben. Sorgfältig mit der Hand. "Die Bibel ist ein schönes Buch", sagt Bokowski. "Aber auch ein kompliziertes."

Präsentation am 7. Mai

Der neue, in Leder gebundene Band soll im Gottesdienst am 7. Mai präsentiert werden. Fast 2500 Seiten dick dürfte die Bibel sein, von rund 350 Menschen abgeschrieben. Ein Dreh- und Angelpunkt des Projekts waren als "Paten" die 16 derzeitigen Konfirmanden, die vor allem nach Schreibern gesucht haben. "Dieser Jahrgang musste sich intensiv mit der Bibel auseinandersetzen", sagt Bokowski. "Das strahlt auch in die Gemeinde aus." Zu den Konfirmanden gehört auch Jakob Fechter. Der 15-Jährige hatte mit dem 1. Buch der Könige zu tun und mit dem Matthäus-Evangelium. Er schrieb Teile daraus selbst ab und verteilte auch Teile an andere zum Abschreiben, an seine Oma etwa. "Das war für mich eine ganz andere Art", erzählt er. "Die Bibel nicht einfach nur zu lesen, sondern sie auch abzuschreiben. Da lernt man die Bibel auf eine andere Art kennen."

Gestartet war das Projekt im vergangenen Jahr im September. "Das war Dorfgespräch, beim Bäcker und beim Metzger", sagt Bokowski (44). Küsterin Hannelore Wagner ergänzt: "Erstaunt waren wir alle." Junge und Alte hätten dann einander unterstützt, erzählt die Pfarrerin. Menschen, die dadurch zum ersten Mal überhaupt miteinander in Kontakt gekommen seien. Die Aktion soll die Bibel auch wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Bokowski hat die Frage bewegt: "Würden Gottesdienstbesucher merken, dass die Altarbibel fehlt, wenn ich sie wegnehme?" Auch die 64-jährige Wagner schrieb mit ab. "Das war etwas ganz Besonderes. Die Bibel bedeutet mir sehr viel. Da bleibt was innerlich hängen." Einfach sei es nicht immer gewesen. Denn das Papier hatte keine Linien, auch keinen Rand. Dieser müsste selbst berücksichtigt werden, damit es mit dem Buchbinden dann auch hinhaut. "Ich hatte ein Lineal", erzählt Wagner. "Ich habe dünne Linien gezogen und sie dann wieder wegradiert."

"Viele einzelne Teile"

Elke Rachut aus Crumstadt hatte sich die ersten 15 Kapitel aus dem 1. Buch der Chronik vorgenommen, lange Geschlechtsregister mit schwierigen Namen. "Ich brauchte viel Ruhe, habe oft am Sonntag geschrieben", erzählt die 57-Jährige. "Da, wo ich zu schreiben aufgehört habe, werde ich sicher weiterlesen."

"Die verschiedenen Handschriften haben mich beeindruckt", sagt Bokowski. "Die Lebendigkeit. Wie plötzlich sichtbar wird, dass dieses Buch aus vielen einzelnen Teilen besteht. Diese Vielfalt ist greifbar und sichtbar. Dieses Projekt hat auch viele Ebenen, die gewirkt haben und wirken werden."

Was war, wenn jemand sich verschrieb und einen Fehler machte? "Einfach durchstreichen", riet Bokowski. Hier und da ist ein durchgestrichenes Wort auch zu sehen. Am Ende ist die Freude aber groß. "Es ist toll, wenn man nachher das Ergebnis in der Hand hält", sagt Pfarramtssekretärin Monika Dietel (45). lhe